Royal rumble: EU-Monarchen schlagen über die Stränge

Artikel veröffentlicht am 10. Juni 2014
Artikel veröffentlicht am 10. Juni 2014

Die sieben konstitutionellen Monarchien in der EU haben die Wellen des Republikanismus überlebt und halten sich fleißig an ihren Zeptern fest. Die Gesetze, die sie unterschreiben, scheinen für sie selbst nicht zu gelten. Die Monarchen in Europa amüsieren sich königlich.

Ein königlicher Titel bedeutet eben nicht zwangsweise gleich ein königliches Verhalten. Schauen wir uns ein paar Monarchen an, die über die Stränge geschlagen haben.

Vor einigen Jahrzehnten hat König Juan Carlos an der spanischen Verfassung nach der Franco-Diktatur mitgeschrieben. Heute gelten monarchische Einmischungen als verpönt. Der britische Vertreter Prinz Charles wurde regelmäßig der Einflussnahme bezichtigt. Nicht zu Unrecht, denn die Veröffentlichung  seiner Briefe an Parlamentsabgeordnete im Guardian, hatten ein schlechtes Licht auf den britischen Thronfolger geworfen. Die Veröffentlichung hat Prinz Charles rechtlich angefochten und hat Recht bekommen. Fast nicht zu glauben ist, dass deren Veröffentlichung zunächst im Voraus abgewiesen wurde, da diese Briefe Zweifel über seine politische Neutralität aufwerfen könnten. Dieses könnte seine Fähigkeit seine zukünftigen Aufgaben als König wahrzunehmen in Frage stellen könnte, argumentierte das Gericht.

Über die Jahre bringt jedoch eher das Privatleben als das politische Engagement der Königsfamilie negative Presse ein. Prinz William und Charles setzten neulich erst ein sehr engagiertes Dokument gegen illegale Wilderei auf und starteten einen rührseligen Aufruf für den weltweiten Tierschutz. Sicher hätte es aufrichtiger ausgesehen, wäre Prinz William nicht 24 Stunden vorher Schwarzwild jagend quer durch Spanien getollt. Noch interessanter ist der Fakt, dass der Aufruf eigentlich direkt an den spanischen König gerichtet war, der mit einer abermaligen Elefantenjagten in Botswana seine Ehrenpräsidentschaft beim spanischen WWF verschossen hatte. 

BE­REI­CHE­RUNG FÜR DIE REI­CHEN

In einem laufenden Prozess wurde seine Tochter, Prinzessin Christina, kürzlich das erste Mitglied der königlichen Familie, das vor Gericht aussagen musste. Die Anklage lautete, dass ihr Ehemann eine gemeinnützige Stiftung, der er als Präsident vorstand, genutzt habe, um die Regionalregierungen von Valencia und der der Balearen zur persönlichen Bereicherung zu hintergehen. Es wird behauptet, das Paar hätte das Geld daraufhin für allesmögliche verwendet, von der Wasser- und Stromrechnung bis hin zur Umgestaltung ihres Privathauses, für welches sie insgesamt 9 Millionen Euro investierten. Im November letzten Jahres wurde es als Teil eines öffentlichen Pfandbriefes zur Zahlung der Gerichtskosten konfisziert.

Obwohl diese Korruptionsaffäre wie Häme sind in einem Land, in dem 30% Arbeitslosigkeit herrscht, ist es ebenso wichtig sich zu erinnern, dass Spaniens Königsfamilie die preiswerteste unter allen anderen europäischen Monarchien darstellt.  Mehrere Jahre des Sparens ließen ihnen ein Budget von  7,78 Millionen Euro für 2014 übrig. Damit sind die Spanier vergleichsweise arm im Gegensatz zu ihren Pendants im Vereinigten Königreich, die sich über 37,9 £ Millionen an Steuergeldern für den gleichen Zeitabschnitt freuen können. Mehr noch, die Bevölkerung der Niederlande  ist um zwei Drittel kleiner als die Spaniens, aber König und Königin der Niederlande erhalten fünfmal mehr an Steuergeldern.

