Senegal fischt nach Europa

Artikel veröffentlicht am 18. April 2008
Artikel veröffentlicht am 18. April 2008
Die Fanggebiete vor der senegalesischen Küste sind beinahe leergefischt. Und die Fischer, Opfer der Handelsabkommen mit der EU, machen sich in ihren Einbäumen auf den gefährlichen Weg nach Europa.

Elhadj Bop aus Vélingara wurde "die Fischerei in die Wiege gelegt", wie er selbst sagt (Foto: José Lavezzi)

"Eine Partnerschaft sollte auf Transparenz beruhen und die einheimischen Akteure beteiligen. Dem Abkommen mit der EU mangelt es an Durchsichtigkeit, und es ist auch nicht klar geregelt, was mit den finanziellen Kompensationszahlungen passiert", sagt Souleymane Omar Sarr, ein Fischer aus dem Dorf Fambine im Senegal. Von den Fischerei-Abkommen zwischen der EU und dem Senegal hat er erst vor zwei Jahren erfahren, durch eine Informationsveranstaltung der NGO Action Aid. Seine ganze Gemeinde hat daran teilgenommen - von den 600 Einwohnern von Fambine arbeiten 300 als Fischer.

Doch die Gewässer sind überfischt. Und die Fischer die ersten Opfer der Ausbeutung der Fischressourcen. Aber auch die einheimische Bevölkerung leidet: Der Fischmangel lässt die Preise ansteigen. Die Inflation macht den Kauf des proteinreichen Nahrungsmittels für viele hier unmöglich. In dem ostafrikanischen Land hat der Fischfang eine besonders starke Bedeutung - ökonomisch, sozial und auch kulturell. 75.000 Fischer gibt es hier, mehr als 600.000 leben von der Fischindustrie.

Fischen im Senegal

Auf 'x' in der Ecke rechts oben klicken, um die Slideshow erneut zu sehen (Fotos: José Lavezzi)

Fanggebiete der EU

Alles begann mit guten Absichten: Zu Beginn der achtziger Jahre unterzeichnete der Senegal das erste Fischfangabkommen mit der Europäischen Union. Das Land brauchte das Geld und Europa brauchte den Fisch für seine Verbraucher und Jagdgebiete für ihre Fischer. Doch die Fanggebiete waren sehr schnell erschöpft. Gründe dafür gab es viele: die europäische Nachfrage wuchs ständig, darüber hinaus schloss der Senegal auch mit anderen Ländern Abkommen über die Nutzung der Fanggebiete. Dazu kam die Krise in der Landwirtschaft: die Zahl der Fischer an der afrikanischen Küste stieg rasant an. Dem Staat fehlen die Mittel, um die Fanggründe kontrollieren zu können. Die senegalesische Fischindustrie vermischt sich mit der europäischen.

Souleymane will etwas verändern. "Die küstennahen Fischsorten müssen den Senegalesen vorbehalten bleiben, besonders den Einheimischen. Aber um unsere Existenz zu retten, muss man uns zuhören und uns Aufmerksamkeit schenken", sagt er. Da die Ressourcen schwinden, müssen die Fischer mit ihren einfachen Booten immer weiter hinausfahren, bis in die Gewässer von Guinea. Doch früher oder später sind sie zwangsläufig zum Scheitern verurteilt. Ihnen bleibt nur noch eine Gnadenfrist.

Da die Überlebensbedingungen immer schwerer werden, ist es kaum verwunderlich, dass viele senegalesische Fischer sich mit ihren Booten auf den Weg nach Europa machen. Und das Sine-Saloum Delta ist besonders betroffen. "Allein im vergangenen Jahr haben sechs Fischer das Dorf in Richtung des Alten Kontinents verlassen", erzählt Moussa Ndiaye, ein Fischer aus Fambine.

Die Reise des Fischers Ibrahim nach Europa

Auch Ibrahim Sarr macht Nägel mit Köpfen: Er wird sein Dorf verlassen, um mit seinem Einbaum nach Europa zu fahren. Ibrahim wurde 1960 in Ndior geboren. Nach einem 'Aufenthalt' von 1979 bis 1981 in der Armee startete er in sein 'großes Abenteuer' nach Mauretanien. Ein guter Freund besorgte ihm einen Platz an Bord eines koreanischen Schiffes. Dort arbeitete Ibrahim zwei Jahre in der Fischereiindustrie, zusammen mit 30 Asiaten und 20 Fischern aus Senegal und Mauretanien. "Das Gehalt war extrem hoch, besonders für die damalige Zeit: 200.000 afrikanische Francs (ca. 300 Euro, A.d.R.) im Monat!", erinnert sich Ibrahim.

Anschließend wechselt er das Schiff und fährt unter spanischer Flagge weiter. Eine Zeit, an die er sich gern erinnert: "Sie waren den Afrikanern gegenüber zwar deutlich weniger respektvoll als die Koreaner. Zu der Zeit habe ich mir aber nicht die Frage gestellt, was für Konsequenzen die Fischerei für das Land hat. Wenn Du 500.000 afrikanische Francs hast, dann hast Du besseres zu tun. Ich habe daran gedacht, etwas auf die Seite zu legen, als Vorbereitung für Europa. Während dieser Zeit habe ich sehr gut gewirtschaftet", sagt Ibrahim, der sich auch von der Aussicht auf ein Leben in der Illegalität nicht abschrecken lässt.

"Ich bin in Las Palmas gelandet, um mich für einige Zeit in Spanien niederzulassen. Ein Freund von mir hatte den Plan, nach Deutschland zu gehen, nach München. Unglücklicherweise hat mich die Polizei in Bonn aufgegriffen und zurück in den Senegal geschickt. Damit war das Abenteuer vorbei. Doch ich werde es auf jeden Fall wieder versuchen. Natürlich würde ich lieber hier im Senegal bleiben und mir ein Leben aufbauen, aber ich sehe hier dafür leider keine Möglichkeit."

(Fotos: José Lavezzi)