Rauchverbot ab 2030: Keine Fluppen mehr in Finnland

Artikel veröffentlicht am 13. April 2017
Artikel veröffentlicht am 13. April 2017

Finnland will als erstes Land weltweit das absolute Rauchverbot einführen - der Countdown für die Glimmstängel läuft bis 2030. 

Bald hat es sich ausgeraucht in Finnland. Rauchen ist ungesund, schädlich und vor allem zunehmend teurer - das hat mittlerweile wirklich jeder Hinterwäldler begriffen, der kürzlich mal an einem Tabakladen vorbei spaziert ist. Finnland ist eines der Länder in Europa, wo die Anzahl der Raucher dank zahlreicher Aufklärungskampagnen in den letzten Jahrzehnten bereits stark gesunken ist - doch nun wollen die Skandinavier der Kippe komplett an den Kragen.

Bereits 2010 hatte die finnische Regierung angekündigt, bis 2040 solle das absolute Rauchverbot her. Doch nun wurde das Datum Anfang des Jahres um weitere zehn Jahre vorverlegt. Der Countdown läuft jetzt laut dem neuen Anti-Tabakgesetz aus dem Jahr 2016 nur noch bis 2030. Im Europavergleich sind die Skandinavier wie immer Musterschüler, nur 15,4% der finnischen Bevölkerung rauchen laut einer OECD-Studie aus dem Jahr 2015 täglich, ähnlich wie die schwedischen und norwegischen Nachbarn. Deutlich mehr gepafft wird unterdessen in Griechenland (27,3%), Ungarn (25,8%) und Lettland (24,6%).

Finnland geht in die Vollen

Die skandinavischen Länder haben in Bezug auf Gesundheitsbewusstsein, soziale Gerechtigkeit und Gleichberechtigung eine Vorreiterrolle in Europa inne. Auch die jährlich von der UN durchgeführte Studie, World Happiness Report, bestätigt die hohe Lebensqualität in Skandinavien. Unter den Top 5 sind mit Norwegen, Dänemark und Finnland gleich drei skandinavische Länder vertreten. Naturverbundenheit, Umweltschutz und Gesundheitskult sind Attribute, die den Skandinaviern Glückshormone bescheren. Da passen Suchtis, Raucherbeine und Unfruchtbarkeit eher wenig ins Bild.

Die finnische Regierung verfolgt schon seit langem das Ziel, Rauchern den Garaus zu machen. Und zwar mit Erfolg: Vergleicht man die Periode von 2005 bis 2015, lässt sich besonders bei den 14 bis 20-Jährigen ein deutlicher Trend erkennen: Rauchen ist in Finnland ziemlich uncool geworden.

Seit 1978 ist Werbung für Zigaretten und Tabak in Finnland verboten, seit 1995 ist es untersagt, in öffentlichen Gebäuden zu rauchen, seit 2012 sogar Zigarettenschachteln im Laden auszustellen. Auch sind die Preise von Tabakwaren sowie Alkohol in Finnland vergleichsweise teuer.

Die neuen finnischen Rauchmelder

Aber um Zigaretten und E-Zigaretten, Kau- und Schnupftabak bis 2030 komplett aus der finnischen Vorstellungswelt zu verbannen, bedarf es drastischerer Maßnahmen. Stellt euch das in etwa so vor, der Nachbar steckt sich gemütlich eine an und seine Rauchwolke steuert direkt auf euren Balkon zu. Ein Faux Pas, der die persönliche Freiheit des Nachbarn in puncto Qualmen ziemlich einschränken könnte. Denn seit Anfang des Jahres dürfen finnische Wohnbaugesellschaften ihren Mietern das Rauchen auf den eigenen Balkonen, Terrassen oder Höfen verbieten (natürlich muss man vorher petzen). Auch Süßigkeiten in Pfeifen- oder Zigarettenform verschwinden aus den Sortimenten, damit Jugendliche gar nicht erst in Versuchung kommen. Die Kaugummizigarette ist damit zu einer blassen Kindheitserinnerung aus den Neunzigern geworden. Horrorvorstellung oder skandinavische Nächstenliebe?

Ein Komplettprogramm ist angesagt. Konkret wird es auch für die finnischen Händler zusehends schwieriger, das Genussmittel an den Kunden zu bringen: die Lizenzen zum Verkauf von Tabakwaren richten sich bereits seit Jahren nach der Verkaufsfläche, jetzt wird aber zudem eine saftige Zusatzgebühr für jede Kasse behoben, die 500 Euro beträgt. Ziel soll es sein, den Konsum über hohe Steuern zu minimieren, aber auch den Verkauf zunehmend unprofitabel zu machen.

Aber Verbotenes schmeckt ja bekanntlich am besten. Wie sinnvoll ist also eine solche Kriminalisierung von Tabakwaren wirklich und sollte nicht vielmehr in präventive Maßnahmen zur gesundheitlichen Aufklärung investiert werden? Auch darauf hat die finnische Regierung natürlich prompt eine Antwort parat. Das Problem solle systematisch von allen Ecken aus ‚ausgeräuchert‘ werden, sagte der Präventionsexperte im finnischen Gesundheitsministerium, Kaari Paaso, zu CNN. Freiheiten in Finnland hin oder her, unglücklich macht weniger Rauch scheinbar nicht. Wir werden den Happiness Index in den nächsten Jahren auf jeden Fall im Auge behalten.