Ein kürzlich vorgebrachter Parlamentsbericht hebt hervor, wie schlecht das britische Königshaus im Haushalten mit ihren Finanzen ist. Der Bericht schließt damit, das Königshaus „müsse mehr Anstrengungen darauf verwenden, wie es seinen anhaltenden Vermögensrückstand begleichen möchte". Er besagt auch: „es gibt noch Spielraum für den königlichen Haushalt mehr Einkommen zu erwirtschaften und seine Kosten weiter zu  kürzen". Nicht verwunderlich, da nur ein Bruchteil der 775 Räume des Buckingham Palaste für die Öffentlichkeit zugänglich sind und auch nur für zwei Monate im Jahr. Darüber hinaus zwang ein Ausgabenüberschuss den Palast auf seine Barreserven zurückgreifen und ließ diese auf ihren historischen Tiefpunkt von £  Millionen fallen. 

EU AGRAR­FONDS FÜR ROYALS

Interessanterweise kommt das Geld, das diesen royalen Lebensstil finanziert, nicht nur von den eigenen Bürgern. Lasst uns unseren Blick auf den wuchtigen, EU-weiten Fonds der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) richten, der 40% des gesamten EU-Haushalts beansprucht. Neben Spanien, ist Großbritannien die Nation mit am ungleichsten verteilten Land, so sind 70% des Landes im Besitz von gerade einmal 0.28% der Bevölkerung und die durchschnittlichen britischen Haushaltszuschüsse zur GAP belaufen sich auf 245 £  pro Bürger im Jahr.

Ein Antrag zur Informationsfreigabe, der 2012 von New Statesman gestellt wurde, deckte eine lange Liste von Abnehmern auf, die sich des GAPs bedienten; einschließlich des Herzogs von Westminster, der 2012 noch 748.716 £ zu seinem 7,4 £ Milliarden schweren Vermögen hinzuschaffen konnte. Im gleichen Jahr erhielt die Königin daraus 415.817 £ und das Herzogtum Lancaster, eine königliches Besitztum (Anmerk. d. Übers.), 314.811 £ 2015 wird hierzu ein Gesetz verfasst, dass es erlaubt, Zuschüsse für die Ländereien zu bekommen, ohne darauf tatsächlich zu wirtschaften. Die einfache, aber paradoxe Rechnung hierbei ist: je mehr jemand besitzt, desto mehr Geld kann er herausschlagen. Trotz eines Antrags der EU-Kommission, die Subventionszahlungen zu drosseln, kann jeder Großgrundbesitzer um die 300.000 € erhalten. Die Opposition aus Lobbyisten hofft jedoch, dass es nicht zum abschließenden Reformentwurf kommen wird.

Die königlichen Spitzbuben kommen mit ihrer Rücksichtslosigkeit allerdings nicht ohne große Presseskandale aus. Historisch gesehen tendieren die Menschen erst nach schwerwiegenden Fehlverhalten ihrer Monarchen dazu, ihre Machthaber zu stürzen. Die Empörung ist gerade aber sowieso nicht weit verbreitet genug, um eine republikanische Revolution in naher Zukunft auszulösen. Fakt ist, dass das diamantene Thronjubiläum und das „Royal-Baby-Fieber", was die Welt letztes Jahr gepackt hatte, zu den besten Zustimmungswerten verführt hat, die der Königlichen Familie in Großbritannien jemals entgegengebracht wurde. Circa zwei Drittel der Briten glauben, das Vereinigte Königreich tue besser daran, weiter als Monarchie zu bestehen und nur 17% bevorzugen eine Republik. Nur 14% der Briten glauben, dass die Monarchie bis 2070 abgeschafft werden wird. (Interessanterweise kann man in der selben YouGov-Umfrage lernen, dass 15% glauben, man werde bis dahin Kontakt mit außerirdischem Leben haben).

Aller Fehltritte und Skandale zum Trotz, scheint das königliche Verhalten nicht schlechter zu sein als bei unseren gewählten Repräsentanten; Korruption, sexueller Missbrauch und Amtsmissbrauch erschütterten so manches europäisches Parlament über die vergangenen Jahre. Die Tatsache, dass wir nicht wählen dürfen, welchem Monarchen wir die Taschen mit unserem Geld stopfen wollen, macht alles nur noch bedauerlicher. Solange wir sie nicht auf kurze Sicht abwählen können, sollten wir aber deren Position auf lange Sicht besser schwächen.

Die bri­ti­sche Kö­nigs­fa­mi­lie ge­nießt einen Tag auf einer Schlan­gen­farm im Jahr 1947