Religion im Hörsaal

Artikel veröffentlicht am 3. März 2009
Artikel veröffentlicht am 3. März 2009
Theologie oder „die Studie von der göttlichen Realität“ - wo kann man dieses Fach in Europa studieren und wer zahlt?

Die Geschichte der Theologie als universitäre Disziplin ist nicht ohne Zwischenfälle. Oft wurde lebhafte Kritik an ihr geübt, manchmal zu lebhaft, so dass das Fach Theologie abgeschafft wurde, wie zum Beispiel 1875 in Italien. Auch in Deutschland regnete es heftige Kritik. Dennoch stellen die theologischen Fakultäten, ob sie nun katholisch, protestantisch oder orthodox sind, einen festen Bestandteil der Universitäten in der Europäischen Union dar.

In Portugal vom Staat finanziert

In Europa werden die privaten oder staatlichen theologischen Institute der Universitäten in der Regel subventioniert und sind befugt, anerkannte Diplome auszustellen. Die katholische theologische Fakultät der Universitäten von Löwen und Neu-Löwen in Belgien werden vollständig mit öffentlichen Geldern finanziert. Frankreich und Portugal sind die einzigen europäischen Länder, die die Trennung von Kirche und Staat selbst in ihre Verfassung aufgenommen haben; trotzdem genießt die katholische theologische Fakultät der Universität von Lissabon seit 1990 einen Sonderstatus, da sie nicht nur ein Teil einer öffentlichen Universität ist, sondern auch vom Staat finanziert wird.

In Spanien stellen die Privatunis, die im Wesentlichen katholische Universitäten sind, vom Staat anerkannte Diplome aus. Die öffentlichen Universitäten sind jedoch auch befugt, katholische theologische Fakultäten einzurichten. In Großbritannien und Irland sind die Theologieschulen zwar separat, werden aber in eine Uni, die die Diplome verleiht, integriert und von ihr anerkannt. Anderswo in Europa, in den skandinavischen und deutschsprachigen Ländern, in den Niederlanden und in Griechenland sind die theologischen Fakultäten wesentlicher Bestandteil der Staatsunis.

Und wie ist das in Frankreich?

Nur Frankreich stellt eine Ausnahme dar: Seit 1885 kann das Studium der Theologie nicht an den staatlichen Universitäten absolviert werden. Für Bernard Senelle, der einen Abschluss in katholischer Theologie absolviert hat, ist die französische Laizität „nicht die erfolgreiche Trennung der politischen Gewalt und des religiösen Denkens an sich, sondern ein wahrer antiklerikaler Kampf, bestimmt, den Einfluss der katholischen Kirche auf die Gesellschaft und den Einfluss der militanten christlichen Politiker zu untergraben.“ Dieser Kampf führte 1879 zum Lehrverbot katholischer Kongregationen und zur Einführung kostenloser, öffentlicher, laizistischer Schulen.

Die französische Rechtsprechung, die bemüht ist, einen unmissverständlichen rechtlichen Rahmen für die Laizität in den Schulen zu verteidigen, hat das Hochschulwesen komplett vergessen. Ein kirchliches Amt ist kein Hindernis für Lehrende. Die einen sehen darin eine Abweichung von den Werten der Nation, andere ein positives Zeichen für die Autonomie der Universitäten. Universitäten betrachten sich gerne als Orte der Freiheit, an denen das Bewusstsein kein Bewusstsein mehr ist, sondern ein sich formender Geist, kritisch und unabhängig.

Insofern sie die politische, wirtschaftliche oder religiöse Ordnung nicht stört, herrscht die Meinungsfreiheit an den französischen Unis vor. Jedoch bringt die Abwesenheit der Theologie in Frankreich auf europäischer Ebene Probleme mit sich. Die Harmonisierung im Zuge des Bologna-Prozesses wirft in Frankreich das Problem der Anerkennung kanonischer Diplome, die im Ausland erworben wurden, auf.

Bernard Kouchner, der französische Außenminister, und seine Eminenz Dominique Mamberti, Sekretär des Vatikans für die Beziehung mit den Staaten, haben am 18. Dezember 2008 ein Abkommen über die Anerkennung von Hochschultiteln und -diplomen zwischen Frankreich und dem Heiligen Stuhl unterzeichnet - ein Abkommen, dass alsbald von den französischen Universitäten verurteilt wurde, welche darin einen Angriff auf die Laizität sehen.

Unser Dank geht an PRISME-Société, Droit et Religion en Europe, eine Forschungseinheit, die gleichzeitig der Universität von Straßburg und den CNRS unterstellt ist, und welche am 30. Januar 2009 einen Studientag über Religion an den europäischen Universitäten gehalten hat.