Russlands Interessen im Iran

Artikel veröffentlicht am 24. Februar 2006
Artikel veröffentlicht am 24. Februar 2006

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Der Konflikt zwischen den westlichen Staaten und dem Iran um das Atomprogramm des Landes dauert an. Russland hat seine Vermittlung angeboten – nicht ohne dabei an die eigenen Interessen zu denken.

Russland hat vorgeschlagen, dass der Iran im Rahmen eines Gemeinschaftsprojektes in Russland Uran anreichern kann. Derzeit laufen Verhandlungen zwischen beiden Staaten, deren Ergebnis völlig offen ist. Angeblich will Teheran erreichen, dass die Anlage doch auf iranischem Territorium errichtet wird. Dies berichtete die Moskauer Zeitung „Wremja Nowostej“. Der „Kommersant“ berichtete, Teheran wolle die Betriebszeit des russisch-iranischen Unternehmens auf zwei Jahre begrenzen. Danach solle die Uran-Anreichung im Iran durchgeführt werden.

In Entwicklungsländern winkt viel Geld

Russland hat zwar erklärt, es werde nach einem Scheitern der Verhandlungen für eine Überweisung des „Iran-Dossiers“ an den UN-Sicherheitsrat stimmen. Doch bisher gibt es keine Anzeichen dafür, dass Russland auch für Sanktionen oder sogar militärische Schritte gegen den Iran stimmen wird. Im Gegenteil. Durch die Verhängung von Sanktionen wird das iranische Atomprogramm „nicht gebremst, sondern beschleunigt“, warnte der Vorsitzendes des Auswärtigen Ausschusses des russischen Föderationsrates, Michail Margelow. Solange sich der Iran nicht von dem Vertrag über die Nichtverbreitung von Nuklearwaffen distanziert, wollen die Russen versuchen, Teheran zur Einhaltung früher eingegangener Verpflichtungen zu drängen.

Der Vorschlag Moskaus, eine gemeinsame Urananreicherungsanlage zu bauen, ist Teil einer von Wladimir Putin im Januar auf seiner Jahrespressekonferenz im Kreml vorgetragenen Konzeption, in verschiedenen Ländern regionale Anreichungszentren zu bauen. Diese Zentren sollen unter Kontrolle der Internationalen Atomenergiebehörde in Wien stehen. Auf diese Weise soll die Weiterverbreitung von militärischer Atomtechnologie verhindert werden, gleichzeitig soll Entwicklungsländern der Bau von AKW´s gestattet werden.

Der Vorschlag Putins ist nicht uneigennützig. Russland hofft mit dem Verkauf von Atomkraftwerken in Entwicklungsländern in Zukunft viel Geld zu verdienen. Bei seinem kürzlichen Besuch in Hanoi bot der russische Ministerpräsident Michail Fradkow an, Russland könne Vietnam schlüsselfertige Atomkraftwerke liefern und auch das Personal auszubilden.

Russische Atomgeschäfte im Iran

Die vorsichtige Agieren Russlands gegenüber dem Iran erklärt sich vor allem aus wirtschaftlichen Interessen. Das Geschäft mit Atomkraftwerken im Iran verspricht große Gewinne. Der Iran will sieben Atomkraftwerke bauen, ingesamt kostet das Projekt zehn Milliarden Dollar.

1998 hat Russland den Bau des anfänglich von Siemens begonnen Bau des Atomkraftwerks Bushehr übernommen. Zur Zeit arbeiten 1.500 russische Spezialisten auf der Baustelle. Das AKW soll laut dem Sprecher der russischen Atombehörde „Rosatom“, Wladimir Kutschinow im nächsten Jahr in Betrieb gehen. „Es müssen nur noch Kabel verlegt werden“, erklärte Kutschinow auf einer Pressekonferenz in Moskau.

Auch ein Waffengeschäft lockt

Der Iran ist für Russland auch als Waffenkäufer interessant. Im Herbst letzten Jahres unterzeichneten Moskau und Teheran einen Vertrag in Höhe von 700 Mio. Dollar über die Lieferung von 29 russischen Luftabwehrraketen vom Typ TOR-M1. Die russische Rakete hat eine Reichweite von 12 Kilometern und kann Flugzeuge und Lenkwaffen abschießen. Sie soll zum Schutz der iranischen Atomanlagen eingesetzt werden.

In den internationalen Medien waren Berichte aufgetaucht, nach denen Russland auch bei der Modernisierung von MIG 29-Flugzeugen der iranischen Luftwaffe helfen will, sowie Patrouillenboote und militärische Ausrüstung an den Iran liefern will. Doch Michail Dmitrijew von der russischen Agentur für militärische und technische Zusammenarbeit erklärte, es gäbe keine weiteren Waffengeschäfte mit dem Iran.

Der Autor ist Mitglied des Korrespondenten-Netzes n-ost.