Roadtrip: Der leise Ruf des lauten Mont-Saint-Michel

Artikel veröffentlicht am 3. September 2009
Artikel veröffentlicht am 3. September 2009

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Eine multinationale Gruppe abenteuerlustiger Freunde macht sich auf eine spannende Entdeckungsfahrt zum Mont-Saint-Michel, dem berühmtesten Kloster Frankreichs und ewigen Zankapfel zwischen Bretagne und Normandie.

Reiseführer beschreiben den Mont-Saint-Michel als einzigartig und unvergleichlich, ja sogar als eines der „Weltwunder des Okzidents“, das man unbedingt gesehen haben müsse. Trotz dieser Lobeshymnen gibt es aber auch Franzosen, die zwar wenige Autostunden von der Insel entfernt wohnen, sie aber noch nie besucht haben. Ich gebe zu: Auch ich habe den Mont-Saint-Michel bis vor Kurzem verschmäht. Aber dann hatten ich und meine Freunde eine Idee: Wir wollten eine Reise in Richtung Normandie unternehmen, vor deren Küste der Mont-Saint-Michel - ob die Bretonen es nun einsehen wollen oder nicht - liegt.

Erster Zwischenstopp in Saint-Malo

Zaphgod (was Ugo Cei)Die Besatzung: zwei Italienerinnen, eine Ukrainerin, eine Chinesin und ein Franzose, der als einziger Mann in der Runde ans Steuer verbannt wird. Das Vehikel: ein Citroën Berlingo, der nach einiger Überzeugungsarbeit freundlicherweise vom Diplomarbeitsbetreuer eines Reisenden zur Verfügung gestellt wird. Die Abfahrt: im Morgengrauen an einem Samstag. „Morgengrauen“ bedeutet in diesem Fall: Noch ehe die Métro wieder ihren Betrieb aufnimmt und bevor die Bars bei Oberkampf (ein beliebtes Ausgehviertel in Paris; A.d.R.) schließen. Natürlich wohnt die Verfasserin genauso wie der Rest der Abenteurerbande in Paris! Die Musik: Röyksopp in voller Lautstärke, um die Augen möglichst lange offen zu halten. Wir sind die einzigen, die es gewagt haben, in aller Herrgottsfrühe loszufahren und sind daher pünktlich zum Frühstück in der Normandie. Wie bereits vorhergesehen und -gesagt überschatten graue Wolken unsere Ankunft. Am späten Vormittag erreichen wir schließlich Saint-Malo. Ein Spaziergang am Strand bei Ebbe und auf den Mauern der Stadt, die nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs wieder völlig neu aufgebaut wurde, ist unser erster Körperkontakt mit der Normandie.

Im Land von Crêpes und anderen Köstlichkeiten

Das historische Interesse hält sich angesichts der gastronomischen Verlockungen allerdings in Grenzen und wir fallen hungrig über eine große Portion Venusmuscheln her. Beim Verlassen des Restaurants begrüßt uns eine blasse Sonne am Himmel: All unsere Erkundungs- und Shoppingpläne in Saint-Malo werden ohne langes Zögern verschoben und wir eilen zum Strand. Die Sportler unter uns spielen Badminton, während die anderen sich mit Badehandtüchern und Sonnenschirmen am Strand einrichten. Am Abend erleben wir dann eine nette Überraschung: Unser Hostel ist groß und sauber, das Personal herzlich und die Zimmer trotzdem billig. Alles Vorzüge, die wir während unserer Zeit in Paris ganz vergessen hatten. Zum Abendessen gibt es Crêpes, denn schließlich sind wir ja hier in der Heimat der crêpes sucre-beurre (Weizenpfannkuchen mit Zucker und flüssiger Butter; A.d.R.) und der galettes jardinières (Buchweizenpfannkuchen mit Spinat und Ei; A.d.R.). Noch vor Mitternacht fallen wir schließlich ins Bett. Unser Ziel ist ja immer noch der sagenhafte Mont-Saint-Michel und deshalb müssen wir morgen in Topform für die Besichtigung sein.

anthony m / Flickr

Der leise Ruf des Mont-Saint-Michel

batigolix / flickrNach nicht mal einer Stunde auf der Panoramastraße entlang der Küste sehen wir ihn alsob tatsächlich, wie er sich vor unseren Augen auftürmt. Wenn das nicht schon in den ganzen Reiseführern stände, würde ich sehr wahrscheinlich von einer „Erscheinung am Meer“ sprechen. Wir zücken unsere Kameras, quälen uns durch die Touristenströme und erreichen schließlich den Eingang der Abtei. Dem Ticketverkäufer erklären wir höchst überzeugend, dass wir alle unter 26, Lehrer und noch dazu arbeitslos sind… arme Teufel also, die ein Recht auf freien Eintritt haben. Aber die 10 Euro wären auch sonst gut investiert gewesen: Die imposante Architektur und die noch beeindruckendere Aussicht, die man von den Zinnen des Klosters aus hat, sind auf jeden Fall die lange Reise wert. Wir überfliegen die jahrhundertlange Geschichte des Klosters, die von Kriegen, Reichtum, Revolutionen und Restaurierungsarbeiten geprägt ist und maßgeblich zum heutigen Aussehen des Mont-Saint-Michel beigetragen hat. Die Abtei mit Ozeanblick eignet sich in diesen friedvolleren Zeiten sicher auch gut zum Meditieren.

Die Glocke, die unsere Heimfahrt ankündigt, läutet plötzlich und wir machen uns auf den Rückweg. Ich gebe vor der Abreise allerdings noch meiner geheimen Vorliebe für Kitsch nach und kaufe mir einen Magneten vom Mont-Saint-Michel. Schließlich muss ich meinen Beitritt zur Gruppe „Ich war schon auf dem Mont-Saint-Michel“ ja auch irgendwie beweisen!