Peanuts für den indischen Elefanten

Artikel veröffentlicht am 1. März 2004
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Artikel veröffentlicht am 1. März 2004

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Die Nächstenliebe der EU ist unzureichend, um das indisch-pakistanischen Pulverfasses zu entschärfen. Europa verschließt die Augen und gibt leere Erklärungen ab.

Es gibt zwei mögliche Haltungen, um stabile Bindungen zwischen zwei Regionen des Planeten herzustellen und zum gesellschaftlichen Fortschritt beizutragen. Die erste beschränkt sich darauf, sein schlechtes Gewissen mithilfe von Subventionen, Kooperationen in Handel und Entwicklung und einem obsoleten Austausch von Know-how zu erleichtern - Peanuts, würden die Angelsachsen sagen. Eine zweite besteht darin, dieser Haltung ein nachhaltiges und gründliches Studium der Gesellschaft hinzuzufügen, mit der man zusammen zu arbeiten vorgibt.

Indien und Pakistan sind zwei demografische, kulturelle und militärische Mächte. Ihre expansiven Fähigkeiten sind erschütternd: Sie besitzen atomare Waffen, sie sind beide Katalysatoren eines religiösen Gefühls, das über die eigenen Grenzen hinausreicht, Indien zählt 1030 Millionen Einwohnern, Pakistan 150 Millionen. Doch die Europäische Union weiß immer noch nicht, wer diese möglichen Geschäftspartner und Freunde eigentlich sind. Die europäischen Aktionen spielen sich nicht im Rahmen regionaler Abkommen ab, wie sie mit dem Maghreb oder den AKP-Staaten unterschrieben wurden. Erst seit 2002 existiert ein methodischer politischer Dialog, so wie es ihn schon seit Jahrzehnten mit den im Lomé/Cotonou-Abkommen vereinigten Ländern gibt.

Nur keine Schwierigkeiten

Die Analyse der Beziehungen zwischen Europa und dem indischen Subkontinent lässt eine klare Bilanz zu: Europa hat sich entschieden, sich nicht in Schwierigkeiten zu begeben. Seitdem die EU 1973 erste schüchterne Kontakte mit dem Ziel der Zusammenarbeit mit Indien aufnahm, folgten symbolische Aktualisierungen ihrer Abkommen: 1981, 1994 und 2000. Doch die Substanzlosigkeit der Beziehungen schreit zum Himmel. Die letzte Episode ereignete sich im Dezember 2003 mit der Unterschrift eines Abkommens zur Entwicklung von Handel und Investitionen, dessen Wert auf 14 Millionen Euro geschätzt wurde, begleitet durch Indiens Partizipation am Galileo-Projekt und der Kooperation im Kampf gegen Grenzbetrug: Für den am dichtesten bevölkerten Staat der Welt ist dies nur ein Tropfen auf heißem Stein.

Was Pakistans angeht ist die europäische Politik noch inkonsistenter und improvisierter. Die Zusammenarbeit wurde 1976 begonnen und 1986 erneuert, aber infolge des Staatsstreiches, der 1999 Pervez Musharraf an die Macht brachte, eingestellt. Sie wird jedoch durch den 11. September wiederhergestellt, eingebettet in eine Serie von ad hoc-Kommissionen, die immer noch keinen schlüssigen Plan liefern, wie Pakistan den entwickelten und demokratischen Gesellschaften zugeführt werden kann.

Nicht ohne Grund bezeichnet die EU die Abkommen mit Indien und Pakistan als “keine Vorzugsabkommen“. So wurde die wirtschaftlichen und kulturellen Kooperation zwischen Indien und der EU zwischen 1997 und 2000 mit 27,6 Millionen Euro unterstützt – eine Summe, die schwerlich ausreichend ist in einem Land, das unter seinen mehr als 1000 Millionen Einwohnern einen Anteil von 48% Analphabeten (58 % in Pakistan) zu bewältigen hat, in dem nur 1,5 % der Bevölkerung Zugang zum Internet haben (0,3 % in Pakistan), oder in welchem 56% des Gebiets Ackerland sind.. Das Programm wurde im September 2003 zwar erneuert, die geplante Summe überstieg jedoch keine bescheidenen 12 Millionen Euro.

Schwacher Wille

Die SAARC (“South Asian Association for Regional Cooperation“) wurde 1985 als erster Schritt in Richtung eines gemeinsamen Marktes zwischen Pakistan, Indien, Bangladesh, Sri Lanka, Nepal, Bhutan und den Malediven gegründet. Bis zum heutigen Datum hat die EU - die ihr Modell des gemeinsamen Marktes als fortschrittlich propagiert - keine vertraglichen Beziehungen zur besagten Organisation aufgenommen. Statt dessen liest man heute üblicherweise Erklärungen der europäischen Machthaber, die betitelt sind mit leeren Floskeln wie “Die EU begrüßt den erfolgreichen Gipfel SAARC und die wichtigen Entwicklungen…“ oder “Die EU lobt den Kompromiss der Staaten…“. Aber hinter diesem Dickicht an Wörtern bleibt man mit der entmutigenden Deklaration der Europäischen Kommission von 2001 zurück: “Die Kommission betrachtet jede Einmischung seitens der EU in die Lösung des Kaschmirkonfliktes nur dann als angebracht und möglich, wenn Indien und Pakistan dieses ersuchen würden; die Union sieht nicht vor, in dieser Frage die Initiative zu ergreifen“.

Eine Erklärung, die wenigstens nicht die Realität zu verstecken sucht: Europa ist sich der Herausforderungen dieser Region nicht bewusst. Deswegen kann sie keinen langfristigen Plan zur vorbehaltlosen Hilfe liefern, der auf gegenseitiger Kenntnis sowie auf dem Austausch einer echten Intelligenzija basiert. Und es sieht nicht danach aus, dass es diesen in naher Zukunft geben wird; nach dem Mummenschanz der Präsidentschaft Berlusconis - die seinen eigenen Worten nach am Dialog der Kulturen orientiert war - hat niemand auf den beharrlichen Monolog reagiert, den jede Kultur mit sich selber führt.