Praktikum bei der EU gegen die Wirtschaftskrise

Artikel veröffentlicht am 18. März 2013
Artikel veröffentlicht am 18. März 2013
Zweimal pro Jahr bietet die Europäische Kommission Hochschulabsolventen die Möglichkeit, ein fünfmonatiges Praktikum in einer ihrer verschiedenen Abteilungen zu absolvieren. Während die Anzahl der Praktikumsstellen gleichbleibend ist (ca. 1300 Plätze), nimmt die Bewerberzahl seit mehreren Jahren kontinuierlich zu.
Insbesondere die Zahl italienischer, portugiesischer und spanischer Bewerbungen steigt rasant.

Die Erfahrungsberichte der ehemaligen Praktikanten sind oft überaus positiv. Sie schwärmen von den ihnen anvertrauten Verantwortungsbereichen in einer multikulturellen Arbeitsumgebung. Für die Europäische Union zu arbeiten ist mit 1000 € nicht nur angemessen vergütet, sondern vor allem ein gutes Sprungbrett für eine erfolgreiche berufliche Laufbahn. Und dies besonders für die Studierenden der Erasmus-Generation, die sich in einem internationalen Kontext wohlfühlen.

Mit den derzeitigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten in vielen Ländern der EU verzeichnet man eine konstante Zunahme der Bewerbungen. So sind die Bewerberzahlen in den Jahren vor der Wirtschaftskrise (2006 bis 2008) relativ stabil, (sie reichen von 5.903 Bewerbungen im März 2008 bis zu 8.738 Bewerbungen im Oktober 2006). Für die Praktika ab Oktober gehen immer mehr Bewerbungen ein als für die Praktika ab März. Der Grund dafür ist wohl der Ablauf des akademischen Jahres: Hochschulabsolventen suchen ihre erste Arbeitsstelle meistens ab dem Folgesemester nach ihrem Studienabschluss. 

Zwischen Oktober 2012 und Oktober 2013 hat sich die Anzahl der Bewerbungen verdoppelt: sie stieg von 9.060 auf 18.690. Allein diese Zunahme ist für sich schon beeindruckend. Noch interessanter ist jedoch, dass die Anzahl französischer oder deutscher Interessenten relativ stabil geblieben ist, während sich die Zahl der Bewerbungen aus Spanien und Italien verdoppelt oder sogar verdreifacht hat (sie stieg jeweils von 1.059 auf 2.489 und von 1.510 auf 4.177 Bewerber). Am eindrucksvollsten ist dabei die Zunahme der portugiesischen Bewerber: 2013 versuchten mehr als 2.490 junge Portugiesen ihr Glück, während es im Vorjahr noch nur 494 waren (ihre Anzahl hat sich also verfünffacht!).

Die “Wirtschaftskrise“ als Auslöser einer positiven Entwicklung?

Wie lässt sich diese Tendenz erklären? Seit die Europäische Union den überschuldeten Mitgliedsstaaten zur Hilfe geeilt ist, scheint sie einen Hoffnungsschimmer für deren Bürger darzustellen, die Schwierigkeiten haben, in ihrem Herkunftsland einen Arbeitsplatz zu finden. Dies trifft insbesondere auf die jungen Generationen zu. Diese sind sowohl am stärksten von der Arbeitslosigkeit betroffen, als auch der europäischen Idee gegenüber sehr aufgeschlossen: Sie studieren im Ausland, unternehmen Reisen und beherrschen mehrere Fremdsprachen.

Die EU gilt als echte Alternative und Ausgangspunkt für eine europäische Laufbahn

Das Verlangen nach Europa erstaunt umso mehr, da Italien, Portugal und Spanien historisch gesehen nicht zu den Vorreitern der europäischen Idee gehören. Trotzdem gilt die EU wohl nunmehr als echte Alternative. Sie ist ein seriöser und angesehener Arbeitgeber und gilt als Ausgangspunkt für eine europäische Laufbahn. Dieser gute Ruf beschränkt sich nicht nur auf die anderen EU-Einrichtungen, denn eine Berufserfahrung bei der Europäischen Kommission ist auch in der Privatwirtschaft eine Referenz - und somit in einen Sektor, der nicht (oder weniger) von der Krise betroffen ist.

So war also erst eine schwere wirtschaftliche und soziale Krise nötig, um das Herz der jungen Generationen Südeuropas für die EU zu erwärmen. Ist die Wirtschaftskrise endlich einmal auch Auslöser einer positiven Entwicklung?

Foto : Teaser (cc)mans_pic/Flickr (offizielle Seite)