Paris: Frauen, die mitmischen

Artikel veröffentlicht am 12. April 2013
Artikel veröffentlicht am 12. April 2013
“Feminin, aber keinesfalls feministisch“ - so beschrieb sich das Pariser Musikfestival 'Les femmes s'en mêlent' ursprünglich. 1997 startete es mit nur ein paar Gigs zum Internationalen Frauentag. Im März dieses Jahres wurden wieder Frauen in der Musik gefeiert. Auftakt hierzu war eine Performance von 'Russie-Libertés & Pussy Riot' - klingt schon nach Feminismus oder?

Die 2012 in Russland inhaftierten Mitglieder der Pussy Riot waren eine Punkrock-Band und Musik ihr Instrument, politische Botschaften zu vermitteln. “Frauen, Musik und Krawall- das passt zu LFSM. Die Ereignisse um die Gruppe konnten und wollten wir nicht außen vorlassen“, so Stephane Amiel, der Gründer des Festivals. „Die Zukunft ist weiblich. Ich wünsche mir eine femininer geprägte Welt. Persönlich habe ich den männlichen Chauvinismus wirklich satt. Das Festival soll der Weiblichkeit und den Qualitäten der Frauen eine starke Stimme geben.“

Auch Männer können Feministen seien

Das Festival ist kein Ghetto für Frauen.

Es sind nach wie vor überwiegend männliche Musiker, die Plattenverträge bekommen. Weibliche Musikerinnen zu unterstützen und zu fördern empfindet Amiel daher als sehr wichtig. Männer sollen sich hierbei aber keinesfalls ausgeschlossen fühlen. „LFSM ist ein Fest, das sich der weiblichen Kreativität in der Musik verschrieben hat, aber Männer sind ausdrücklich eingeladen, diese mitzufeiern! Das Festival ist kein Ghetto für Frauen und nicht zuletzt bin nicht nur ich als Veranstalter ein Mann, sondern auch viele Musiker, die an der Seite unserer Frauen mitmischen.“

Des Weiteren, fügt Amiel hinzu, dass er sich auch selbst als Feminist versteht. „Ich war mir dessen anfangs nicht bewusst. Mir war auch gar nicht klar, dass ich als Mann Feminist sein kann. Ich bin in einem Umfeld aufgewachsen, das von großartigen Frauen bestimmt wurde - meiner Großmutter, Mutter und Tante - das hat mich geprägt. Feminist sein bedeutet für mich Gleichheit für Frauen und Männer zu wollen, in allen Belangen, das Geschlecht spielt dabei keine Rolle - genau darum geht es ja schließlich auch.“

Das Internet bietet Musikerinnen heute mehr Möglichkeiten

Was Les Femmes s’en mêlent neben seiner Liebe zu Frauen ausmacht ist, dass es fast ausschließlich noch unentdeckten Künstlerinnen eine Bühne gibt. Es ist ein unabhängiges Festival mit kleinem Budget, welches ebenfalls mit kleinen Labels kooperiert. In den Anfangszeiten war es äußerst schwierig, noch unbekannte Künstlerinnen ausfindig zu machen- ein Fakt, der sich dank des Internets geändert hat. Heute hat man mehr Freiheiten, Möglichkeiten und es ist für Künstler auch einfacher, eigene Labels zu gründen. Sie sind unabhängiger und können sich viel mehr selbst erfinden. „Wir wollen unabhängige Frauen, eine gute Kreativität, Charakter - keine Fakes, keine Marketingprodukte“, so das Credo des Festivals. Herkunft, Hintergrund und Musikgenre sind gänzlich unentscheidend. Die Musikerinnen kommen aus Europa sowie aus Übersee. Von Folk bis Elektro darf jedes Jahr querbeet fast alles dabei sein.

Wild, weiblich, kreativ

Skip&Die: Emanzipiert euch!

Skip&DieAls Vorzeigeband des diesjährigen LFSM sieht der Veranstalter Cata Pirata, Frontfrau der Band Skip&Die - „Sie ist wild, jung und kreativ. Eine Kämpferin, die mit Stereotypen bricht.„ Außerdem stehe sie für den multikulturellen Charakter des Festivals. Aus Südafrika stammend, zurzeit in Amsterdam wohnhaft, hat sie schon an einigen Orten der Welt gelebt. Dadurch ist auch ihre Musik in all ihren Facetten geprägt. LFSM würde sich der Welt aber gerne noch mehr öffnen und ist auf der Suche nach noch unbekannten Musikerinnen aus Kulturkreisen, die bisher noch wenig mitgemischt haben. „Beispielsweise jemand mit arabischem Hintergrund im Bereich elektronischer Musik und auch Frauen aus Ländern, deren Musikszene in Europa gänzlich unbekannt ist.“

Das jährliche Festival wurde in Frankreich gegründet und findet auch primär dort statt. Einige Male war es bereits in anderen Ländern Europas vertreten, aber aus Kosten- und Organisationsgründen blieb es in den vergangenen Jahren in seinem Ursprungsland. Anfragen gab es allerdings kürzlich aus Schweden und Kanada. „Es wäre toll, wenn LFSM zukünftig auch an Orten stattfinden könnte, an denen es für Frauen schwieriger ist, sich in der unabhängigen Musikszene zu etablieren. Istanbul wäre beispielsweise ein tolles Ziel!“

Illustrationen: ©LFSM - offizielle Facebook-Seite, Cata Pirata ©offizielle Facebook-Seite; Video (cc)LesFemmesSenMelent/YouTube