Paris, ‘la vie en rose’

Artikel veröffentlicht am 28. August 2005
Artikel veröffentlicht am 28. August 2005

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Am schwarzen Brett der Universität von Madrid sah ich eines Tages meinen Namen, gefolgt von: Paris IV, Sorbonne. Die Würfel sind gefallen. Ein Leben aus dem Koffer.

9:00h Flughafen Charles De Gaulle. Meine knappen Habseligkeiten haben sich in 60 Kilo Gepäck verwandelt. Vor dem Start musste ich das Übergepäck bezahlen – und so beginnen wir diesen Monat mit 100 Euro im Minus – und jetzt schleppe ich mich damit zur S-Bahn.

Aller Anfang ist schwer

Ich frage nach dem Weg und bemerke: Mein Französisch ist schlechter als ich dachte; von meinem Englisch ganz zu schweigen. Daraus schließe ich: Lassen wir der weiblichen Intuition freien Lauf. Ich stelle meine Koffer in der S-Bahn ab und schon haben wir die erste akustische Begegnung mit Paris: Eine Person halb Obdachloser halb Massenprediger erzählt uns Fahrgästen die traurige Geschichte seines Lebens auf einer etwa einstündigen Reise. Endlich erreiche ich in meine Wohnung, atme tief durch und zünde mir eine Zigarette an.

Ich beginne den Tag mit einer Menge zu erledigender Dinge und Papierkram, die mir den größtmöglichen Humor und Ruhe abverlangen. Ich ordne meine Agenda: Metrokarte, Bankkonto, Wohnungsbeihilfe, meinen Betreuer an der Universität besuchen, vor 14 Uhr in der Mensa zum Essen antanzen. Die Tagesbilanz: Ich habe lediglich geschafft, mir eine Monatskarte für die Metro zu kaufen, und das, so sage ich mir ironischerweise, ganz ohne einen Ort zu haben, den ich aufsuchen könnte. Als ich in der Mensa ankam, sagte man mir schroff man habe bereits geschlossen. Dem Geruch, den dieser Ort verströmte, nach zu urteilen habe ich jedoch keine Delikatesse verpasst. Ich beschäftige mich nun damit, die Leute anzurufen, deren Kontakte ich aus Madrid mitgebracht habe. Ich verabrede mich mit Leuten, die ich nicht kenne um zu sicherzustellen, dass ich mich amüsiere, bevor die Vorlesungen und Seminare beginnen.

Erinnerungen eines launischen Gedächtnisses

März: Auf Tage extremer Kälte folgen Abende, die ich wegen des rötlichen Prismas der Sonnenuntergänge von Paris nie vergessen werde. Der Blick, den man von der Terrasse meines Hauses hat, umschließt Sacre Coeur, Invalidendom wie Eiffelturm und erinnert unbeirrbar daran, wo man sich befinden. Hinter mir höre ich meine ganze Clique schon planen, dass wir den Abend in der Universität verbringen werden; ich glaube es findet eine Feier bei den Brasilianern statt.

Und so verwandelten sich die Musiknoten, die auf dem Platz der Sorbonne einer Geige entfleuchten in Freunde, und die Filmbilder waren lange Spaziergänge entlang der Ufer der Seine, die unsere eigene Geschichte lebten. Die Farben der Dämmerung sind lange Nächte auf der Pont des Arts … und der charmante Franzose hat nicht nur Süßholz ins Ohr geflüstert, sondern sich in echte Freunde verwandelt, die mich heute noch besuchen.

PRAKTISCHE INFORMATIONEN

Sprache:

Französisch ist nicht so schwierig wie es scheint, obwohl man dich spüren lässt, dass dein französisch verbesserungsfähig ist. Vor allem wenn man dir sagt „du sprichst gar nicht schlecht französisch“. Sprachkurse an der Alliance Française

Hochschulen:

Die berühmte Sorbonne für Geistes- und Humanwissenschaften, Assas für Jura und Science-Po für Politikwissenschaften.

Der besondere Ort:

‚Les étages’ im Herzen der Viertels Marais verspricht einen wunderschönen Abend, wenn man in guter Gesellschaft ist.

Machen:

Die Fête de la Musique am 21. Juni: Der einzige Tag, an dem alle Pariser, ohne Ausnahme, zufrieden sind.

Bleibenlassen:

Im Programmkino Popcorn essen. Ein erzürnter Pariser, gestresst noch vom Stau am Morgen, könnte sich auf dich stürzen.

Unterkunft:

Sehr früh aufstehen um die Wohnungen zu besichtigen, die in den Zeitungen angeboten werden. Und viel Glück haben.