Sex zum Studententarif

Artikel veröffentlicht am 7. November 2007
Artikel veröffentlicht am 7. November 2007

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Verschiedenen Umfragen in EU-Ländern zufolge finanzieren nicht wenige Hochschulstudentinnen ihr Studium mit Prostitution. Das Phänomen scheint sich stetig auszubreiten.

"In zwei Monaten war ich mit mehr als vierzig Männern im Bett. Im ersten Studienjahr kam ich damit etwa auf tausend Pfund Sterling pro Woche. Mit anderen Jobs verdiente ich nicht genug. Jetzt habe ich mehr Zeit für das Studium und mein Vergnügen", erklärt eine englische Studentin in der wöchentlich erscheinenden Studentenzeitung Varsity. Und dies gilt auch für viele andere Mädchen. Mädchen, die an der Eliteuniversität in Cambridge immatrikuliert sind und die jüngsten Umfragen zufolge nicht etwa als Babysitter arbeiten oder Mitschriften an Kommilitonen verkaufen, sondern lieber Strapse und Spitzenmieder tragen, um über den Monat zu kommen.

Körper für Geist verkaufen

Studieren ist teuer. Das ist nichts Neues. Und wenn wir zu den Studiengebühren noch Miete, Unterhalt und die Kosten hinzurechnen, um ab und zu nach Hause zu fahren, bleibt wahrlich wenig übrig. Viele finden sich mit Gelegenheitsarbeit ab - als Kellner, Verkäuferinnen, in Call-Centern oder im besten Fall mit Nachhilfestunden. Aber nicht alle sind bereit, die letzten freien Stunden des Tages für ein paar Zehner zu opfern. Warum also nicht - virtuell oder real - den eigenen Körper verkaufen, um sich den Unterhalt zu verdienen?

Bereits eine frühere, im Oktober 2006 von der französischen Tageszeitung Le Figaro veröffentlichte Studie der Studentengewerkschaft Sud-Etudiant ergab, dass zirka 40.000 junge Leute zwischen 19 und 25 Jahren (maßgeblich Frauen), ihren Körper verkaufen, um das Studium zu finanzieren. Und dieser Trend ist keineswegs nur in Frankreich zu beobachten, sondern breitet sich zunehmend auch in anderen EU-Ländern aus. So zum Beispiel in England oder Polen, wo man praktisch Millionär sein muss, wenn man an einer Hochschule studieren möchte. Nach einer Erhebung unter 130 Studenten der prestigereichen Kingston University gab einer von zehn Studenten an, Kommilitoninnen zu kennen, die in Nachtclubs oder als Callgirls arbeiten. Der auslösende Faktor sei immer das Geld. Eine Immatrikulation an englischen Universitäten kostet um die 4.500 Euro im Jahr.

Tagebuch eines Webcamgirls

Auch in Italien scheint sich das Phänomen auszubreiten. So wurde im vergangenen Jahr an der Universität der Region Kalabrien (Unical) entdeckt, dass einige Erasmus-Studentinnen andere Studenten in ihren Unterkünften empfingen und dort Sex gegen Bezahlung lieferten. Aber nicht immer handelt es sich um Prostitution im engen Sinne. Oftmals reicht schon eine Webcam und der Besuch bestimmter Webseiten, auf denen Voyeure bereitwillig bis zu 150 Euro abdrücken (70 für die Agentur und 80 für das Mädchen), um zehn Minuten mit einem Girl in Unterwäsche zu plaudern.

"In einem Monat kann ich bis zu 3.000 Euro verdienen, einfach indem ich ein paar Stunden pro Tag bequem vor meinem PC sitze", erklärt Morgana (22), Studentin für Politikwissenschaften an der Sapienza in Rom, in einem Interview des Webportals StudentiMagazine. Es reicht, in die Adressleiste des Browsers die URL ragazzeinvendita.com einzugeben, um zu sehen, dass das Phänomen weitaus verbreiteter ist als man denkt. Dies ist eine virtuelle Welt, in der Webcamgirls, darunter auch zahlreiche Studentinnen, für leichtes Geld posieren, sich erzählen und ihren Körper filmen. Eine von ihnen, Helen, hat sogar ein Buch geschrieben, in dem sie von ihrem Leben, ihren Entscheidungen und ihrem zweiten Ich im Web erzählt (Diario di una webcamgirl, erschienen bei Ed. Mursia).

Andere wiederum ziehen es vor, anonym zu bleiben und geben sich damit zufrieden, ihre getragene Unterwäsche online an Fetischisten zu verkaufen. "Willst du meinen gerade getragenen Slip? Nur 13 Euro und er ist deiner", schreibt eine 18-jährige Studentin in einem Webportal für Vintage-Klamotten in Mailand. Will man zusätzlich zu Tanga und BH auch ein Foto bekommen, auf dem die Anbieterin eben diese Teile trägt, genügt es, einen kleinen Aufpreis zu zahlen. Persönliche Treffen sind allerdings tabu, machen die Inserentinnen unmissverständlich klar. Alles muss strikt virtuell bleiben. Dagegen ist nichts zu sagen. Es gibt eben für jeden Geschmack etwas. Aber zu welchem Preis?