Rugby-WM: Titelverteidiger England zittert gegen Südafrika

Artikel veröffentlicht am 15. Oktober 2007
Artikel veröffentlicht am 15. Oktober 2007

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Am 20. Oktober 2007 treten England und Südafrika im Finale der 6. Rugby-Weltmeisterschaften gegeneinander an. Ein Sport, der sich in Europa zunehmender Popularität erfreut.

"Swing Low, Sweet Chariot", ertönt es von Seiten der Engländer, "Flower of Scotland" brüllen die Schotten. Die Italiener improvisieren den 'Haka', während unter den Parisern seit ihrer Samstags-Schlappe gegen England die Marseillaise etwas verklungen ist. Trotzdem: In der Pariser Rue Princesse und ihren Bars wimmelt es von Rugby-Fans. Die Rugby-Weltmeisterschaften sind in vollem Gange.

Die insgesamt 48 Spiele finden in zehn französischen Städten und zwei britischen Stadien statt. Die zwanzig besten Rugby-Teams werden um den Meisterschaftstitel ringen. Die Einschaltquoten des französischen Senders TF1 brechen sämtliche Rekorde. So versammelten sich am 21. September mehr als 14 Millionen Fernsehzuschauer vor den Bildschirmen. Die 6. Rugby-Weltmeisterschaften erweisen sich als besonders lukrativ.

Rugby ist ein Modephänomen. Max Guazzini, Besitzer des Stade de France und Gründer des französischen Radiosenders NRJ, hatte den richtigen Riecher. Er versteht sein Handwerk. Pompom-Girls und Staraufgebot lautet seine Methode. Auch die Rugby-Spieler werden für Werbezwecke eingespannt: sie posieren jährlich für den Kalender "Dieux du stade" - nackte Tatsachen, wie Gott sie schuf!

4 Milliarden Euro Umsatz

Bis jetzt scheint die Rechnung aufzugehen. Nach einer Studie der ESSEC, wurden schon mehr als 2 Millionen Tickets verkauft. Insgesamt werden in Frankreich mehr als 350.000 Besucher zu den Weltmeisterschaften erwartet. Allein durch diesen Sporttourismus werden 1,5 Milliarden Euro in die französische Wirtschaft fließen. Ein europäischer Fan, der nach Frankreich kommt, um sein Team zu unterstützen, gibt um die 2.245 Euro aus.

Die Organisation der Weltmeisterschaften (Kartenverkauf, Partnerschaften, Marketing, Medien) kostet die atemberaubende Summe von 250 Millionen Euro. Kurzum: der Wettbewerb bringt circa 4 Milliarden Euro ein. Ziel ist es mindestens 25 Prozent des Umsatzes der Fußballweltmeisterschaften von 1998 zu erwirtschaften. Der IRB (International Rugby Board), offizieller Organisator der Weltmeisterschaften veröffentlichte sogar einen Führer für Rugby-Fans: eine Mischung aus klassischem Touristenführer und den wichtigsten französischen Adressen für After-Events, die so genannte "dritte Halbzeit".

Vor Ort erfreut man sich der Initiative: so zum Beispiel in Trevor Brennans Toulouser Kneipe. Trevor ist ehemaliger Nationalspieler. Bei ihm bleibt nichts dem Zufall überlassen: wenn die "Wallabies" spielen, gibt es australisches Bier. Und sogar japanisches… zu Ehren der Gäste der rosafarbenen Stadt, wie Toulouse aufgrund seiner vielen Backsteinbauten im Volksmund genannt wird.

Seit 1987 buhlen die fünf Gleichen um den Titel

Seit der ersten Rugby-Weltmeisterschaft 1987 haben von den zwanzig Teams bisher immer die fünf gleichen Mannschaften den Titel nach Hause geholt: Neuseeland (Sieger 1987, Finalist 1995), Süd-Afrika (1995), Australien (Sieger 1991, 1999 und Finalist in 2003), England (Sieger 2003, Finalist 1991) und Frankreich (Finalist 1987 und 1999).

Natürlich gibt es auch Außenseiter-Teams (Argentinien, Fidji, auch Argentinien, die in diesem Jahr sehr stark sind), darunter Anfänger und Amateure. In Frankreich zählt man zum Beispiel 200.000 Spieler in Vereinen, gegen 90.000 in England, 3500 in Portugal und 4200 in Deutschland. Und während die Elite in Frankreich um den Weltmeister-Titel streitet, beherrscht Deutschland die Schweiz beim "Coppa delle Alpi" (Alpenpokal), fern jeglicher Mediatisierung.

Vor lauter Bäumen kein Wald

Für die französischen Spieler sind die finanziellen Aspekte des Wettbewerbs nicht uninteressant. Der momentane Nationalheld, Sébastien Chabal, gab bekannt, dass er von nun an 200.000 Euro pro Werbespot verlangen werde. Ein nettes Zubrot, das die Kluft der Gehälter weiter vertieft.

Im vergangenen Jahr verdiente Frédéric Michalak, der bestbezahlte Spieler der Top 14 um die 590.000 Euro (davon 280.000 Euro Gehalt, 90.000 Euro Prämie und 220.000 Euro aus Werbeverträgen), wohingegen das durchschnittliche Gehalt eines Top-Spielers bei 79.000 Euro im Monat liegt.

Berücksichtigt man jedoch den vergänglichen Charakter einer Sportkarriere und die schwierige berufliche Neuorientierung, dann kann man mitunter nachvollziehen, dass mancheiner den Hals nicht voll genug bekommen kann - besonders seit der Professionalisierung des ovalen Sports 1995. Auch wenn dies bedeutet, für kurze Zeit und nach dem Vorbild Barthez’ und Zidanes nach der Fußball-WM 1998, sein Image an den Höchstbietenden zu verkaufen.

In Frankreich gibt es ungefähr 1000 "professionelle" Spieler, von denen 40 Prozent noch nie gearbeitet haben. Aber vielleicht werden sie von den Weltmeisterschaften profitieren können? Die Rugby-Vereine im Hexagon haben 20 Prozent mehr Zulauf. Eine neue Spielergeneration könnte heranwachsen. Eine talentierte, so hofft man!