Papst an Jugend: Keine Arbeit? Sorgt euch nicht und vertraut auf Gott!

Artikel veröffentlicht am 8. September 2010
Artikel veröffentlicht am 8. September 2010
Aufgepasst, Benedikt, sonst laufen die Schäfchen davon! Die Worte, mit denen der Pontifex die Jugend auffordert, nicht an einen festen Arbeitsplatz sondern lieber an die Evangelien zu denken, hat die öffentliche Meinung ins Wallen gebracht. Und was ist mit den Engländern, die ihm nicht einmal seine Reise nach Großbritannien bezahlen wollen?
Es ist wohl Zeit, Abhilfe zu schaffen: Ein kurzes Treffen mit den Opfern pädophiler Priester und … neue Schuhe.

Gott hat sie wohl vergessen...„Ein fester Arbeitsplatz ist nicht alles, sucht nach Gott!“ Nein, das ist keineswegs ein Scherz. Mit diesem Aufruf wendete sich der Papst vor ein paar Tagen in einem offenen Schreiben anlässlich des 26. Weltjugendtages, der vom 16. bis 21. August 2011 in Madrid stattfinden wird, an junge Leute ohne festen Arbeitsplatz. Und er fügte hinzu: „Ohne Glauben ist auch wirtschaftliche Sicherheit nicht das Paradies auf Erden“. Was wohl die arbeitslosen Europäer unter 25 dazu sagen? Jüngsten Eurostat-Daten zufolge sind das 19,9% in der Eurozone (16 Mitglieder) und 20,5% in der EU der 27. Oder all jene, die zwar arbeiten, aber nur befristete Verträge haben. Aus den Daten der Europäischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen (EUROFOUND) geht hervor, dass in Europa mehr als 40 Millionen Menschen, also rund 22% aller Beschäftigten unter stressbedingten Depressionen leiden. Und der ausschlaggebende Faktor sind nicht selten eben die Mobilität und die Arbeitsunsicherheit. Oder liegt es am Ende daran, dass diese Menschen einfach noch nicht zum wahren Glauben gefunden haben?

Eins ist sicher: Die öffentliche Meinung war alles andere als begeistert und der Papst hat eine Menge Medienstaub aufgewirbelt. Benedikt XVI wurde sogar beschuldigt, ein Befürworter des Prekariats zu sein. Daher wurde zunächst die Vatikanpresse mobilisiert und anschließend gab es eine Ergänzung vom Papst selbst, der im Rahmen des sonntäglichen Angelus-Gebets klarstellte, dass es ist nicht die Kirche sei, die Mobilität und Flexibilität in der Arbeitswelt preist, und dass er mit seiner Aussage dazu einladen wolle „gegen den Strom zu schwimmen“, also sich gegen die Gesellschaft zu wehren. Es sind wahrlich keine rosigen Zeiten für den Pontifex. Vom 16. bis 19. September wird er nach Großbritannien reisen. Dies ist der erste Besuch seit dem von Johannes Paul II im Jahr 1982 und die Engländer wollen ihn nicht. Mit anderen Worten: Einer Umfrage der Theologen des katholischen Magazins Theo zufolge vertreten 77% der Briten die Ansicht, sich nicht an den Reisekosten für den Papstbesuch beteiligen zu wollen. Wie könnte man es ihnen übelnehmen? Nach jüngsten Schätzungen kostet die Reise insgesamt 10 bis 12 Millionen Sterling. Was tun? Idee! Warum nicht ein Treffen mit den Opfern der sexuellen Übergriffe englischer Priester? Besser so?

Und ob die Leute in Großbritannien es nun wollen oder nicht, der Papst reist nun einmal viel. Im Reisestress von einem Ort zum nächsten und zwischen Erklärungen und Dementis hat sich der Pontifex die Schuhe abgelaufen, die ihm im Jahr 2007 sogar einen Titel einbrachten, als ihn die amerikanische Zeitschrift Esquire zum „Accessorizer of the year“, also zu dem bestgekleideten Mann des Jahres kürte. Ein neues Paar - selbstverständlich ebenfalls in flammendem Rot - bekam er punktum vom „Schuster der Großen“, Adriano Stefanelli persönlich. Wer weiß, ob Seine Heiligkeit auch mit dem deutschen Journalisten Peter Seewald über seinen Look geschwatzt hat. Dies werden wir zum Ende des Jahres erfahren. Die langen Konversationen werden als Buch veröffentlicht, das nach Aussage von Vatikan-Pressechef Pater Federico Lombardi Ende dieses Jahres bei Libreria Editrice Vaticana erscheinen soll. Amen.

Fotos: ©julien/flickr; ©GhostSwann/flickr; Video: ©vaticanit/YouTube