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Artikel veröffentlicht am 1. Februar 2009
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Artikel veröffentlicht am 1. Februar 2009
Dann, wenn sich die Frage über die zu verbessernde Wahrnehmbarkeit der lokalen Gruppen von Café Babel im Internet auftut, erscheint da nicht die durch einige Gemeinden entwickelte Idee anziehend, sich ihren eigenen Domain-Namen zuzulegen?

Paris, Berlin, Hamburg, Barcelona, London, New York machen gemeinsam Front

In einem quasi militanten Bündnis, in welchem sie das Recht auf Zugang zum Internet einfordern – und um von diesen Vorteilen in Sachen Angebot und Service zu profitieren – bilden diese Städte heute die DotCities, eine gemeinsame Internet-Gruppe. Dennoch ist gerade nicht so klar, ob die Sache gut ausgeht. Tatsächlich legt ICANN heute die Messlatte sehr hoch, indem sie 185.000 $ (in etwa 137.000 €) als Bearbeitungsgebühr und 75.000 $ (ca. 55.500 €) als Jahresgebühr verlangt. Paris und die anderen Städte der DotCities halten diesen Tarif für viel zu hoch. Sie schlagen somit vor, 50.000 $ für die Zuweisung und 15.000 $ als Jahresgebühr zu entrichten. Wenn die Gruppe das schafft, könnte sich Paris um die Stelle bei der ICANN im kommenden Monat (Februar 2009) bewerben. Gemäß Jean-Louis Missika, Stellvertreter des Pariser Bürgermeisters mit Schwerpunkt Neuerungen, könnten am 30. September abschließende  Ergebnisse präsentiert werden. Im besten Fall würde die Stadt Paris über ihren eigenen Domain-Namen ab dem ersten Quartal des Jahres 2010 verfügen.

Wenn auch die Idee Einstimmigkeit hervorruft, könnten Widerstände im Berliner Senat das deutsche Lobbying gefährden. „Die Stadt möchte ihr Portal, welches von einer halbprivaten Gruppe, gebildet durch einen Verlag und zwei Banken, geleitet wird, schützen vor einem neuen Site-Portal, vertreten durch den Zusatz dotBerlin“, teilt Johannes Lenz-Hawliczek, Mitglied der dotBerlin im Bereich Information mit.

Die Perspektive, das „globale Dorf“ zu integrieren, stellt eine wirkliche Herausforderung dar

Neben den mit einer besseren Verortung im internet verbundenen Vorteilen würde die Anerkennung eines dotparis, dotberlin, dotlondon oder eines dotbarcelona auf dem lokalen Niveau erlauben, nicht mehr nur Zuschauer, sondern auch Akteur  be der digitalen Revolution zu sein. Dieses Interesse für das Internet beweist ebenso, dass dieses Netzwerk eine verlockende Nische für die öffentlichen Behörden  geworden ist, die darauf bedacht sind, auf die Entwicklungen des Marktes einzugehen, ohne den Eindruck zu erwecken, ihre Seele dem Teufel zu verkaufen. Ebenso ist ein Mittel, sich den Akteuren der Wirtschaft (Unternehmen, KMU, die sich wünschen würden, ein .paris bei ihrem Namen stehen zu haben) und den Verbänden anzunähern, aber auch um sich für eine Nähe zu den Bürgern einzusetzen. Zur Zeit eines „Defizits an Legitimität“ kann das virtuelle Gemeinwesen zu einem exzellenten Linderungsmittel werden.

Es liegt also eine wirkliche Herausforderung vor, existentiell für Unternehmen, Privatpersonen und Verbände, durch ihre Stadt im Internet untergebracht zu werden, vor allen Dingen für Eure teuren Babel-Blogs. Um die Schizophrenie vorbeiziehen zu lassen, welche uns heutzutage heimsucht, und um ganz und gar die Rolle des Fahnenträgers der Eurogeneration auf lokaler Stufe zu spielen, wäre da der Erwerb eines www.cafebabel.paris nicht die eindeutigste und emblematischste Lösung angesichts dessen, was den Begriff eines „europäischen Bürgers“ auszeichnet?

Sophie Helbert

Trad.: Matthias Jakob Becker