Politikerinnen oder europäische Calendar Girls?

Artikel veröffentlicht am 13. August 2010
Artikel veröffentlicht am 13. August 2010
Angela Merkel greift zu “enthüllenden” Wahlkampf-Taktiken, Tschechinnen und Italienerinnen posieren für Kalender und die slowakische Premierministerin rühmt die Waffen einer Frau. Was ist die entscheidende Priorität für europäische Politikerinnen: Ihr Frausein oder ihr Job als Politiker?

Am 23. Juli veröffentlichte eine polnische Zeitung ein Interview mit der frisch gewählten Premierministerin der Slowakai, Iveta Radicová. Die erste Frage lautete: “Ist es für die politische Karriere hilfreich, eine Frau zu sein, oder stört das eher?”

Unbestreitbar das wichtigste Thema, welches es mit der neuen Premierministerin eines Nachbarstaates zu diskutieren gilt. Noch erstaunlicher ist die Antwort: Eine Frau zu sein mache eine politische Karriere schwierig, den man müsse das "Stigma der schwachen Frauen” überwinden. Aber eine Frau zu sein hätte auch Vorteile, denn “(…) man kann die Waffen einer Frau einsetzen – Anmut, verständnisvolles Lächeln, dem männlichen Ego schmeicheln.” Man fragt sich, ob Frau Premierministerin bei Treffen des Ministerrates, umgeben von Bewunderern, die Stirn ihrer Minister küsst, um diese Bande schreiender Machos zu versöhnen. Um dann, dem Finanzminister tief in die Augen blickend, Fragen zum Thema Haushaltsloch zu stellen.

Skuriller geht es in Tschechien zu. Ganze 44 Frauen (20%) wurden im Mai 2010 ins Unterhaus des tschechischen Parlaments gewählt – eine Tatsache, die vier Ministerinnen der konservativ-liberalen Partei für öffentliche Angelegenheiten mit sexy Fotos für einen Kalender feierten. Die sogenannte “blonde Koalition” beweist, dass man sowohl Politiker als auch Frau sein kann, wie die Komm-ins-Bett-Bilder erahnen lassen.

Für einen Kalender zu posieren hat sich für Mara Carfagna definitiv nicht gelohnt. Die italienische Ministerin für Integration und Geschlechtergerechtigkeit war früher Model und Miss-Italia-Anwärterin. In Italien ist sie fast ausschließlich für ihre nicht-politischen "Verdienste" bekannt, die ihr angeblich den Job als Ministerin verschafft haben. Es scheint, dass Frauen in der Politik gefangen sind zwischen dem Anspruch, als gute Politiker und gleichzeitig als weibliche Politiker angesehen zu werden. Warum verspüren männliche Politiker eigentlich nicht das Bedürfnis, in ihren Unterhosen zu posieren um der Nation zu beweisen, dass sie richtige Kerle sind?

Fotos : Artikellogo ©bobster855/flickr; Merkel und Lengsfeld ©CDU