Posen paukt Kyoto-Protokoll

Artikel veröffentlicht am 1. Dezember 2008
Artikel veröffentlicht am 1. Dezember 2008

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Am 31. Mai 2002 ratifizierte die Europäische Union das Kyoto-Protokoll, das damit am 16. Februar 2005 in Kraft treten konnte. Wie steht es heute mit der Jagd auf das CO2 in Europa? Eine Bestandsaufnahme zur UN-Klima-Konferenz im polnischen Posen, auf der Vertreter aus über 190 Nationen vom 1. bis zum 12. Dezember Strategien gegen den Klimawandel diskutieren.

Mit der Unterzeichnung des Protokolls hat sich die EU mehrere Ziele gesetzt. Zunächst einmal die Reduzierung des Gesamtausstoßes von Kohlendioxid und fünf anderen Treibhausgasen um 8 Prozent im Vergleich zum Emissionsniveau von 1990 und dies im Zeitraum 2008-2012. Jeder der damaligen 15 EU-Mitgliedsstaaten hat sein eigenes Ziel der Emissionsreduktion. Um die Ziele umzusetzen, baut die EU auf ein zentrales Element ihrer Politik im Kampf gegen den Klimawandel: den Emissionshandel auf europäischer Ebene, wie er im Sinne der Flexibilität im Kyoto-Protokoll vorgesehen ist.

Greifbare Resultate?

Jedes Jahr gibt die Europäische Umweltagentur (EUA) einen Bericht zum Stand und zur Entwicklung der Treibhausgasemissionen in Europa heraus. Der letzte Bericht berücksichtigt die Emissionen bis 2005, die innerhalb eines Jahres um 0,8 Prozent (entspricht 35.3 Mio. Tonnen CO2) und um 2 Prozent im Vergleich zum Referenzjahr 1990 gesunken sind. Die Bedeutung dieser Zahlen muss jedoch nuanciert werden, da die Treibhausgasemissionen immer noch 1,4 Prozent über dem Niveau des Jahres 2000 liegen. Darüber hinaus bleibt die Reduzierung hinter den Erwartungen zurück, da sie nur ein Viertel der Emissionsziele beträgt.

Musterschüler und Problemfälle

An der Spitze in Sachen Emissionsreduzierung liegen Deutschland (-2,3 Prozent), Finnland (-14,6 Prozent) und die Niederlande (-2,9 Prozent). Unter den schlechten Schülern findet man Italien, Dänemark und Spanien, die sich aufgrund ihrer wachsenden Zahl von fossilen Wärmekraftwerken am Ende der Liste wieder finden und so nach jetzigem Stand der Dinge ihre Ziele für 2010 nicht erreichen werden können. Die Staaten sind jedoch nicht die einzigen Problemfälle. Auch im Transportsektor gibt es kaum Fortschritte im Bezug auf die Emissionsziele. Und da schon allein der private Autoverkehr für 12 Prozent des CO2-Ausstoßes in der EU verantwortlich ist, hat dies eine nicht zu vernachlässigende Auswirkung auf die Gesamtbilanz.

Trotzdem: Optimismus angesagt

Diese Zahlen hindern die EU nicht daran diesen „Fortschritt“ sehr optimistisch zu interpretieren. Dazu werden neue Schätzungen herangezogen, die für 2010 weit höhere Reduktionen voraussagen als in den letzten Jahren beobachtetet. Und selbst auf der Basis der bisherigen Prognosen geht die EUA davon aus, dass die EU der 15 Mitgliedsstaaten die Ziele des Kyoto-Protokolls übertrifft. Richtig ist, dass 12 der 15 Staaten planen, ihre ursprünglichen Ziele durch die Kombination von nationalen und europäischen Maßnahmen zu erreichen. Aber genau da drückt der Schuh: Ohne die Einführung zusätzlicher Maßnahmen, die Nutzung von CO2-Speichern und die volle Ausnutzung der Kyoto-Mechanismen wird nur eine Emissionsreduktion von 4 Prozent erreichbar sein, und damit bleibt man weit von dem ehrgeizigen 8 Prozent-Ziel entfernt.