Schauplatz Görlitzer Park: Der Staat als Dealer

Artikel veröffentlicht am 10. April 2014
Artikel veröffentlicht am 10. April 2014

Der Görlitzer Park wird von seinen Anwohnern meistens gemieden und mittlerweile fast ausschließlich von Touristen aufgesucht. Im Internet und in Reiseführern, ist die Grünfläche längst die heißeste Empfehlung für Touristen auf der Suche nach Drogen. Familien aus der Nachbarschaft sieht man deshalb dort immer seltener, was auch daran liegt, dass die Drogenszene immer aggressiver wird.

Mitt­ler­wei­le redet man vom „Dro­gen-Ter­ror" um den Gör­lit­zer Park, ob­wohl Kreuz­ber­ger (An­woh­ner des Be­zirks, Anm. d. Red.) ei­gent­lich für ihre To­le­ranz und Um­gäng­lich­keit be­rühmt sind. Doch die Dea­ler ste­hen nicht mehr nur im Park und an des­sen Ein­gän­gen, son­dern ver­teil­ten sich auch ent­lang der um­lie­gen­den Stra­ßen bis zur fast einen Ki­lo­me­ter ent­fern­ten Ober­baum­brü­cke.

Die Po­li­zei ver­sucht dem mit Raz­zi­en ent­ge­gen­zu­wir­ken, doch das ver­treibt die Dea­ler nicht. Im Ge­gen­teil: in letz­ter Zeit, ist die Zahl an Dro­gen­händ­lern ge­stie­gen. 200 Dea­ler ver­mu­te­t man inzwischen im Görlitzer Park. Doch trotz über 200 Razzien seit Mai 2013, werden es immer mehr. Meist kann den Dro­gen­dea­lern näm­lich nicht viel nach­ge­wie­sen wer­den. Vor­rä­te wer­den im Ge­büsch ge­bun­kert und vor Po­li­zei­kon­trol­len wird durch Wach­män­ner ge­warnt. Die Draht­zie­her be­kommt man im Park so­wie­so nicht zu Ge­sicht.

Video des Tagesspiegels: Coffeeshop im Görlitzer Park?

Der Lö­sungs­vor­schlag: grü­nes Licht für das Cof­fee­shop­pro­jekt

Der Ber­li­ner Be­zirk Fried­richs­hain-Kreuz­berg will (unter An­lei­tung der grü­nen Be­zirks­bür­ger­meis­tern Mo­ni­ka Herr­mann) mit dem bun­des­weit ers­ten Cof­fee­shop - in dem legal Can­na­bis ver­kauft wer­den soll - gegen Dro­gen­han­del kämp­fen. Das Ber­li­ner Be­zirks­par­la­ment hat einen An­trag für ein Mo­dell­pro­jekt am Gör­lit­zer Park in Kreuz­berg be­schlos­sen, doch die größ­te Hürde bei der Um­set­zung des Pro­jekts steht noch bevor.

In die­sem Jahr wol­len die Be­zirks­po­li­ti­ker mit Dro­gen­be­ra­tungs­stel­len und An­woh­nern einen An­trag für das Bun­des­in­sti­tut für Arz­nei­mit­tel und Me­di­zin­pro­duk­te (BfArM) in Bonn er­ar­bei­ten. Ziel des An­tra­ges ist eine Aus­nah­me­ge­neh­mi­gung für den le­ga­len Ver­kauf von Dro­gen, die das Be­täu­bungs­mit­tel­ge­setz im Falle eines "wis­sen­schaft­li­chen oder öf­fent­li­chen In­ter­es­ses" vor­sieht.

Um die­ses Pro­jekt ist es im Mo­ment nicht gut be­stellt. Ein Dro­gen­fund eines Mäd­chens im Ki­ta-Al­ter, hat in jüngs­ter Ver­gan­gen­heit auf sich Auf­merk­sam ge­macht. Auf dem kürzlich sanierten Pi­ra­ten­spiel­platz im Gör­lit­zer Park, hatte das Mäd­chen ­vier Kugel vol­ler Ko­ka­in ge­fun­den. Damit wurde das unausgesprochene Gesetz gebrochen, nach dem sich Dealer von Spielplätzen fernhalten. Das Coffeeshop-Projekt der Be­zirks­bür­ger­meis­te­rin ist damit in weite Ferne ge­rückt. Die Zei­chen der Zeit ste­hen im Göli eher auf Aus­wei­tung der Dro­gen­kon­trol­len. Ab Ende April, wird im Gör­lit­zer Park die Po­li­zei zu­sam­men mit dem Ord­nungs­amt auf Strei­fe gehen.

Zu­erst er­schien die­ser Text in ab­ge­wan­del­ter Form unter http://​www.​in­ge­nu.​eu