Schnurrbartreiten beim Hipster Cup

Artikel veröffentlicht am 11. August 2014
Artikel veröffentlicht am 11. August 2014

Die deutsche Hauptstadt quillt über vor neuen Moden, Leidenschaften und Trends. Eine Bewegung hat Berlin mittlerweile zu ihrem unangefochten Mekka erkoren. Wofür können sich die Berliner fast noch mehr begeistern als für die Fußballweltmeisterschaft? Genau: für Hipster. Eine Fotoreportage.

Schnurrbärte, gewagte Klamotten, Club Mate und Polaroids... Manche mögen diese Begriffe mit rein gar nichts assoziieren, aber für diejenigen, die in Berlin wohnen oder zumindest eine kurze Zeit hier verbracht haben, ist die Sache klar. Sofort schießt uns ein Porträt in schreiend bunten Farben, ganz im psychedelisch-antiquierten Instagramstil mitsamt dem entsprechenden Gesichtsausdruck, in den Kopf. Vielleicht habt ihr sie schon entdeckt, durch ein Buch eines unbekannten Autors blätternd, in einem der vielen Ökocafés in Neukölln. Oder auch im Biosupermarkt, wo sie sich ihre Jutetasche mit Lauch, Kurkuma und Sonnenblumenkernen vollstopfen. Oder auf dem Sattel eines coolen Fahrrads? Endlos könnte man versuchen, die Hipster zu beschreiben, aber vielleicht sollten wir doch lieber ihrem wichtigsten Motto folgen: No definition! Nur wer nicht weiß, dass er ein Hipster ist, ist ein echter Hipster. 

Seit letztem Samstag ist das große Geheimnis allerdings gelüftet. Die Verfechter dieses Stils, der Berlin nun schon seit Jahren erobert hat, sind am 26. Juli 2014 aus ihren Höhlen gekrochen, um ihr wahres Ich preiszugeben und an einem Event teilzunehmen, bei dem sie sich fulminant selbstdarstellen können. Vielleicht um sich selbst auch etwas weniger ernst zu nehmen und damit eine ironische Distanz zum eigenen Sein zu bewahren. Willkommen beim Hipster Cup! 

Olympioniken des "Hipsterismus"

Aus diesem Anlass geben sowohl Teilnehmer als auch Organisatoren ihr Bestes, denn das Motto des Hipster Cup lautet: Wer viel hat, darf noch einen drauflegen! Die Wahl des Veranstaltungsortes ist daher auch kein purer Zufall: Dieses Jahr öffnet die Malzfabrik, mitten im Industriegebiet von Schöneberg, dem Hipster Cup ihre Pforten. Seit 2005 wird diese Brauerei, die zwischen 1914 und 1917 erbaut worden ist, systematisch in ein Zentrum für nachhaltiges Design und Kreativprojekte umgebaut. Rauchfänge, die bis in den Himmel reichen, imposante Backsteinbauten, weite Grasflächen und geheime Pfade im Gebüsch, sind der perfekte ländliche Hintergrund für jedes Open-Air.

Reifen aufpumpen und Blue-Jeans-Tauziehen

Vielleicht dachtet ihr bis jetzt, dass alle Hipster pazifistische Nichtstuer sind? In Anbetracht des wilden Eifers, mit dem sich die Teilnehmer in die Hipster Cup-Wettbewerbe stürzen, kann man mit Sicherheit sagen, dass dem nicht so ist. Die Mannschaften, die so klingende Namen wie McGranitt, White Elephant und so weiter tragen, stellen sich dabei den unmöglichsten Herausforderungen: Wasserrutschen im Reifen, Hipster-Begriff-Pantomime, Staffellauf auf dem Fahrrad, Ballwurf mit Plüschtiereule... Die ultimative Herausforderung aber ist das Blue-Jeans-Tauziehen. 

Und die Verlierermannschaften tragen ihr Pech keinesfalls mit Würde. Liegt das wohl daran, dass die Schnurrbarttrophäe ihnen die ultimative Macht in Hipsterland beschert hätte?

Kunst und Schnäppchen auf dem Design-Markt

Was zeichnet einen Hipster aus, wenn nicht seine Kleidung und Accessoires? Das reicht von unausweichlichen Jutebeuteln mit Minimal Print über leckere Club-Mate-Marmelade, Paillettenschnurbärte, Schuhe mit Autoreifensohlen, graphic novels und Zimtlikör bis zu geometrischen Schmuckstücken aus Holz. Natürlich kann man sich auch gleich vor Ort tätowieren lassen, ein Fahrrad kaufen, Polaroids knipsen, einen veganen Burger essen oder Gesicht, Arme und Beine mit Perlen und Brillanten bekleben lassen. Sogar die Volksbank legt beim Hipster Cup ihr Retrokostüm an! 

Pinsel, Farben, Graffiti und mechanische bärte

Hipster sind natürlich kreativ und machen bei jedwedem Designprojekt mit, vor allem wenn dieses von einem eher zweifelhaftem Geschmack zeugt. Die Resultate sind oft interessant, meistens lustig und manchmal sogar bemerkenswert. Wer lieber nicht den Pinseldilettanten gibt, kann beim Hipster Cup auf einem überaus wilden, mechanischen Schnurrbart Rodeo reiten.

Hipsterfreuden... Vorsicht Selfie! 

Am schönsten ist es natürlich, einfach nur herumzuspazieren und sich von der Einzigartigkeit der Besucher und Teilnehmer des Hipster Cups überraschen zu lassen. So kann man mit Brillantspiralen verzierte Gesichter bewundern, Kleidung unterschiedlichster Epochen entdecken, bunte Sollenbrillen, komplizierte Haarfrisuren und natürlich jede Menge Leute, die den ganz besonderen Moment per Selfie festhalten, bestaunen. Ebenfalls anwesend sind Mitglieder des extravaganten Bart-Clubs, mit ihren komplexen Bärten echte Hingucker, und viele fröhliche Hipster-Familien. 

HIPSTER LIFESTYLE

Der Hipster Cup 2014 klingt vor einem farblich passenden Sonnenuntergang aus, der nicht nur die Wolken ockergelb färbt, sondern auch all die Hipster, die ihre Glieder in komplizierten Yogapositionen verrenken. Die Diskokugel erstrahlt ebenso in neuem Licht wie die jungen Leute, die träge in Grüppchen auf dem Rasen sitzen oder sich zu elektronischer Musik bewegen, mit regenbogenfarbenen Seifenblasen tanzend.

Manche würden behaupten, dass der Hipstertrend seinen Zenith überschritten habe und nun neuen Mode- und Lifestylebewegungen weiche. Aber wer in Berlin lebt, für den ist die Welt der Hipster noch real. Als ich einem Freund erzähle, dass ich beim Hipster Cup war, meint er nur trocken: Warum musst du dafür zu einem Event gehen? Es reicht doch schon, vor die Tür zu treten. Da kannst du jeden Tag einen Hipster Cup erleben!" 

SOMMER IN BERLIN: ANSICHTEN EINER HEISSEN STADT

Hurra, hurra - der Sommer ist da! Auch wenn sich die Berliner Parks schon ab Juni in Freizeitzonen verwandeln, ist der August immer noch der Höhepunkt der heißen Jahreszeit. Cafébabel sammelt die schönsten Sommerimpressionen. Mehr Infos wie immer auf Face­book und Twit­ter