Robert Cooper: Schwerstarbeit für die EU

Artikel veröffentlicht am 12. November 2005
Artikel veröffentlicht am 12. November 2005

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Robert Cooper ist der Generaldirektor für außenpolitische Angelegenheiten der EU. Er ist ein britischer Diplomat, der stolz ist auf seinen Job in Brüssel, ein Anwalt eines "postmodernen Imperialismus", der alles andere ist als ein grauer Bürokrat.

Nur wenige Minuten zu spät eilt Cooper herein. Die eine Hand zieht einen Rollkoffer hinter ihm her, die andere hält eine Zeitung. Diese Momentaufnahme beschreibt den hektischen Lebensstil eines hochrangigen Brüsseler Beamten. Höflich frage ich, ob er eine anstrengende Woche hatte. Ein ironisches Lächeln breitet sich auf seinem Gesicht aus. “Ich glaube, in der EU gibt es eine Direktive, die besagt, dass uns nicht erlaubt ist, mehr als 48 Stunden in der Woche zu arbeiten. Das habe ich diese Woche schon am Mittwoch geschafft.”

Lächerliche Berufsbeschreibung

Es ist keine Überraschung, dass Cooper soviel Zeit in seinen Beruf investiert. Generaldirektor der wirtschaftlichen Außenbeziehungen, der Gemeinsamen Außen – und Sicherheitspolitik der EU zu sein, ist kein leichter Job -ganz besonders im letzten Jahr. Verschlechterte Handelsbeziehungen zu China, Kontroversen um die europäische Verfassung, gespannte Beziehungen zu potentiellen EU-Mitgliedstaaten - um nur einige Probleme zu nennen, die Cooper im Kopf herum gehen müssen. Der britische Diplomat bestätigt diese Schwierigkeiten, aber spielt seine eigene Bedeutung herunter. “Dieser Titel ist lächerlich. Ich arbeite für den Rat und Javier Solana, um Europa zu einer Außenpolitik zu verhelfen.”

Seine Bescheidenheit täuscht nicht über die Tatsache hinweg, dass er zu den bedeutesten Persönlichkeiten Großbritanniens auf dem Gebiet der Internationalen Beziehungen zählt. “The Observer” betitelte ihn als “Tony Blairs Guru der Außenpoltik” .Er steht bei der theoretischen Konzeption wie bei der politischen Umsetzung der internationalen Politik der EU an forderster Front. Zu seinen jüngsten Publikationen gehört das Buch “The Breaking of Nations” (“Der Bruch der Nationen“), in dem er für einen neuen globalen Internationalismus eintritt.

Leidenschaft für Europa

Coopers Leidenschaft für das europäische Projekt gibt mir das Gefühl, euroskeptische Fragen zu stellen, wie jemand, der versucht, gegen die vermeintliche Verdorbenheit Brüssels vorzugehen. In Bezug auf die EU-Institutionen lehnt er die Bezeichnung „bürokratisches Durcheinander“ ganz und gar ab. Aber er sieht andere Probleme, denen die EU gegenübersteht. „Ich stimme zu, dass es Probleme gibt. Es gibt ein kleines Problem und ein großes Problem. Das kleine Problem ist die Art und Weise, wie wir in Brüssel organisiert sind: der Rat und die Kommission. Aber da ist auch ein großes Problem: es ist schwierig, Politik auf einer multinationalen Basis zu gestalten. Unsere Politik bleibt im Wesentlichen national. Ich denke, dass dies eines der größten politischen Probleme des 21. Jahrhunderts ist.“ Kann der Brite sich Lösungen zu diesen akuten politischen Fragen vorstellen? „Machen sie sich klar, dass sich im 18. Jahrhundert niemand Demokratie außer in einer Stadt vorstellen konnte. Die repräsentative Demokratie wurde im 18. und 19. Jahrhundert erfunden. Nun versuchen wir die multinationale Demokratie zu erfinden, die nicht genau wie nationale Demokratie aussehen wird.“

Die EU kopieren

Eines ist jedoch klar, Cooper bleibt nicht beim Pessimismus, wenn er in der Kristallkugel nach Europas Zukunft forscht. Die EU wird nicht zur nächsten Weltmacht werden, aber es wird ein leuchtendes Beispiel für andere Nationen sein. “Ich glaube nicht, dass Europa die Welt beherrschen wird, aber es besteht die Möglichkeit, dass das Beispiel von dem, was in Europa gemacht worden ist, anderswo in der Welt kopiert werden könnte. Viele Gegenden würden gerne so sein wie Europa. Schauen sie sich Mercosur in Latein Amerika an und die Afrikanische Union.”

Und wie lautet das Geheimrezept des Erfolges, dass Europa dem Rest der Welt anzubieten hat? Nach Cooper liegt der vergleichsweise Vorteil des Kontinents, in seinem Zustand des Friedens. “In Afrika ist überall Krieg, China hat Spannungen an seinen Grenzen und die USA hat in der ganzen Welt Militärbasen. Im mittleren Osten gibt es Probleme, die jederzeit explodieren könnten. Wir befinden uns im Frieden und das ist gut für jeden. Die Menschen vergessen das. An einem durchschnittlichen Tag im zweiten Weltkrieg wurden 17000 Menschen getötet – und das sechs Jahre lang. In Frieden zu leben, ist eine gute Sache.”

Herrschaft des Gesetzes

Gerade dank dieser friedlichen Koexistenz kann Europa letztendlich per Gesetz und nicht durch Gewalt regiert werden, so der EU-Diplomat. “Das Recht ist ein fundamentaler Wert Europas. Es allein ermöglicht den Menschen ein anständiges Leben. Historisch schafften wir zunächst die nationalen Rechtssysteme, und nun Gesetze für die Beziehungen zwischen Staaten. In der EU funktioniert das. Das EU-Modell kann oder kann auch nicht in anderen Ländern funktionieren. Es ist mir klar, dass wir alle verschieden sind. Europa hat eine unverwechselbare Geschichte und Kultur. Es ist nicht einfach auf den Rest der Welt übertragbar. Aber wir können voneinander lernen.”

In der Tat gibt es viele Dinge, die laut Cooper andere Länder von Europa lernen könnten. So schrieb er im “The Observer”: “Die postmoderne EU bietet eine Vision eines kooperativen Imperiums, einer gemeinschaftlichen Freiheit und einer gemeinschaftlichen Sicherheit (...) ohne die ethische Exklusivität, die einen nationalen Staat charakterisiert – und der nicht mehr in eine Zeit ohne Grenzen passt.” Da ist es keine Überraschung, dass Cooper sein neues Arbeitsumfeld höchst anregend findet. “Ich habe lange im britischen Außenministerium gearbeitet, was sehr angenehm war, aber komischerweise finde ich die Leute, mit denen ich jetzt [in der EU] arbeite, patriotischer. Man fühlt eine gewisse Verpflichtung gegenüber Europa. Sie wissen, warum sie da sind. Ich mag das. Die Leute in Brüssel arbeiten für etwas, das Frieden und Wohlstand gebracht hat, nicht nur nach Westeuropa sondern auch nach Zentraleuropa. Und ich bin stolz darauf.”