Originalität aus zweiter Hand

Artikel veröffentlicht am 11. April 2007
Artikel veröffentlicht am 11. April 2007

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Vintage heißen gebraucht Kleider im Retro-Look. In Osteuropa feiern die schicken Second-Hand-Klamotten große Erfolge.

Der Begriff Vintage kommt ursprünglich aus der Weinwirtschaft und bezeichnet einen guten Jahrgang. In der Kleidungsbranche schwappte die Vintage-Mode hingegen aus den USA nach Europa. In den Vereinigten Staaten feierte sie in den 90er Jahren große Erfolge. „Im New York der 80er Jahre war Kleidung aus Second-Hand-Läden in Mode. Sie hatten eine Menge Vorteile. Für uns geschniegelte Europäer war es vor allem eine Entdeckung. Der größte Vorteil war der Preis. Man konnte einen Kreppsmoking für zwanzig Dollar kaufen und für zehn Dollar eine Lampe aus den 50er Jahren“, schrieb die Malerin und Autorin Hanna Bakua schon 1999 im Playboy.

Abgefahren, aber mit Seele

Die polnischen Vintage-Läden erleben gerade eine Wiedergeburt. Sie verdankten ihre Popularität in den 90er Jahren eher den günstigen Preisen als der Qualität der Kleidung. Heute kann man in Polen an beinahe jeder Straßenecke Second-Hand-Geschäfte finden, in denen Unmengen von Leuten auf Beutejagd sind. Zwischen den Kleiderständern treiben vorwiegend die Damen ihr Unwesen. Doch auch an Herren aus unterschiedlichen Altersklassen fehlt es nicht.

„Ich kaufe hier ein, weil die Kleidung billiger und schöner ist. Meine ganze Familie geht in die Second-Hand-Geschäfte“, sagt die 75jährige Barbara. „In solchen Läden kann man nicht nur abgefahrene Sachen finden, sondern auch welche mit Seele”, fügt Anne, eine originell angezogene Kunststudentin hinzu.

Trotz der großen Popularität der Second-Hand-Läden gehen viele Menschen lieber auf Distanz oder empfinden Ekel. „Ich gehe nicht in diese Geschäfte, weil ich sie mit komischen Geruch und alten Sachen verbinde. Selbst würde ich dort wahrscheinlich nichts kaufen, aber ich trage Sachen, die meine Mutter dort gekauft hat. Die Qualität ist gut und passen tunsie auch”, sagt der Englischlehrer Radek.

Zu hohe Mieten

Das Geschäft mit gebrauchter Kleidung ist ein lukrativ – vorausgesetzt, Inhaber hat eine gute Lage gefunden oder besitzt mehrere Läden. „Leider ging mein Geschäft Bankrott, weil die Miete zu hoch und die Lage nicht so attraktiv war. Große Geschäfte haben es einfacher. Sie können es sich leisten, mehr Ware zu kaufen und das Sortiment häufiger zu wechseln“, beklagt sich die 50jährige Urszula.

Die Geschäfte kaufen ihre gebrauchte Kleidung im Großhandel, bei dem sich die Preise im Bereich von 5 bis 100 Zloty pro Kilo oder Stück bewegen können. Das hängt von der Qualität, dem Gebrauchszustand, der Marke oder dem Herstellungsland ab. Viele Großhändler besitzen eigene Läden, so dass sie frei sind, den Verkaufsort der Ware zu wechseln. Dieses Prozedere übt großen Druck auf die kleinen Geschäfte aus.

Nicht jeder ist imstande, Kleidung aus Westeuropa oder den USA nach Polen zu importieren. Dafür sind spezielle Genehmigungen für Einfuhren und Nachweise über die vorhergehende Desinfektion notwendig. Weil sie Angst vor hohen Strafen haben, stellen viele Inhaber große Schilder mit der Aufschrift „Diese Ware wurde desinfiziert“ auf.

Billigimporte aus Asien

Der Second-Hand-Boom ist auch in anderen postkommunistischen Ländern zu beobachten. „Ich mag die Läden nicht nur aus Preisgründen, sondern auch aufgrund ihrer Atmosphäre. Man kann dort gute Klamotten finden, die in keinem ‚Trend’-Laden zu finden sind. Und außerdem kann ich mir daraus ganz neue zusammennähen“, sagt die Ungarin Linda Mezes.

Ganz anders in Rumänien und Bulgarien, wo Second Hand nicht länger in Mode ist wie noch vor fünf Jahren. Grund sind die niedrigen Preise der Kleidungsimporte aus Asien und der Türkei. Rumänien ist zudem einer der wichtigsten europäischen Textilproduzenten.

Vintage in den eigenen vier Wänden

Wer die typischen Second-Hand-Läden mag, kann von zuhause aus auch bequem Internetgeschäfte aufsuchen. Glam.pl ist ein Beispiel dafür. Die Initiatorin, Joanna Draus, sagt: „Seit Jahren habe ich mich in Second-Hand-Läden in Polen und im Ausland eingekleidet. Meiner Meinung nach ist es einer der besten Wege, sich originell zu kleiden, ohne dabei ein Haufen Geld auszugeben.“ Es sei auch eine hervorragende Alternative für Leute, die auf Originalität nicht verzichten wollen, aber fürs Shopping keine Zeit haben. „Meine Kunden sind größtenteils Frauen, die entweder viel arbeiten oder Kinder haben, so dass für sie aus Zeitgründen lediglich der Einkauf im Netz bleibt“, bestätigt Joanna Draus.