Schwere Zeiten für die Generation "Erlebniskonsument"

Artikel veröffentlicht am 2. Juni 2009
Artikel veröffentlicht am 2. Juni 2009

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Die Krise stellt junge Unternehmer in Brüssel vor neue Herausforderungen. Während ein Teil sehr gut ausgebildet ist, haben die Unqualifizierten zu kämpfen.

In Brüssel tut sich ein Graben auf. Ein Graben, der vielen jungen Menschen zum Verhängnis werden könnte. Und die aktuelle Wirtschaftskrise vergrößert ihn jeden Tag. Die Brüsseler Jugend bietet ein ambivalentes Bild. Während die Manager von Morgen die Krise eher als Herausforderung sehen, regiert bei den Jungen ohne Abschluss die Angst.

“Die meisten Jugendlichen hier wollen nur wissen, welche Arbeit sicher ist”, berichtet François Deblander vom Jugendhilfezentrum Inforjeunes in Brüssel. “Und sie wollen so schnell wie möglich Geld verdienen.” Die meisten jungen Leute, die bei Deblander Rat suchen, haben bereits eine lange Geschichte an Misserfolgen hinter sich. Zu ihm kommen die Unqualifizierten, die alleine keinen Job finden. Es gibt viele von ihnen in Brüssel. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei über 34 Prozent, die der wenig Qualifizierten noch höher. Insbesondere die französischsprachigen Arbeitssuchenden haben es schwer. “Eingestellt werden nur Leute mit Sprachkenntnissen und Diplomen”, sagt Deblander. Für seine Jugendlichen ist das ein Problem.

Kreativität in der Krise

Doch auch für diese gut ausgebildeten jungen Leute werden die Jobs knapp. Deshalb suchen sie neue Horizonte. “Eine Krise ist immer ein Moment, in dem die Kreativität steigt”, weiß Bernard Van Steenberge von der Personalberatungsgruppe Michael Page. Der Brüsseler Personalchef kritisiert die rigiden Strukturen vieler Unternehmen. Doch diese bieten unerwartete Chancen: “Wenn die großen Firmen sich nicht an die Veränderungen anpassen wollen, bietet das Platz für neue, junge Unternehmen.”

Der Vorsitzende des wallonischen Unternehmerverbandes Vincent Reuter hat ebenfalls das Potenzial der Krise erkannt und appellierte unlängst: “Profitiert von der Krise um Neues zu schaffen!” Annick Lefèvre unterstützt ihn und möchte mit ihrer wallonischen Organisation FREE jungen Leuten den Unternehmergeist nahebringen. “Die Krise ist eine riesige Gelegenheit, weil die Leute in Bewegung kommen müssen”, erklärt sie. Es wäre die Chance für junge Unternehmer. Dann zuckt Lefèvre mit den Schultern. “Aber leider haben viele das noch nicht verstanden.”

Faul und zu anspruchsvoll

Doch nicht nur daran hapert es. Die Jugend sei zu faul und gleichzeitig anspruchsvoll. “Viele junge Leute sind einer Illusion verfallen”, beklagt Lefèvre. “Junge Unternehmer träumen heute von Auto und Ferien, dabei werden sie in den ersten Jahren gar kein Geld verdienen.” Auch Van Steenberge beobachtet eine Tendenz hin zur Bequemlichkeit. “Heute suchen die Jungen immer mehr ein Gleichgewicht in ihrem Leben, der Job tritt in den Hintergrund.” Der Personalchef hat einen Ausdruck für diese neue Generation: “Consommateurs d'expériences” - Erlebniskonsumenten.

Auch François Deblanders Besucher sind Teil dieser Generation, doch ihre Probleme sind andere. Dennoch hegen auch viele von ihnen den Traum von der eigenen Firma. “Inforjeunes” bietet speziell Fortbildungen für junge Existenzgründer an. “Das sind bei uns die Leute, die keinen Platz im traditionellen System gefunden haben.” Sie gehen den Weg in die Unabhängigkeit aus Mangel an Alternativen. Und scheitern meistens. In diesem Punkt ähneln sich hoch und niedrig qualifizierte junge Unternehmer.

Besonders schwer falle den jungen Unternehmern die Verwaltung ihrer Firma, erklärt Annick Lefèvre. “Am meisten Probleme haben sie bei der langfristigen Planung”, bezeugt ihre Kollegin Fabienne Baise vom Verband junger Unternehmen. Und fügt nicht ganz uneigennützig hinzu: “Deshalb brauchen sie jemanden, der ihnen hilft.”

Alain Hosdey glaubt ebenfalls, dass junge Unternehmer Hilfe brauchen. Jedoch denkt der Berater der Zeitarbeitsfirma “Unique” dabei eher an die Unterstützung der Banken. “Heute ist es viel schwieriger einen Kredit zu bekommen.” Schuld daran sei der Vertrauenseinbruch seit Beginn der Finanzkrise. “Dabei haben gerade kleine und mittlere Unternehmen meist nicht genügend Eigenkapital.” Ein Problem, das alle Existenzgründer betrifft.

Auch über die Ursache des häufigen Scheiterns sind sich die Experten beidseits des Grabens einig: Schuld am Versagen der Jugend sei das Schulsystem. Dieses bereite die Jugendlichen nicht genug auf den Arbeitsmarkt vor und vermittle zumeist unnützes Wissen. “Das Schulsystem verstärkt vorhandene Ungleichheiten und bietet keine Orientierung”, kritisiert Deblander. Auch Fabienne Baise ist unzufrieden.“In der Schule wird das Bild vermittelt, das Wirtschaft etwas Schlechtes sei.”

So unterschiedlich die beiden Gruppen auch sind, ihre Probleme übersteigen den Graben.

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