Schwedische Tortilla?

Artikel veröffentlicht am 2. Mai 2008
Artikel veröffentlicht am 2. Mai 2008

SOS: Dieser Artikel wurde weder von einem Editor überarbeitet noch in einer Gruppe veröffentlicht.

Auch nach fünf Jahrzehnten Europäischer Union ist die Gastronomie immer noch stark von Chauvinismus geprägt. Zwischen der französischen und der italienischen Küche gibt es schon seit jeher eine starke Rivalität: Auf beiden Seiten der Alpen ist man immer bemüht, die Überlegenheit der eigenen Küche zu beweisen. Es gibt einige kuriose Beispiele dafür, dass der Nationalstolz zweitrangig ist gegenüber dem Willen, die eigenen Rezepte aufzuwerten, indem man ihnen eine andere Nationalität gibt.

In Frankreich gibt es zum Beispiel ein leckeres Dessert aus Vanilleeis, das mit Biskuitteig und Baisermasse bedeckt ist: das Norwegische Omelett (omelette norvegienne). Erfunden wurde dieses Gericht vom Chefkoch des Hotel de Paris in Monte Carlo zu einer Zeit, als Norwegen noch nicht einmal seine Unabhängigkeit erlangt hatte. Wieso also dieser Name? Die Glasur der Süßspeise erinnert an ein schneebedecktes Iglu. Fragt man aber einen Norweger, was dieses Omelett ist, wird er antworten, dass es sich um ein Omelett mit Lachs handelt.

Und wie sieht es jenseits der Alpen, in Italien, aus? Wer hat noch nie in seinem Leben ein Vitel tonné probiert? Es handelt sich hierbei um ein Gericht aus Rindfleisch, das in hauchdünne Scheiben geschnitten wird und mit einer Sauce bestehend aus Kapern, Sardellen, Thunfisch, Mayonnaise und einem Schuss Zitronensaft bedeckt wird. Das Gericht ist typisch italienisch und wurde im 19. Jahrhundert in der italienischen Region Piemont erfunden. Dennoch sind wahrscheinlich nicht wenige Italiener der Meinung, es handle sich um einen großen Klassiker von den Champs Elysées. Dabei ist der Name bloß eine französische Aufwertung für die italienische Bezeichnung Vitello tonnato.

Was soll man eigentlich vom spanischen Brot halten? In Italien eine Spezialität, hat man auf der iberischen Halbinsel noch nie davon gehört! (Illustration: Alberto de Francisco)

Bleibt zu hoffen, dass die Inspiration und die Fantasie unserer europäischen Chefköche uns weiterhin zum Schmunzeln bringen und uns leckere Gerichte bereiten. Wer weiß, vielleicht gibt es ja eines Tages 'neapolitanisches Sauerkraut' oder eine 'schwedische Tortilla'.

Vitello tonnato bzw. Vitel Tonné für sechs Personen:

600 g Kalbsnuss

1 Karotte

1 Lauch

1 Sellerie

grobes Salz

1 EL Olivenöl

Für die Sauce:

400 g Thunfisch, abgetropft

400 g Mayonnaise

50 g Sardellenfilets

50 g Kapern

5 cl Zitronensaft

Kochen Sie zuerst das Fleisch. Geben Sie die Karotte, den Lauch, den Sellerie, etwas grobes Salz und das Olivenöl in einen Topf. Gießen Sie etwas Wasser hinzu, bringen Sie das Ganze zum Kochen und legen Sie das Fleisch hinein. Das Ganze muss einige Stunden lang auf einem kleinen Feuer garen, bis das Fleisch zart ist.

Lassen Sie das Fleisch erkalten. In der Zwischenzeit können Sie die Soße vorbereiten, indem Sie alle Zutaten mixen. Schneiden Sie das Fleisch, sobald es kalt ist, in hauchdünne Scheiben und richten Sie diese auf einem Teller an. Bedecken Sie die Scheiben dann mit der Soße. Garnieren Sie das Gericht mit Kapern und lassen Sie es vor dem Servieren noch einige Stunden durchziehen.