Pommes Schranke: Botschafterin der EU-Kulturhauptstadt 2010

Artikel veröffentlicht am 6. August 2010
Artikel veröffentlicht am 6. August 2010
Dass das deutsche Ruhrgebiet kulturell einiges zu bieten hat, dürfte sich dank Ruhr.2010 auch in den hintersten Ecken Europas (und besonders in Deutschland!) herumgesprochen haben. Aber was steht auf der kulinarischen Agenda? Ganz klar, nur eine originale Pommes Schranke kann die diesjährige Kulturhauptstadt gebührend repräsentieren.

Halt! Die Pommes als kulinarische Botschafterin von Ruhr.2010? Und vor allem: Pommes, ein Produkt des Ruhrgebiets? Da waren die Niederländer und Belgier ja wohl schneller. Nicht ohne Grund gibt es diverse Witze, in denen die Begriffe Pommes und Belgien in engem Zusammenhang stehen („Wie kriegt man zehn Belgier in ein Auto?“ - Wer die Antwort weiß, bekommt als Preis die Schale Pommes, die man braucht, damit sich eben jene zehn Belgier in das Fahrzeug quetschen). Über das Ruhrgebiet - von Bewohnern sowie Außenstehenden oft „der Pott“ genannt - gibt es ebenso viele Witze wie Vorurteile, mit Pommes haben die aber in der Regel nichts zu tun.

Eine kulinarisch unglaubliche Kombination

So sehen deutsche Bahnschranken aus - die Namensgeber der kulinarischen Köstlichkeit Pommes SchrankeDie Tatsachen sind folgende: Pommes Schranke ist die unglaubliche Kombination aus fettig frittierten Kartoffelstäbchen, Mayonnaise und Ketchup. Mayonnaise (weiß) und Ketchup (rot) ergeben gemeinsam eine Farbkombination, die der deutscher Bahnschranken entspricht. Und da im Industriegebiet Ruhr traditionell viele Güter transportiert werden mussten, gab es viele Bahngleise und -höfe und somit auch viele Bahnschranken. Ehrlicherweise ist das meine Version der Entstehung von Pommes Schranke - ein Versuch, dieses kulinarische Highlight sowie Ruhrgebietshistorie unter einen Hut zu bringen. Wahr ist aber, dass der Begriff "Pommes Schranke" aus dem Pott stammt, anderswo hat sich die Bezeichnung "Pommes rot-weiß" eingebürgert.

Zugegeben, die Kombination Pommes-Mayo-Ketchup klingt nicht besonders spektakulär. Aber letztendlich geht es ja nicht nur darum, was man isst, sondern auch, wie bzw. wo man es isst. Voilà, Auftritt der Pommesbude. Die „Richtige“ zu finden, an der die Pommes Schranke auch schmeckt, ist gar nicht so leicht, zumindest für den ortsfremden Gourmet. Es gilt, seine ganz eigene „Route der Industriekultur“ ausfindig zu machen. „Industriekultur“ ist ohnehin ein Begriff, den Ruhrgebietler oft und gerne verwenden. Ein Freund formulierte es folgendermaßen: „Alles, was irgendwie alt und komisch aussieht, wird einfach als Industriekultur bezeichnet und ist dann toll.“

How to: die richtige Pommesbude finden

Der erste Schritt auf dem Weg zum Pommes-Schranke-Gourmet-Erlebnis: keine Angst haben. Ja, im Schnellrestaurant an der Hauptstraße gibt es mit Sicherheit auch Pommes Schranke, dazu noch griechischen Salat und als Nachtisch einen Muffin. Authentisch ist das allerdings nicht. Stattdessen lohnt es sich, einen kleinen Abstecher zu machen und sich in Gegenden vorzuwagen, die auf den ersten Blick, nun ja, nicht ganz so einladend aussehen. Graue Häuserblocks, nur vereinzelt grüne Flecken (aber es gibt sie und ja, wir haben sogar fließend Wasser!) … Ghettoatmosphäre. Die Wahrscheinlichkeit, an einem solchen Ort eine gute Pommesbude zu finden, ist jedoch hoch. Denn hier, abseits der großen Hauptstraßen, ist das Ruhrgebiet noch Ruhrgebiet, die Pommes Schranke noch Pommes Schranke. Eine „richtige“ Pommesbude zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:

1) Sie ist meistens nicht schön. Betongrau, hallo!

2) Sie ist nur mit dem Nötigsten ausgestattet. Keine rot-gepolsterten Stühle im Stil amerikanischer Diners, nichts. Dafür: Gartenstühle aus Plastik (und dabei passt kein Stuhl zum anderen). Oft noch nicht einmal das, stattdessen gibt es einen Stehtisch direkt vor der Bude.

3) Der Name der Pommesbude vermittelt den Eindruck, man würde den Besitzer persönlich kennen. Beliebt sind deshalb Titel wie „Bettinas Bude“, „Kurts Futterkrippe“ oder ähnliches.

4) Die Auswahl an Essen ist übersichtlich. Mehr als Frikadellen, Würstchen und eben Pommes sollten sich auf der „Speisekarte“ (falls vorhanden) nicht finden.

Wer es einmal soweit gebracht und „die“ Pommesbude gefunden hat, kann nicht mehr viel falsch machen. Eigentlich. Es sei denn, der Budenbesitzer/die Budenbesitzerin hört beim Bestellen von „einmal Pommes Schranke“ einen anderen Dialekt als den im Pott üblichen heraus. Sollte dies geschehen, lässt sich ein Gespräch mit Kurt/Bettina über den Herkunftsort des Betreffenden und ein damit einhergehender Lobgesang über die Vorzüge des Ruhrgebiets nicht vermeiden. Aber das kann man bei einer Portion authentischer Pommes Schranke (am Stehtisch) doch gut ertragen.

so sieht sie nichts aus. Zu schick und zu viele Gerichte auf der Speisekarte;Letztendlich ist Pommes Schranke nämlich genau wie die Ruhrgebietler: ehrlich, unaffektiert und ein bisschen was von allem.

Rezept für Pommes Schranke

Zutaten für die Pommes

Kartoffeln (Menge je nach Hunger und Personen, die mitessen wollen)

Salz, Currymischung (je nach Geschmack)

Öl

Zubereitung

1) Backofen auf 180 Grad (Ober- und Unterhitze) vorheizen.

2) Kartoffeln waschen, schälen und schneiden - erst in Scheiben, dann in Stifte.

3) In einer Schüssel aus dem Öl, dem Salz und der Currymischung eine Marinade mixen. Die Pommes großzügig darin einlegen und dann auf einem Backblech arrangieren.

4) Ab in den Backofen damit (ca. 50 Minuten lang). Ab und zu die Pommes wenden und falls nötig, mehr Marinade hinzugeben.

Am Besten stilecht in einer Pappschale servieren. Dazu bitte ordentlich Ketchup und Mayo. Und ein leckeres Bierchen. Als Beilage beliebt: Currywurst.

Noch besser: Tipps befolgen (siehe oben) und sich selber auf die Suche nach einer „richtigen“ Pommesbude machen.

Fotos: Titelbild ©loloieg/flickr; Bahnkreuz ©dev null/flickr; Pommesbude ©Smotret/flickr