Schockierende Kunst

Artikel veröffentlicht am 25. April 2007
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Artikel veröffentlicht am 25. April 2007

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„Wenn Du Dich an sie erinnerst, bist Du wohl nicht dabei gewesen.“ Eine Begegnung mit drei Künstlern, die die Movida in Madrid geprägt haben.

Übergang und Extravaganz charakterisierten die Movida Madrileña. Nach 36 Jahren Franco-Diktatur revolutionierte die Künstlerbewegung das Lebenskonzept der spanischen Gesellschaft. Beißende Kunst, Transvestiten in skandalös hohen Absätzen, tonnenweise Make-up, Drogen, Sex und Partys über Partys.

Die Movida Madrileña war ein respektloser künstlerischer Boom, der bis dahin seines gleichen sucht. Er stellte das Verständnis von Filmkunst, Musik und Malerei des puritanischen Spaniens auf den Kopf.

Fabio McNamara: die Königin

„Wenn heute im Jahr 2006 ein Mann 15 Centimer hohe Absätze trägt und einige sich darüber aufregen, dann können Sie sich vorstellen, was für Wellen das zu Beginn der 80er Jahre geschlagen hat". Zu diesem Schluss kommt die Schriftstellerin und Musik-Kritikerin Sílvia Grijalba in ihrem Buch Dios Salve a la Movida („Gott schütze die Movida“), das das Leben Fabio de Miguels nachzeichnet, besser bekannt als Fabio McNamara oder Fanny.

Egal ob als Schauspieler, Maler oder Sänger, McNamara war einer der bekanntesten Vertreter der Movida. Er wurde 1957 in Madrid geboren und war lange Zeit künstlerischer Gefährte des Regisseurs Pedro Almodóvar. Zusammen traten sie als als Musik-Duo Almódovar & McNamara auf. Zur gleichen Zeit spielte McNamara in den ersten Filmen des späteren Star-Regisseurs mit. Unbestrittener Höhepunkt seiner Karriere waren jedoch seine Auftritte als „Königin“ der Madrider Partys der 80er Jahre.

Viele Spanier waren für solch einen Wandel noch nicht bereit. Auf dem Plaza de las Ventas trat Fabio 1981 mit der Band Alaska y los Pegamoides auf. Auf diesem Heavy Metal-Konzert war er als Flamenco-Tänzerin gekleidet. Das Publikum schimpfte und warf Flaschen auf die Bühne.

“You are a star“ sagte Andy Warhol einmal zu dem Künstler, um ihn zu ermutigen, trotz der heftigen Reaktionen weiterzumachen. Heute aber scheint Fabio McNamara, die einstige „Königin der Movida“, in Vergessenheit geraten zu sein.

Doch er ist immer noch ein facettenreicher Künstler. Beispielsweise als Band-Mitglied von Sarassas Music. 2006 hat die Band das Album Mariclones herausgebracht. Was hält er heute von den Stars der Movida? „Die sind zu stumpfsinnigen, reichen und bekannten Leuten geworden.“

Olvido Gara: die Muse

In dem Film „Pepi, Luci, Bom” von Pedro Almódovar mimt Olvido Gara eine junge Künstlerin. Die Szene, in der ein sadomasochistisches Hausmütterchen sie um eine Natursektdusche bittet, hat man in Spanien noch immer nicht vergessen.

Olvido Gara, besser bekannt als Alaska, ist das Wunderkind der Movida. Sie galt damals als „die Muse“ der Bewegung. Alsaka wurde 1963 in Mexiko geboren. Mit 14 gibt sie mit Freunden die eher amateurhafte futuristische Funk-Zeitschrift La Liviandad del Imperdible („Die Leichtigkeit des Unverlierbaren“) heraus. Mit 15 gehörte sie der Band Kaka de Luxe an. Keiner der Bandmitglieder konnte ein Instrument spielen oder singen. Sie lösten sich bald auf und Alaska wechselte zu Alaska y los Pegamoides.

Die Kinder der 80er erinnern sich an Alaska als die Gothic-Moderatorin der Kindersendung La Bola de Cristal („Die Kristallkugel“), die vom öffentlichen Fernsehen ausgestrahlt wurde. Alaska und Pedro Almódovar sind diejenigen Künstler der Movida, die sich wohl am besten der neuen Zeit angepasst haben.

Sie ist heute die Ikone verschiedener Schwulen-Bewegungen Spaniens. Man schätzt die Künstlerin für ihre tiefgründigen Gedanken. In jüngster Zeit machte sie durch einen Streit mit der spanischen Musikbehörde SGAE auf sich aufmerksam. Alaska kritisierte, dass die übertriebenen Albenpreise der eigentliche Grund für CD-Piraterie seien.

Mit ihrem letzten Album El extraño viaje (2006) hat sie es, gemeinsam mit Nacho Canut als Sängerin der Elektro-Pop-Band Fangoria, auf den zweiten Platz der spanischen Albumcharts geschafft. Fangoria ist aus der Band Alaska y Dinamara entstanden, die noch aus der Movida stammt.

Pedro Almodóvar: der König

„Ich werde ihn Lucifer nennen. Ich werde ihm beibringen, zu kritisieren, ich werde ihm beibringen sich von der Prostitution zu ernähren und zu lieben. Wenn ich einmal Mutter sein werde!“ – So lautet der Text des Liedes Voy a ser mamá der parodistischen Punk-Glam-Rock-Band Almódovar & McNamara.

Der Regisseur und Drehbuchautor Pedro Almodóvar wurde 1951 in Calzada de Calatrava in der Provinz von Ciudad Real geboren. Im Jahr 2000 wurde er international bekannt, als Penélope Cruz ihn bei der Oscar-Verleihung zum Sieger ausrief: „Pedrooooo!“ Mit Todo sobre mi madre („Alles über meine Mutter”) gewann Almodóvar seinen ersten Oscar für den besten fremdsprachigen Film. Drei Jahre später wurde er für Hable con ella („Sprich mit ihr“) mit dem Oscar für das beste Originaldrehbuch ausgezeichnet.

Die Ursprünge des Regisseurs sind jedoch weniger glamourös. Um sich seine ersten Kurzfilme zu finanzieren, arbeitete Almodóvar Mitte der 70er Jahre als Techniker für den Konzern Telefónica. Obwohl er der Älteste unter den Movida-Künstlern ist, wird er bald zum Meister des Übergangs und zum „König“ der Movida. Unter dem Pseudonym Patty Diphusa schreibt er bald für die Zeitungen Luna, El Víbora, El País oder Diario 16.

Sein erster Film Folle, folle, fólleme... Tim (1978) gehört heute noch zu seinen punkigsten und bissigsten Werken. Zwei Jahre später drehte er seinen ersten Spielfilm „Pepi, Luci, Bom“. Von da an produzierte Almodóvar einen Film nach dem anderen. Und mit jedem Werk stieg sein Erfolg: Laberinto de pasiones („Labyrinth der Leidenschaft“, 1982). Entre tinieblas („Das Kloster zum Heiligen Wahnsinn“, 1983) oder ¿Qué he hecho yo para merecer esto? („Womit habe ich das verdient?“, 1984).

Das Erbe, das Almodóvar der Movida hinterlassen hat, illustriert bestens die halbstarke Pop-Epoche Spaniens.

Mit Dank an Albert Salarich