Rate.ee - Facebook des Nordens

Artikel veröffentlicht am 12. November 2007
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Artikel veröffentlicht am 12. November 2007

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Das Social-Networking hat das Leben in Estland verändert. Andrei Korobeinik, Ideengeber und Gründer von rate.ee, steht Rede und Antwort.

(Foto: rate.ee)

"So wichtig das Studium auch ist: eine Universität kann ihren Studenten durchaus mehr geben. Man wird in den Seminaren und auf dem Campus immer wunderbaren Menschen begegnen, die man sonst nie kennen gelernt hätte. Menschen, mit denen man über seine Ideen, Träume und - warum nicht – einfach nur Blödsinn reden kann“, beginnt der junge estnische Manager Andrei Korobeinik unser Gespräch. Die langen Korridore seines 'Netzwerkes' sehen so wenig sowjetisch aus - die Ideenfabrik aus Tallinn ähnelt der ultramodernen Redaktion einer nordamerikanischen Zeitschrift.

Netzinitiator: Andrei Korobeinik

Bis vor einigen Jahren war der junge Mann, dessen Hemd locker über der Hose hängt, ein ganz normaler Student der Universität Tartu. Einer von vielen, die ihre Zukunft im IT-Bereich sahen. Er beschloss kurzum einen Schlussstrich unter die Vergangenheit zu ziehen. Mit Erfolg. Denn nur kurz darauf gründete Korobeinik die Web-Community rate.ee. Eine Seite, die das Leben der jungen Esten verändert hat und die sich, so verspricht der Initiator, auch auf das restliche Europa zubewegen wird. "Im Augenblick konzentrieren wir uns auf Ost-Europa und ich muss zugeben, dass die Projekte hervorragend laufen." Bis Ende des Jahres müssten 15 weitere Länder dazukommen und bis Frühjahr, so hofft Korobeinik, sollte rate.ee zu den zehn meistbesuchten Webseiten Ungarns gehören.

Eine Goldmine

Zu einem Zeitpunkt, da Facebook, Studiverzeichnis oder Xing in aller Munde sind, wissen Einige immer noch nicht, was sich hinter dem Geheimnis des Social-Networking verbirgt. Eine kleine Revolution im Bereich der Kommunikation. Es ist bereits zur Normalität geworden, sich aus einem Gespräch zu verabschieden, um Nachrichten von Freunden im Internet abzurufen. Das Prinzip ist einfach: Man eröffnet einen Account, stellt Fotos ein, schreibt Nachrichten, bildet Gruppen und Netzwerke. Für die Gründer eine wahre Goldgrube. Ein Drittel der Esten gehören schon zum rate.ee-Netzwerk. Der Leitsatz: Sehen und gesehen werden.

"Als ich damit anfing, hatte ich überhaupt keine Ahnung, was ich da mache oder wie sich das Ganze entwickeln würde. Ich wusste nur, dass es nicht gerade der beste Zeitpunkt war, um im Internet Geschäfte zu machen. Viele Seiten, die sich mit Werbung über Wasser hielten, waren gerade dabei pleite zu gehen. Was ich wusste war, dass ich sehr wohl in der Lage sei, ein großes Netzwerk aufzubauen und viele Menschen einzubinden. Ich dachte, irgendwie wirst du es schaffen, irgendeinen Nutzen daraus zu ziehen."

Italienische Muttersöhnchen

"Die Universität ist wirklich der beste Ort, um neue Projekte zu starten, da man immer engagierte Interessenten findet. Ganz gleich, ob es sich dabei um einen Mathematiker, einen Finanzexperten oder einen Informatiker handelt. Nur wenige Ideen können umgesetzt werden. Aber das ist egal. Allein darüber zu diskutieren und zu träumen, ist unschätzbar wertvoll."

Korobeinik hat genaue Vorstellungen. "In Italien", so stellt er fest, "ist die Universitätswelt etwas anders gestrickt. Die Studenten bleiben oft über die Regelstudienzeit hinaus an der Universität. Bei uns jedoch, ist es ganz normal die Uni vorzeitig zu verlassen, weil ein großes Unternehmen oder eine Bank dir einen Job angeboten hat." In Estland, wie in den meisten osteuropäischen Ländern, verlassen die jungen Menschen schon früh ihren Heimatort. Eine Tendenz, die zum einen kulturell bedingt ist. Andererseits sind die Chancen auf eine Anstellung aber auch viel höher. "Finden Hochschulabsolventen in Italien nicht einen Job, der ihren Qualifikationen entspricht, so bleiben sie auch gerne weiter bei ihren Eltern wohnen, obwohl sie schon 35 sind", unterstreicht Korobeinik und fügt hinzu: "In Estland würdest du dich umgehend nach etwas Anderem umsehen."

Andrei Korobeinik ist selbstsicher. Die Ruhe selbst. Er gibt sich weder schüchtern, noch protzig. Er ist ein junger Mann, dem es gelungen ist, eine Idee umzusetzen. Und der begriffen hat, dass sich Studieninhalte in Bares umsetzen lassen und zu einem wahren Schatz werden können. Ein Schatz, der heute 2,5 Mio. Euro schwer wiegt.