Peruanische Stimmen zum EU-Lateinamerika Gipfel

Artikel veröffentlicht am 16. Mai 2008
Artikel veröffentlicht am 16. Mai 2008
Auf dem Gipfel am 16. und 17. Mai 2008 traf Europa auf ein zweischneidiges Lateinamerika. Circa 50 Vertreter der Europäischen Union, Lateinamerikas und der Karibischen Inseln waren in Lima präsent. Doch was sagen die Peruaner?

Die peruanische Hauptstadt hatte sich abgeschottet: für den EU-Lateinamerika Gipfel wurden 95.000 Sicherheitskräfte bereitgestellt. Auf dem Programm des internationalen Gipfeltreffens: Kampf gegen die Armut, den Hunger und die Ausgrenzung sowie mehr Investitionen in eine nachhaltige Entwicklung. Neben dem offiziellen Gipfel hat sich auch eine Gegenveranstaltung, der „Völkergipfel“, herauskristallisiert. NGOs, amerikanische und europäische Gewerkschaftler machten ihrem Ärger dort Luft.

©Paola Bon/ Julio Corcuera Portugal

Die größte Herausforderung für Europa? Einem zweischneidigen Lateinamerika gemeinschaftlich entgegenzutreten. Lateinamerika charakterisiert sich durch eine „kapitalistische“ Seite, wie beispielsweise in Mexiko - und eine sozialistische Seite, wie sie in Venezuela, Kuba und Bolivien vorherrscht - verkörpert durch den kontroversen venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez, der aus seinem antiamerikanischen Kurs keinen Hehl macht und sich als Gegner der freien Marktwirtschaft ausweist. Kurz vor Beginn des Gipfels hatte er Angela Merkel scharf attackiert. Chavez steht auch in Verdacht, mit der paramilitärischen Bande FARC zusammenzuarbeiten.

Von Olivier Lopez/ Brüssel

Stimmen zum Gipfel aus Peru

©Paola Bon/ Julio Corcuera Portugal"Es ist wichtig, dass sie ihre Ziele durchsetzen. Aber sie treffen sich jedes Jahr und die Armut wird trotzdem immer größer."

Alfredo, Peruaner, 61

© Paola Bon/ Julio Corcuera Portugal"Ein Gipfel der ‚Apartheit‘, der von Soldaten und Polizei abgeschottet wird. Der Alternativgipfel wurde aufgelöst. Das verunsicherte die Bürger. Wirtschaftsabkommen führen zu faulen Kompromissen über unsere Landwirtschaft, zusätzliche Reformen und die Verteilung der Gelder. Unsere Handelsabkommen mit der EU sind genauso schädlich für uns, wie das freie Handelsabkommen mit den USA. Respektiert endlich die Rechte unserer Arbeiter!"

Sozialist Javier Diez Canseco, ehemaliger Präsidentschaftskandidat und Mitbegründer der Partido Democrático Descentralista (PDD)

©Paola Bon/ Julio Corcuera Portugal"Eine sehr nützliche Sache, wenn sie nicht in einem gigantischen Cocktail versandet und ihre Ziele im Auge behält."

Julio, Peruaner, 26, Jurist

© Paola Bon/ Julio Corcuera Portugal"Einen originellen Gipfel habe ich mir gewünscht. Wir wollen nicht von einer Oligarchenbande von Landbesitzern regiert werden. Wir wollen, dass sich die Situation in allen Ländern ändert. Es ist viel Arroganz im Spiel, die uns ausbremst."

Toribia Choque, Bolivianerin, 54, vertritt den Consejo de Ayllus del Qollasuyo - Bolivien (CONAMAQ)

© Paola Bon/ Julio Corcuera Portugal"Ich möchte das Gipfeltreffen nicht nur negativ sehen. Es ist notwendig, mehr über die Umwelt und Menschenrechte zu sprechen. Aber die europäischen Staaten dürfen uns auch keine Standpauken halten, sie haben ähnliche Probleme, ihre Regierungen setzen sich kaum für Fairtrade ein."

Mickael, Franzose, 23, Student/ Volontär in Lima

©Paola Bon/ Julio Corcuera Portugal"Unsere Städte zu stärken heißt sozialen Problemen auf den Grund zu fühlen: das wird in Peru immer noch zu wenig gemacht. Der Alternativgipfel lässt auch unabhängige Stimmen zu Wort kommen."

David, Peruaner, 24, Journalist