Pleitegeier über Englands Studenten

Artikel veröffentlicht am 16. Mai 2005
Artikel veröffentlicht am 16. Mai 2005

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Der Bologna-Prozess legt den Grundstein für einen europäischen Hochschulraum. Doch die Zukunft der nächsten Generation englischer Studenten sieht nicht rosig aus.

Das zweistufige Hochschulsystem mit dreijährigen Bachelor-Studium und anschließendem, optionalen zweijährigen Master-Programm, wie es der Bologna-Prozess vorsieht, ist für die Mehrzahl der englischen Studenten Gang und Gebe. Doch angesichts der schändlichen Behandlung der britischen Studenten durch die Regierung Blair in den letzten acht Jahren scheint es ironisch, dass ausgerechnet das britische Model als Grundlage für die Entwicklung eines Systems mit starker „sozialer Dimension“ ausgewählt wurde.

Es kann nur besser werden?

Der Sieg der Labour-Partei 1997 brachte für viele frischen Wind in die Regierung. Die Bildung litt unter der 18-jährigen Amtszeit der Konservativen und es schien, als könnten die Dinge nur besser werden. Das Wahlprogramm der Labour-Partei, das versprach, Bildung zur „obersten Priorität“ zu erklären, schwieg jedoch, was die Einführung von Studiengebühren angeht. Bereits 1998 wurde schließlich eine Studiengebühr von bis zu 1000 £ pro Jahr für alle Studierenden an englischen Universitäten eingeführt. Wohlgemerkt an englischen und nicht britischen Universitäten, denn durch die Dezentralisierung müssen Studenten in anderen Teilen Großbritanniens, z. B. schottische Studenten, die zu schottischen Universitäten gehen, keine Studiengebühren zahlen. Mit der Einführung von Studentenkrediten und der Abschaffung der Ausbildungsförderung war der durchschnittliche Hochschulabsolvent in 2001 mit etwa 12 600 £ verschuldet. Vor den Wahlen in 2001 befürchteten viele, dass die Regierung – falls sie wiedergewählt werden würde – die Studentengebühren dramatisch erhöhen würde. Doch diese Besorgnis wurde durch das folgende Versprechen auf Seite 20 des Wahlprogramms von 2001 beschwichtigt: „Wir werden keine weiteren Studiengebühren einführen und haben ein Gesetz erlassen, um dieses zu verhindern.“

Nachdem dieses Versprechen gemacht wurde, hat Labour zwei Jahre später entschieden, weitere Studiengebühren einzuführen, die ab nächstem Jahr zur Geltung kommen werden. Durch diese Initiative können Universitäten bis zu 3000 £ pro Jahr verlangen. Dies ist Teil eines breiteren Programms, durch das 50% der aller Schulabgänger bis 2010 in die chronisch unterfinanzierte Hochschulbildung integriert werden sollen. Die Gebühren sind ein gut gemeinter Weg zu sein, um Geld in das marode Universitätssystem hineinzuschaufeln. Doch der Ansatz hält einer genauen Überprüfung nicht stand.

Ein gefährlich fehlerhaftes System

Mit dem Wunsch, den Zugang zur Hochschulbildung zu erweitern, scheitert Labour zunächst an der grundsätzlichen Unterscheidung zwischen der „Möglichkeit“ zur Universität zu gehen und dem absoluten „Recht“ dies zu tun. Niemandem sollte je auf Grund von Rasse, Geschlecht, Religion, sexueller Vorlieben oder sozial-wirtschaftlicher Zuordnung der Zugang verweigert werden. Jedoch ist es nicht das „Recht“ eines jeden Schulabgängers, die Universität zu besuchen. Und genauso wenig braucht jeder ein Diplom. In einem Land, dem es an Arbeitern mangelt, so dass ein Heizungsinstallateur mehr als ein Arzt verlangen kann, vernachlässigt dieses willkürlich gesetzte Ziel berufliche Ausbildungen und Weiterbildung. Das kann auf keinen Fall gut für den Arbeitsmarkt sein.

Dazu kommt, dass das neue System die nächste Studentengeneration mit bis zu 35 000 £ Schulden aus der Universität entlassen wird. Wenn auch viele Menschen Studenten als faule Schnorrer beschreiben, die drei Jahre damit verbringen, den ganzen tag fern zu sehen, sehen diese Menschen jedoch nicht das ganze Bild: Wer wird ihre Krebsleiden heilen, ihre Kinder unterrichten und ihre Scheidungen verhandeln? Dazu kommt, dass durchschnittlich gesehen Hochschulabsolventen in ihrem Leben mehr Steuern und Sozialversicherung zahlen. Daher ist es empörend, dass eine Generation junger Menschen ihr Berufsleben belastet mit Schulden beginnen muss. Dieses System ist nicht viel mehr als eine Steuer für die Ehrgeizigen. Die besten Universitäten werden die höchsten Gebühren fordern, und nur die Reichsten (oder die wirklich Ärmsten, die spezielle Hilfe bekommen) werden Zugang haben. Die vorgeblich sozial-demokratische Regierung sollte sich schämen.

Zum Studieren ins Ausland

Zukünftigen englischen Studenten, die diesen Artikel lesen, rate ich folgendes: Macht das Beste aus „Bologna“ und jenem zukünftigen europäischen Hochschulraum, lernt eine Sprache und studiert sonst wo in Europa. Solltest ihr dann die Hochschule beenden und euch im Ausland niederlassen, wird das britische Steuersystem darunter leiden. Doch nehmt das nicht all zu schwer – Labour wird schon eine andere Sozialgruppe finden, die sie ausbluten lassen kann. Die Unter-Fünfjährigen? Die Alten? Inzwischen kann mich nichts mehr wirklich überraschen...