Refugee Protest March von Würzburg nach Berlin am 8. September

Artikel veröffentlicht am 4. September 2012
Artikel veröffentlicht am 4. September 2012
Am kommenden Samstag will sich eine Karawane von Flüchtlingen von Würzburg in Bewegung setzen, um den "Refugee Protest March" in Richtung Berlin auf sich zu nehmen. Warum sie das tun und was man sich dadurch erhofft, erzählte uns Daniel vom Förderverein Karawane Berlin, der den Aufruf zur Aktion gestartet hat. Was genau ist der Refugee Protest March?
Der Protestmarsch ist eine weitere Aktion des Refugee Strikes, der seinen Anfang in Würzburg März diesen Jahres nahm und mittlerweile zu einer bundesweiten Protestwelle angestiegen ist. Der Streik, das heißt konkret die Verweigerung der Lebenbedingungen in den Geimeinschaftsunterkünften: "Wir leben lieber in Zelten auf der Strasse als zurück in die unmenschlichen Zustände der Lagerunterkünfte zu gehen" war der Ausgangspunkt für viele Protestzelte von Flüchtlingen in verschiedenen Städten Deutschlands. Es ist Teil einer Selbstermächtigung, sich die Menschenrechte die Deutschland systematisch verwehrt, zurückzunehmen. Der Protestmarsch ist nun eine gemeinsame Aktion aller Protestzelte zusammen von Würzburg nach Berlin zu wandern und aktiv das Recht auf Bewegungsfreiheit zu praktizieren. Die Residenzpflicht, denen Flüchtlinge in Deutschland unterliegen und sie unter Strafe zwingt in einen Landkreis zu bleiben, wird kollektiv gebrochen und gemeinsam verweigert. Es geht auch darum, die Isolation, die Fragmentierung aller Flüchtlinge zu brechen. Der Marsch wird daher auf seinem Weg nach Berlin etliche Flüchtlingslager besuchen, die Menschen dort informieren und im besten Falle zum Anschluss bewegen. Vor dem Hintergrund, dass Menschen jahrelang in diesen unmenschlichen Zuständen schikaniert und isoliert in Lagerunterkünften leben müssen gibt es keinen anderen Weg als sich dagegen aufzulehnen. Das ist die Botschaft an alle Flüchtlinge: Der Protest zeigt, wenn wir gemeisam kämpfen können wir die Lagerunterkünfte verweigern, die Residenzpflicht brechen und uns unsere Menschenwürde selbst wiederanneignen. Der aktuelle Protest ist nur ein Teil des Widerstandes gegen die unerträglichen Zustände für Flüchtlinge in Deutschland und wird erst zu Ende sein wenn alle Forderungen für ein menschenwürdiges Leben erfüllt sind.

Was erhofft ihr euch von der Aktion? Dass der aktuelle Protest und Widerstand ein Beispiel für alle Flüchtlinge sein wird, ihr Schicksal kämpferisch in die eigenen Hände zu nehmen.

Mit wie vielen Teilnehmern rechnet Ihr? Es werden einige Hundert in Berlin erwartet, zusätzlich zu dem Marsch werden auch Busse organisiert und in den Lagern rund um Berlin mobilisiert.

Wir organisieren sich die Flüchtlinge und Marschteilnehmer untereinander? Die Residenzpflicht und das System der Erniedrigung und die damit einhergehende Angst machen es nicht einfacher sich untereinander zu organisieren. Es ist daher beindruckend wie mutig und entschlossen sich der Protest bundesweit ausgebreitet hat. Es ist die Arbeit von vielen selbstorgansierten Gruppen und Personen die seit Jahren daran arbeiten Netzwerke auszubreiten und sich zu organisieren, und manchmal brauch es eine entschlossene Aktion wie in Würzburg, die die Menschen motiviert aktiv zu werden.

Welche Schwierigkeiten könnten dabei auftreten? Es ist immer schwer, viele verschiedene Menschen, mit verschiedenen politischen Entwicklungen und Erfahrungen zusammenzubringen, aber es eint uns der gemeinsame Gegner, der uns allen das würdige Leben unmöglich macht.

Welche Unterstützung benötigt ihr, wer kann wie helfen? Wir brauchen Unterstützung auf allen Ebenen. Aktivisten sind aufgerufen sich an der Organisation und Unterstützung zu beteiligen. Kommt vorbei im Protestzelt am Heinrichplatz, Berlin Kreuzberg oder wendet euch an die entsprechenden Strukturen in den anderen Städten. Auch Sach- und Geldspenden werden dringend benötigt.

Welche Schlagzeile würdest Du gern am Tag nach dem Protestmarsch lesen? Uns geht es um die Erfüllung aller unserer Forderungen : - Stopp aller Abschiebungen - Aufhebung der Residenzpflicht - keine Lagerunterbringung - schnellere Bearbeitung der Asylanträge, denn Asyl ist Menschenrecht und kein Privileg - Aufhebung des Arbeitsverbots ...für die Schlagzeilen sind andere zuständig!

protestmarsch1 Weitere Informationen und Hinweise zur Möglichkeit zu spenden unter www.refugeetentaction.net & asylstrikeberlin.wordpress.com