Prenzlauer Berg: Noch jemand kein Baby zum Café Latte?

Artikel veröffentlicht am 26. April 2010
Artikel veröffentlicht am 26. April 2010
Jeder, der mit dem Berliner Bezirk Prenzlauer Berg vertraut ist, hat sich schon sehr an den Anblick von Kinderwagen, Buggys, Babys und Kindern in jeder Größe gewöhnt... Doch nicht allen passen die kleinen Schreihälse in den Kram. Das 2005 eröffnete Café Niesen wirbt mit seiner kinderfreien Zone und wurde zum Politikum.

Am Prenzlauer Berg findet sich alles, was auch nur irgendwie mit Kindern zu tun hat, denn schließlich rühmt sich dieser einer der höchsten Geburtenraten in Deutschland. Ist man also jung und Single oder nicht mehr ganz so jung und kinderlos, heißt es: Friss, Vogel, oder stirb. Wer im Hausflur nach dem Lichtschalter hangelt, stolpert über geparkte Kinderwagen. Auf dem Weg zum Supermarkt muss man den Buggys mit olympiareifem Geschick ausweichen. Und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass man sich auch beim Cappuccino im Lieblingscafé mit schreienden Kindern abfinden muss.

Mit einem Augenzwinkern wurde Berlin beides bescheinigt: Hauptstadt der Cafékultur und Hauptstadt der Kiddiekultur zu sein. Für die Deutschen ist es völlig normal, dass ein Radfahrer einen Anhänger hinter sich herzieht, in dem 10 Kleinkinder sitzen. Touristen, die diesen lustigen Anblick fotografieren, scheinen das anders zu sehen.

Egal ob man bei Tag oder Nacht durch Berlin flaniert: Die zahlreichen Straßencafés sind gesteckt voll mit Leuten, die die Welt an sich vorbeiziehen lassen, in Ruhe ein paar Seiten in einem Buch lesen, die letzten Neuigkeiten aufschnappen, an ihren Laptops arbeiten oder sich einfach mit Freunden treffen. Hey, auch ich sitze gerade in einem Café ... ja, na gut, das musste ich wahrscheinlich sagen, um mit meinem Thema ’rüberzukommen, ... aber just in diesem Moment sitze ich wirklich in einem Café.

Mal für’s Protokoll: Mich stören weder der Anblick noch die Geräusche von Kindern, wenn ich an meinem Latte nippe. Für mich sind sie sogar eine nette Ablenkung. Doch für alle, die ihren Kaffee ohne Kinderlärm trinken möchten, ist dieser Wunsch jetzt wahr geworden und zwar in Form des allerersten kinderfreien Cafés am Prenzlauer Berg - und die Leute sind begeistert!

„Meinen Stammkunden war es bei uns nicht ruhig genug“, erzählte Christine Wick, Inhaberin des Café Niesen, dem Berliner Boulevardblatt B. Z. „In letzter Zeit sind immer mehr Eltern mit Kindern gekommen. Wir haben deshalb Räumlichkeiten gemietet, um einen besonderen, abgetrennten Bereich zu haben, der nur für Erwachsene ist.“

Und den Zuschriften auf Facebook nach wird die kinderfreie Zone des Cafés ein Riesenerfolg. Ein in Berlin wohnender Freund schrieb an seine Pinnwand: „Suche Platz zum Arbeiten ... die Cafés sind alle von schreienden Babys übervölkert.“ Die Antworten auf seine Äußerung sagten alles, Einer riet: „Geh doch in das Café mit der kinderfreien Zone.“

„Oooh, wo ist das?“ erkundigte sich ein anderer Freund, der sich nach einem babyfreien Kaffee sehnte. Aber niemand versteht, warum die Angelegenheit zu einem Thema mit weltweitem Medienecho wurde. Die ABC news machen das Ganze zum Politikum und zitieren auf ihrer Website Stefanie Winde, die für die Sozialdemokraten im Berliner Abgeordnetenhauses sitzt. Die kinderfreie Zone sei „nicht hinnehmbar“, so ihr Kommentar: „In unserer Gesellschaft gibt es immer weniger Kinder. Wir müssen mehr Toleranz zeigen. “

Von Emily Corfe auf dem cafebabel.com Cityblog in Berlin

Foto: ©Daquella manera aka Daniel Lobo/flickr