„Schism“ vs „Fitna“

Artikel veröffentlicht am 16. April 2008
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Artikel veröffentlicht am 16. April 2008
In Antwort auf Geert Wilders Antikoranfilm „Fitna“ sind mehrere Filme entstanden, die mit den selben Mitteln, die der Rechtspopulist gegen den Islam verwandt hat, die Bibel als gewaltbefürwortende Schrift darstellen. Doch ihr Ziel ist es nicht, Hass gegen das Christentum zu schüren, sondern die Manipulation von „Fitna“ zu entlarven. Mittwoch 16.
April 2008

“This is what the Lord Almighty says: Now go, attack the Amalekites and totally destroy everything that belongs to them. Do not spare them: Put to death men and women, children and infants, cattle and sheep, camels and donkeys.” Mit diesem Aufruf zur Vernichtung aus dem Buch Samuel des Alten Testaments beginnt der Kurzfilm „Schism“. Einigen der blutrünstigsten Zitaten aus der Bibel werden darin die Bilder der amerikanischen Bombenangriffe auf den Irak gegenübergestellt, um in dem Zitat George W. Bushs zu gipfeln, es gelte einen Kreuzzug gegen den Terror zu führen.

In dem sechsminütigen Streifen, der seit Anfang April im Internet steht, sieht es zunächst so aus, als wolle der saudische Blogger Raid Al Saeed die Bibel als Schrift darstellen, die zu Kriegsverbrechen anleite. Doch der Film, den der 33-Jährige angeblich in nur 24 Stunden angefertigt hat, soll nicht zum Hass aufrufen, sondern zeigen, wie einfach Manipulation ist. So endet der Film mit den Worten, es sei einfach, Teile eines heiligen Buches aus dem Kontext zu reißen, um es als unmenschliche Schrift hinzustellen.

It’s crap. Admit. Just like Wilders movie.

Der Antikoranfilm „Fitna“ des niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders hat im Internet noch weitere Entgegnungen hervorgerufen. So ist unter dem Titel „Schism – The English Version“ ein neunminütiger Film zu finden, der die Gräberfelder von Srebrenica, Kreuzigungsszenen während einer christlichen Prozession, einen Bombenanschlag auf eine Beerdigung in Nordirland sowie das Leichenfeld nach einem Massenselbstmord einer christlichen Sekte in Guyana zeigt.

Doch auch hier ist es nicht das Ziel, das Christentum als fanatische und blutrünstige Religion darzustellen. Denn er Film endet mit der Bitte, sich von dem Film nicht beleidigt zu fühlen. Er sei Mist – genauso wie der Film von Wilders. Er (der Filmemacher) habe zwölf Stunden dafür gebraucht, Wilders drei Monate. Und abschließend erscheint eine Sure aus dem Koran: “If God willed he would have made you one nation, but that may test you in what he has given you, so strive as in a race of good deeds.”

Auch die Bibel durchzieht eine Spur von Blut

Die Filme finden in den Internetforen ebenso Ablehnung als unzulässige Gleichsetzung der beiden Religionen, da die gezeigten Gewalttaten mit dem Christentum nichts zu tun hätten, wie auch Zustimmung als gelungene Dekonstruktion der antiislamischen Hetze von Wilders. Tatsächlich zeigen die Filme, wie leicht es ist, Sätze und Bilder aus dem Kontext zu reißen, um einen Zusammenhang herzustellen, den es so nicht gibt. Die Filme zeigen aber auch, dass ähnlich wie der Koran auch die Bibel von einer Spur von Blut durchzogen ist.

Das Alte Testament ist voll von Mord, Krieg und Gewalt und auch das Neue Testament enthält viele Stellen, die heute bewusst nicht mehr zitiert werden. Im Christentum ist man dazu gekommen, all jene Stellen, in denen zu Hass und Gewalt aufgerufen wird, zu ignorieren. Sollte dies nicht auch für den Islam das Ziel sein? Anstatt den Muslimen ständig vorzuhalten, wie unduldsam und gewaltbefürwortend der Koran ist, wäre es sicher besser, sie in einer selektiven Sicht des Korans zu bestärken.