Prinz Jean Sarkozy: Wenn ich groß bin, werde ich wie mein Papa - Präsident!

Artikel veröffentlicht am 13. Oktober 2009
Artikel veröffentlicht am 13. Oktober 2009
Er hat die Augen seiner Mutter, das Kinn seines Großvaters, und eine vielversprechende Zukunft in der Politik wie sein Vater - Jean Sarkozy!

Ob europäische Königshäuser oder Falcon Crest - die Familiensagas haben schon immer das Interesse ©gunthert/flickrder öffentlichen Meinung geweckt und uns mehr als eine saftige Geschichte zum ausquetschen geboten. So mancher Nachwuchs aus gutem Hause beschwert sich, dass der Ruhm ihrer Vorfahren sie in den Schatten stelle, da sie die Vergleiche und Verdächtigungen auf Vetternwirtschaft nicht vermeiden können. Enrique Iglesias kann bestimmt ein Lied davon singen...

Dennoch erscheint das genetische Gepäck in anderen Bereichen wesentlich erträglicher. Zum Beispiel in der Politik: Berufe werden gern über Generationen weitergereicht. Auch wenn es scheint, dass Kontakte heute wesentlich nützlicher sind als Gene, tritt so mancher Sprössling in die Fußstapfen seiner Erzeuger. Die neueste Bestätigung der genetischen Prädisposition gab kürzlich der Sohn des französischen Präsidenten, Jean Sarkozy, der eine überraschende Frühreife bewiesen hat.

Um das Maß voll zu machen: Jean hat noch nicht einmal sein Studium beendet.

Junior oder Prinz Jean, wie man ihn in Frankreich ironischer Weise nennt, hat seine Kandidatur für die Präsidentschaft der EPAD, bekannt gegeben, der öffentlichen Behörde, die das wichtige Pariser Geschäftsviertel La Défense reguliert, und das mit nur 23 Jahren! Der zweite Sprössling von Nicolas Sarkozy war zu diesem Zeitpunkt bereits Stadtrat des bürgerlichen Vororts Neuilly-sur-Seine, in dem sein Vater von 1983 bis 2002 Bürgermeister und Berater des Département Hauts-de-Seine war. Um das Maß voll zu machen: Jean hat noch nicht einmal sein Studium beendet. Es scheint fast so, als habe sich sein frühreifer Charakter bisher nicht unbedingt in seiner akademischen Laufbahn niedergeschlagen.

©http://www.jeansarkozypartout.com/

Die Bewerbung aus dem Hause Sarkozy hat nun zunächst eine Polemik in ganz Europa entfacht: Die Opposition beschuldigt den Präsidenten der Vetternwirtschaft. Sarkozys konservative UMP klagt die Hetze an, die der Kleine erleiden muss, weil er eben so heißt wie er heißt (mir kommen fast die Tränen). Dennoch, was ist neu an dieser Situation? Niemanden überrascht es, dass sich die gleichen Politikernamen von Generation zu Generation wiederfinden. Man denke nur an „Mitterand“, den ehemaligen Präsidenten, ein Name, der heute einem Kulturminister - seinem Neffen - dient.

Warum also sollte der arme Jean die ganzen Posten zweiten Ranges durchlaufen, wenn die Allgemeinheit doch sowieso schon weiß, wo er enden wird? Es ist doch besser, diesen so langwierigen Prozess zu überspringen, muss sich ein Vater wohl gedacht haben, wobei er vielleicht vom Patenonkel des Kindes, Brice Hortefeux beraten wurde (ja, genau, dem aktuellen französischen Innenminister!).

Die wirkliche Neuheit ist, dass Jean jung und nicht durch die harte Schule gegangen ist (besonders in Frankreich, einem Land, in dem die „énarques“ - Studenten der ENA, der Nationalen Prestige-Verwaltungsschule - den größten Teil der verantwortungsvollen Posten im öffentlichen Dienst inne haben).

Eine Schande, das andere junge Akademiker (Frauen ebenso, auch wenn es scheint, dass die Gene der Politik in den meisten Fällen mit dem Y-Chromosom weitergegeben werden), die auf weniger pompösen Universitäten waren und banalere Nachnamen haben, nicht ganz so einfach auf den Posten klettern können, den Junior anstrebt.