Ruhestand mit Meer und Sonne

Artikel veröffentlicht am 19. Juni 2006
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Artikel veröffentlicht am 19. Juni 2006

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Immer mehr deutsche und englische Rentner verbringen ihren Ruhestand an den spansischen Küsten. Dort locken ein angenehmes Klima, gute medizinische Versorgung und niedrige Lebenshaltungskosten.

Obwohl sie erst 70 geworden ist und schon mehrere schwere Operationen hinter sich hat, über die sie lieber nicht redet, sprüht Geraldine vor Lebensfreude. Der Beweis: Die Uhr zeigt noch nicht einmal neun Uhr an, als sie von einen ausgiebigen Strandspaziergang mit ihrem Hund Keny zurück kommt. « Und jetzt ein Kaffee in der Bar meines Freundes Antonio und dann ab nach Hause», erzählt sie lächelnd in einem Spanisch, das nur mit Hilfe ihrer Körpersprache verständlich ist.

Urlaub für immer

Fast jeder im Ort kennt Geraldine Riemer und ihren Mann. Das deutsche Paar entschloß sich zu Beginn ihrer Rente, ein Haus in Spanien zu kaufen und so ihren Urlaubsort zum Wohnort zu machen. Sie verkauften ihr kleines Familienhotel in Deutschland und zogen nach Denia, eine kleine Gemeinde an der spanischen Ostküste.

Sie sind nicht die einzigen. Dem statistischem Amt INE (Instituto Nacional de Estadística) zufolge lebten im vergangenen Jahr 1 352 000 europäische Immigranten mit ständigen Wohnsitz in Spanien. Davon stellen die 133 000 Deutschen die drittgrößte Gruppe dar. Übertroffen werden sie nur noch von Rumänen (317.000) und Engländern (227.000).

Was macht den Reiz aus? Mit einem breiten Lächeln und offenen Armen ruft Geraldine aus: «Die Sonne und das Meer!» Das war es, was sie ursprünglich suchten und mit der Zeit fanden sie eine Lebensart vor, auf die sie heute nicht mehr verzichten wollen. « Siesta? Jeden Tag ! ». Und auf dem Tisch, ab und zu, eine Paella. Geraldines Mutter ist 97 und lebt in Deutschland. « Ich besuche sie, aber nach ein paar Tagen wird mir klar: Ich fühle mich einfach nicht mehr zu Hause in Deutschland ».

Dienstleistungen immer und überall

Die Riemers sind kein Einzelfall, auch wenn es nicht üblich ist, dass die in Denia lebenden Deutschen spanisch sprechen. Denias Strassen sind voll von älteren Bürgern aller Nationalitäten, die Deutschen sind in der Überzahl : Von den 42 000 Einwohnern sind bis zu 2500 Deutsche. Paz Collado, Angestellte in einer Apotheke im Zentrum der Stadt, bedient ihre Kunden auf deutsch, englisch oder französisch. « Mir blieb nichts anderes übrig, als zu lernen », erzählt sie während sie ein holländisches Paar bedient. «Ich verstand einfach nicht, was sie von mir wollten». Auch dies ist ein Grund, warum die Mehrheit dazu tendiert, Kontakte vor allem zu Landsleuten zu suchen und zu pflegen – auch wenn dies nicht der wichtigtse Grund für den Umzug nach Spanien gewesen sein mag.

Soeben ist ein 70-jähriger Mann auf dem Marktplatz angekommen. Es steigt ab, kauft sich eine Zeitung und begrüßt eine Gruppe, die beim Frühstück sitzt, auf deutsch. Er spricht kein Wort Spanisch, besitzt aber Grundkenntnisse im Englischen. Es fällt ihm nicht leicht, an etwas in Deutschland zu denken, das er vermisst. «Das Klima ist es selbstverständlich nicht !», scherzt er. Für viele ist der Sommer und die Monate, in denen die meisten Touristen anreisen, der geeignete Zeitpunkt, um eine Pause zu machen und in ihr eigenes Land zurück zu kehren. Für andere wiederrum ist es die Möglichkeit, Familienbesuch zu empfangen.

Dieses Tendenz hat sich in den letzten Jahren verstärkt. Die fortschreitende europäische Integration hat nicht nur das Geld, sondern auch die Dienste im Gesundheits- und Versicherungswesen die Grenzen überschreiten lassen. Paz Collado zufolge « sind viele von ihnen alleine und einige sogar behindert, aber die medizinische Versorgung funktioniert problemlos, sowohl für privat als auch für gesetzlich Versicherte». Ein Stadtspaziergang reicht aus, um die überraschend große Zahl an medizinischen Zentren mit deutschen Schildern wahrzunemhem. Auch Pflege Siggi zeugt hiervon : Ein ambulanter Arzt, der seine Dienste in Denia und Umgebung anbietet – 24 Stunden am Tag. Ähnliche Dienste leistet die «Asociación de transporte sanitario Amigos Europeos de Jávea». Sie bietet ihren 2000 Mitgliedern und 6000 Nutznießern Krankentransporte rund um die Uhr.

Wandel und Tradition

Der Statisik zufolge ist die ausländische Bevölkerung in Denia zwischen 2001 und 2006 um 140 Prozent gewachsen – in den vergangenen zwanzig Jahren ist auch Denia um 88 Prozent gewachsen. Zweifellos hat dieser massive Bevölkerungszuwachs direkte Konsequenzen für das Erscheinungsbild der Stadt, aber alles in allem bewahrt Denia weiterhin den Charakter einer Kleinstadt. Im Unterschied zu anderen mediterranen Städten Spaniens ist es Denia gelungen, das Aufkommen des Tourismus mit der eigenen Identität und eigenen Traditionen zu verbinden.

Ende April beispielsweise feiert man heute noch das Fest der moros y cristianos (« Mauren und Christen ») : In mittelalterlicher Atmosphäre werden eine Schiffslandung und ein Kampf auf einer Burg insziniert. Außerdem verwandelt sich Denia im Winter nicht in einen verlassenen Ort, wie das an anderen Küstenorten häufig der Fall ist.

Wahrscheinlich ist es diese Mischung, die Denia für ältere Bürger attraktiv erscheinen lassen, die die Ruhe ihres Rentnerdaseins in der Nähe des Meeres und im mediterranen Klima genießen wollen. Aber es bleiben ungelöste Fragen: Geraldine ist empört, dass sie als Europäerin alle fünf Jahre nach Valencia reisen muss um dort stundenlang Schlange stehen zu müssen, damit sie ihre Aufenthaltserlaubnis verlängern kann. «Warum muss ich in derselben Schlange stehen wie die Bürger aus Nichtmitgliedsstaaten?», fragt sie empört.