Pavlos Georgiadis: Vom Olivenhain zur Klimadebatte

Artikel veröffentlicht am 11. Dezember 2015
Artikel veröffentlicht am 11. Dezember 2015

Pavlos Georgiadis - griechischer Biologe und Aktivist - ist ein Klimabeobachter, Restaurantkritiker, Olivenbauer und sozialer Unternehmer. Er ist der Initiator der Projekte „Calypso“ und „We deliver taste“, aber auch Produzent der preisgekrönten Dokumentation Farming on Crisis. Mit seinem vielen Initiativen versucht er Leute zusammenzubringen, um Klimaprobleme zu lösen.

Eine Woche nach seiner Teilnahme an der jährlichen Olivenernte in seinem Dorf Makri, nahe Alexandroupoli in Griechenland, treffen wir Pavlos Georgiadis auf der Konferenz Place To B in Paris, wo er als Beobachter der COP21-Verhandlungen unterwegs ist.

Pavlos arbeitet in jüngster Zeit lieber im Inneren der Strukturen, um das Klimabewusstsein zu verstärken. „Unser Ziel hat zwei Aspekte“, erklärt er. „Auf der einen Seite wollen wir zeigen, dass wir uns aktiv an den Verhandlungen beteiligen. Auf der anderen Seite wollen wir jedem mitteilen – auf verständliche Art – was bei der COP21 passiert.“

Georgiadis studierte an der Universität von Edinburgh und hat sowohl mit einen BSc in Biowissenschaften als auch mit einen MSc in Biodiversität & Pflanzentaxonomie abgeschlossen, wobei er sich mit dem Königlichen Botanischen Garten in Edinburgh befasste. Für einen weiteren MSc in Umweltschutz & Nahrungsmittelproduktion ging er an die Universität von Hohenheim in Stuttgart. Er hält ebenso einen Doktortitel für ländliche Kommunikation. „Wenn Leute wie ich nicht mit beiden Füßen auf dem Boden stehen und unseren Kopf in den Wolken haben, fordern wir nicht ein, was uns zusteht und es wird uns weggenommen“, erklärt er. „Dann können wir weder Frieden noch Sicherheit erwarten.“*

Seine Berufswahl ist ein direktes Ergebnis seiner beständigen Beschäftigung mit der Natur. „Meine Eltern besitzen einen der ältesten traditionellen Olivenhaine im Mittelmeerraum“, führt er aus. „Der Kontakt zur Natur war immer Teil meines Lebens. Es ist eine Beziehung, die mir hilft, meine Identität zu definieren.“

Nach 12 Jahren im Ausland – Pavlos arbeitete als Forscher in verschiedenen Ländern Europas, Asiens und in Indien – kehrte er 2011 nach Griechenland zurück. In dieser Zeit sah sich das Land einer schwerwiegenden Finanzkrise gegenüber. Dieser Zustand hielt ihn nie davon ab, seine Ziele zu erreichen. Stattdessen arbeitete er aktiv an der Lösung sozialer Probleme.

Der Beitrag Griechenlands zu den laufenden Verhandlungen enttäuscht ihn. „Wir sind in Griechenland sozial verletzbar“, erklärt er. „Da ist das Maß unserer derzeitigen Beteiligung nicht die passende Antwort. Leider ist der Klimawandel nicht Teil der öffentlichen Diskussion – es gibt keinen Aktivismus – und ich bin nicht überrascht, dass wir bei den Verhandlungen nicht dabei sind.“

Deshalb beschloss er, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen: „In unserem Olivenhain dachte ich darüber nach, wie Agrarökologie und regenerative Landwirtschaft CO2 in der Atmosphäre verringern. Das ist das Ziel des Klimaaktivismus innerhalb der Verhandlungen. Unsere Aufgabe als Aktivisten und Produzenten ist es, die weitere Verbreitung dieser Art von Landwirtschaft voranzubringen. Auf diese Weise erreichen wir sowohl Anpassung als auch Vermeidung. Ich möchte als Mitglied der Klimabeobachter mein Wissen und meine Verfahren einbringen, sodass sie in Bezug auf Klimawandel und Klimagerechtigkeit eingesetzt werden können.“

Pavlos Georgiadis erwartet, dass Paris ein Meilenstein wird, der zu einem weltweiten Klimabewusstsein führt. Auch in Griechenland. „Unsere Generation hat nur eine Möglichkeit, sich wieder mit der Erde zu verbinden“, erklärt er. „Wenn wir so weiterleben wie bisher, brauchen wir drei Planeten. Aber wir haben nur einen. Die Zivilgesellschaft und die Änderung individueller Verhaltensmuster sind vielleicht die einzigen Lösungen zu diesen immer wiederkehrenden Problemen.“

Pavlos schließt unser Interview mit der Aufforderung an alle, mit einfachen Lösungen sowohl zur wirtschaftlichen als auch humanitären Erholung beizutragen. Egal, ob zu Hause, in ihren Dörfern, ihrer Nachbarschaft oder Ländern. Klimawandel macht nicht an Grenzen halt, er ist Aufgabe der gesamten Menschheit. „Lasst uns das uns gegebene große Geschenk der Evolution, das Denken, nutzen, die Macht der Güte und des Zuhörens. Lasst uns voneinander lernen und für eine Verbesserung der Welt arbeiten.“

Hier mehr über Pavlos Georgiadis Initiativen Calypso und We Deliver Taste lesen.

___

Dieses Porträt ist Teil unseres cafébabel-Projekts #21faces im Rahmen der Weltklimakonferenz COP21 in Paris.