Operation Umweltspionage

Artikel veröffentlicht am 8. März 2004
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Artikel veröffentlicht am 8. März 2004

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GMES ist vielleicht nur der arme Verwandte von Galileo. Aber durch das Projekt könnte die Vorhersage von Naturkatastrophen bald besser funktionieren als ein Schweizer Uhrwerk.

Vom 26. bis zum 28.November 2003 fand in Baveno in Italien das 4. GMES-Forum statt. Es ging über das europäische Programm zur Umweltbeobachtung per Satellit, das bis 2008 betriebsbereit sein müsste.

Die Initiative wurde von der Europäischen Kommission und der ESA (European Space Agency) gestartet, im Anschluss an eine Tagung, die im Mai 1998 ebenfalls in Baveno stattfand. Die Konferenz, an der die Vertreter der europäischen Raumfahrtbehörden, die ESA, die EU und Vertreter der europäischen Raumfahrtindustrie teilnahmen, äußerte die Notwendigkeit, Europa mit einem Umweltüberwachungssystem auszustatten, das in der Lage ist, die dringlichsten Umweltprobleme wie Ozonloch, Treibhauseffekt, Umweltverschmutzung, Wüstenbildung und Erhöhung des Meeresspiegels zu erfassen und vorherzusehen. Das Jahr 2004 ist für GMES (Global Monitoring for Environment and Security)ein entscheidender Moment, denn die Umsetzungsphase des Programms wird in Kürze beginnen.

Von Kyoto bis Elba: Multilateralismus und Vorsorge

Das passt zur allgemeinen Stimmung, denn die Beunruhigung über die vom Menschen verursachten Umweltveränderungen wird immer akuter. Man denke nur an einige besorgniserregende Phänomene wie das Schrumpfen der Gletscher um 10%, das Ansteigen des Meeresspiegels um 10 bis 20 Zentimeter im zwanzigsten Jahrhundert oder die allgemeine Ausbreitung der Wüstenbildung.

Die Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung von 1992 hat festgestellt, dass die Umweltsituation von Bevölkerungswachstum, Einkommensniveau, Produktionstechnologien und Konsumverhalten beeinflusst wird. Die langsame Erwärmung der Atmosphäre und die dadurch hervorgerufenen Umweltphänomene, wie verstärkte Regenfälle in einigen Regionen und ein Anstieg der Temperaturen in anderen, werden Auswirkungen auf Milliarden von Menschen haben.

Die GMES-Initiative setzt sich zum Ziel, die Grundlagen für die Definierung von Dienstleistungen und Produkten zu schaffen, die von allen europäischen Staaten gemeinsam eingesetzt würden und die eine bessere Überwachung und ein besseres Verständnis dieser Phänomene ermöglichen sollen. Um sowohl solchen langfristigen Umweltveränderungen, oft Gegenstand internationaler Abkommen, als auch Naturkatastrophen vorzubeugen. GMES ist also kein Raumfahrtprogramm, sondern gehört zu einem Komplex von Aktivitäten, die zum Ziel haben, den Beitrag der Raumfahrttechnologie zur Umweltforschung aufzuzeigen. Eine der Prioritäten des Baveno-Manifests war ja eben die Überwachung der Einhaltung der im Rahmen des Kyoto-Protokolls eingegangenen Verpflichtungen in Anwendung der UN-Rahmenkonvention zum Klimawandel.

Die Satelliten der ESA haben gezeigt, wie nützlich der Einsatz von Satelliten für rasche Maßnahmen im Fall von Naturkatastrophen und die Beobachtung von Umweltphänomenen ist, indem sie zum Beispiel nach dem Erdbeben in Algerien oder der Überschwemmung auf Elba eine Kartographie der betroffenen Gebiete lieferten oder zur Untersuchung von Phänomenen wie dem Ozonloch oder EL Niño beitrugen.

Die Konkurrenz der USA

Die GMES–Initiative und das Galileo–Programm stellen zur Zeit die beiden Eckpfeiler der europäischen Raumfahrtstrategie dar. Die Initiative entspricht dem von der EU bekundeten Willen, in vielen Bereichen unabhängige technische Kapazitäten zu entwickeln. Die Umweltproblematiken beeinflussen die politischen Entscheidungen auf allen institutionellen Ebenen in den Bereichen Transport, Energie, Industrie, Landwirtschaft und Landschaftsgestaltung. Für die EU gewinnt es daher grundlegende Bedeutung, sich einen unabhängigen Zugang zu Informationen zu schaffen.

Die wichtigsten Antriebskräfte dieser Entwicklung, ESA und EU, sind gerade dabei, das Projekt zu verwirklichen; einmal durch den Beschluss der ESA über ein Programm, das GMES Service Element, mit einem Budget von 83 Millionen Euro, und zum zweiten durch die Eingliederung des GMES-Projekts in das 6. EU-Forschungsrahmenprogramm.

Mit GMES steuert Europa auf eine neue Form von Zusammenarbeit zu, die auf der gemeinsamen Teilhabe an Informationen sowohl der Bereitsteller (ESA, EUMETSAT, Forschungszentren, europäische Raumfahrtbehörden) als auch der Nutzer (Zivilschutz- und internationale Organisationen, politische Institutionen) beruht. Gerade jetzt, wo die europäische Haltung gegenüber dem Kyoto-Abkommen und der umweltpolitischen Linie in scharfem Gegensatz zur Position der Vereinigten Staaten steht, gewinnt die Initiative an Bedeutung. Aber es gibt noch viele kontroverse Punkte, die auch den glaubhaften Willen des Alten Kontinents, die Initiative weiter zu verfolgen, in Frage stellen. Das wäre jedoch wirklich schade: die europäische Unabhängigkeit steht auf dem Spiel.