Praktikantenprotest in Brüssel: Sei ruhig und iss dein Sandwich!

Artikel veröffentlicht am 17. Juli 2013
Artikel veröffentlicht am 17. Juli 2013

Eva, 24 Jahre alt und deutsche Praktikantin in Brüssel, ist eine der Organisatorinnen des „Sandwich Protests“, der heute vor dem Parlament der europäischen Hauptstadt stattfindet. Um die Arbeitsbedingungen dieser vielen Hände für die Europäische Union zu verbessern, wollen zahlreiche Praktikanten aus Protest ihre Sandwiches in der Luft schwenken. Ein Telefoninterview zwischen zwei Kaffees. 

Cafébabel : Woher kommt der Name der Demo?

Eva : Wir wollten einen griffigen Titel, der im Gedächtnis der Leute hängen bleibt. Für uns steht das Sandwich für zwei Dinge. Einerseits für die Tatsache, dass viele Praktikanten unterbezahlt sind, oft sogar gänzlich unbezahlt, und dass sie sich nicht mehr als ein Sandwich leisten können. Andererseits dafür, dass Praktikanten oft unter Bergen von Arbeit begraben werden und unzählige Stunden daran sitzen. Ohne eine richtige Mahlzeit in der Pause ist man dann oft gezwungen, schnell ein Schinkenbrot hinunterzuschlingen.

Cafébabel : Wie seid ihr auf die Idee für diese Protestaktion gekommen?

Eva : Wir sind eine Gruppe von 5 Praktikanten, Engländer, Deutsche, Spanier, Norweger, wir kommen aus ganz Europa. In der Freizeit sind wir uns begegnet und haben bald über unsere Arbeitsbedingungen gesprochen. Wir arbeiten bei verschiedenen europäischen Organisationen, aber alle waren wir uns einig, dass es in diesem Bereich ein generelles Problem gibt. Nach drei oder vier Monaten Diskussion haben wir uns dazu entschieden, etwas Auffallendes zu veranstalten. So kam uns die Idee zu dieser Demonstration am Ende unserer Praktikumszeit. 

Cafébabel : Was ist das Ziel der Demo?

Eva : Wie ich schon gesagt habe kommen wir alle von unterschiedlichen Organisationen, also geht es uns nicht darum, unsere persönlichen Schwierigkeiten in den Vordergrund zu stellen, sondern Raum für eine allgemeine Diskussion über das Problem zu schaffen. Natürlich wollen wir die Öffentlichkeit über diese Situation informieren. Brüssel zieht zahlreiche junge Menschen an, die für Europa arbeiten wollen, aber deshalb ist die Konkurrenz auch hart und die Arbeitsbedingungen sind schwierig. Es gibt auch jene, denen es nicht möglich ist hierher zu kommen, weil ihre Praktika nicht bezahlt werden. Um das Problem öffentlich zu machen, haben wir auch Abgeordnete des Europäischen Parlaments kontaktiert, die sich bereit erklärt haben, an unserer Seite zu kämpfen. Wir würden zudem gerne eine Diskussionsgruppe gründen, in der alle Betroffenen gemeinsam über mögliche Lösungen diskutieren können. Diese Aktion heute war die erste, aber sie wird sicher nicht die letzte gewesen sein. Wir werden die Stadt nun bald verlassen, aber wir wollen die Fackel auf jeden Fall an die zukünftigen Praktikanten in Brüssel weiterreichen. 

"SANDWICH PROTEST" (6 Fotos) von VALENTINA CALA