Punktsieg für die iranischen Konservativen

Artikel veröffentlicht am 24. Juni 2005
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Artikel veröffentlicht am 24. Juni 2005

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Mit dem wahrscheinlichen Sieg Rafsandschanis in der zweiten Runde der Präsidentschaftswahlen ist den Konservativen des Landes ein perfekter Spielzug gelungen.

Die zweite Runde der Präsidentschaftswahlen im Iran haben die Konservativen schon jetzt gewonnen. Dies schafft, nach außen, die Illusion, das Land wähle den am wenigsten konservativen der Kandidaten und beweist gleichzeitig, in Bezug auf die Innenpolitik des Landes, die Bedeutungslosigkeit des Reformismus, der auf der Zielgeraden gegen zwei Konservative verloren hat.

Das Regime in der Machtposition

Trotz der Klagen darüber, dass die Wahlen zu wenig transparent waren und dass die Prinzipen des Islam missachtet würden, wie zum Beispiel Ayatollah Mehdi im deutschen Exil kritisierte, haben die Machthaber im Iran nach einigen Jahren innen- und außenpolitischer Schwierigkeiten ihre Schäfchen ins Trockene gebracht. Einstweilen hat noch kein bedeutender Kandidat angedeutet, das Atomprogramm stoppen zu wollen. Außerdem können sie gegenüber der öffentlichen Meinung im In- und Ausland damit prahlen, dynamische Wahlen mit einer größeren politischen Konkurrenz abgehalten zu haben: Nie zuvor waren die Stimmen so weit gestreut und noch nie war eine zweite Runde nötig gewesen. Drittens beweist der Iran - dieses Jahr mit der besonderen Betonung auf seiner Vorbildrolle in der Region - dass er Wahlen ohne Hilfe und Einmischung von Außenmächten organisieren kann.

Das Carpe Diem der iranischen Jugend

Vielleicht wäre es für einen Engländer oder Italiener nicht einfach, sich im Iran zu amüsieren, aber man lebt nur einmal und denkst sich wohl auch die örtliche Jugend. Sie kämpfen nicht mehr mit der gleichen Energie für ihre Freiheiten und mehr Offenheit. Dank der wirtschaftlichen Stärke des Landes aufgrund des Anstiegs des Ölpreises, ist es ihnen möglich, sich eher dem Genuss materieller Güter hinzugeben und sich zu amüsieren. Wie in jeder Gesellschaft, durch die erst ein Wind der Veränderung weht und wo das Ergebnis später nicht den Erwartungen entspricht, hat sich die Jugend von dem politischen Leben abgewandt: Nach der achtjährigen Regierungszeit des Reformers Chatami erleben die Jugendlichen keine große Öffnung des Landes und an der Übermacht der Ayatollahs konnte auch nicht gerüttelt werden.

Diese Desillusionierung der Jugendlichen stellt einen großen Sieg für die Konservativen dar, da sie sich noch viele Jahre in Amt und Würden befinden werden. Dabei ist dies noch nicht einmal ein besonders iranisches Phänomen: Tatsächlich geschieht im Zusammenhang mit dem Bau Europas genau das Selbe, und es geschah auch in den europäischen Ländern, in denen die Demokratie in den Siebzigern nach einem beträchtlichen Demokratisierungsgalopp wieder zurückgestutzt wurde. In Spanien wurde dies als eine „Kultur der Ernüchterung“ bezeichnet. Dieses Erlebnis im Iran muss nicht unbedingt einen schlimmen Rückschritt hervorrufen. Die gute Konjunktur wird die Iraner daran gewöhnen, immer mehr Bequemlichkeiten zu fordern, da sie sich an das Materielle gewöhnen werden. Außerdem ist der Gedanke nicht verboten, dass der Konservative Rafsandschani für eine Überraschung gut ist und Reformen einleitet. Die Mullahs bräuchten nicht zu fürchten, dass ihr Staatsmodell angegriffen würde und könnten dennoch den Vorbildcharakter jener Reformen beibehalten.