Onkel Silvio hat eins geschafft: Die ganze Welt spricht über das angebliche Liebesleben des 73-Jährigen

Artikel veröffentlicht am 25. Juni 2009
Artikel veröffentlicht am 25. Juni 2009
Italiens Premierminister Silvio Berlusconi gerät wegen seines Privatlebens immer mehr unter Druck. Das Escort-Girl Patrizia D'Addario (42) hatte vor Ermittlern behauptet, eine Nacht in Berlusconis Privatresidenz in Rom verbracht zu haben. In einem Interview mit der am Mittwoch erschienen Illustrierten Chi sprach Berlusconi derweil von Verleumdung.
Die europäische Presse bewertet das Politische und das Private der Affäre Berlusconi.

Helsingin Sanomat - Finnland

Mit Kopfschütteln blickt die Tageszeitung Helsingin Sanomat nach Italien: "[Regierungschef Silvio] Berlusconi hat es geschafft, in seiner vielseitigen Karriere auch als Entertainer und Produzent tätig zu werden. Jetzt scheint er in diese Branche zurückgekehrt zu sein. Sein Stil ist dieses Mal burlesk, er macht Ernstes lächerlich. [...] Die Freizeit des stärksten politischen Machthabers hört auf Privatleben zu sein, wenn er massenhaft - auf verschiedene Arten bestochene - weibliche Begleitung hat und nicht in der Lage ist, ehrlich zu antworten, wenn man ihn nach der Natur dieser Beziehungen fragt. [...] Berlusconi, der im nächsten Monat als Gastgeber des G8-Gipfels in Italien fungiert, ist einer der bekanntesten Staatsmänner der EU und deshalb auch ein sichtbarer Vertreter der so genannten europäischen Werte anderswo in der Welt. Ein schlechtes Vorbild. In Berlusconis dritter Amtszeit ist klar geworden, dass er außer Frauen auch die Justiz und die Meinungsfreiheit nur aus einer Sicht sieht: seiner eigenen."

(Artikel vom 25.06.2009)

Corriere della Sera - Italien

Die liberal-konservative Tageszeitung Corriere della Sera beklagt, dass die Personalisierung der Politik in Italien "pathologische Ausmaße" erreicht habe: "An die Stelle der Kulturen und der politischen Parteien [...] ist das allgemeine Nichts getreten. Es sind nur noch die Personen, die (im wahrsten Sinne des Wortes!) nackten Personen, übrig geblieben. Unter diesem Gesichtspunkt ist [Regierungschef Silvio] Berlusconi weit davon entfernt, die Krankheit zu sein. Er ist nur das Symptom. [...] In diesem italienischen Abdriften steckt eine Rückkehr zur Antike. Die Politik verflüchtigt sich, und wir sehen ein Italien wieder auftauchen, das wir hinter uns gelassen zu haben glaubten: ein Land in der Hand der Wenigen, von Oligarchien, die nur an der eigenen Macht interessiert sind. Ein Land im Abseits, das von der Welt abgeschnitten den Sinn eines gemeinsamen Schicksals verloren und weder Ambitionen noch Zukunftsprojekte hat. Ein Land, das sich selbst nicht schätzt, und unfähig scheint, etwas von sich selbst zu fordern. Ein Land, das durch die Leere der Politik etwas anderes hindurch schimmern lässt; etwas, das sehr einer Willensleere oder einer moralischen Leere ähnelt."

(Artikel vom 25.06.2009)

La Repubblica - Italien

Die Berlusconi-Affäre habe auch die Kirche in Verlegenheit gebracht, schreibt der Theologe Vito Mancuso in der linksliberalen italienischen Tageszeitung La Repubblica. Der Chefredakteur des katholischen Wochenmagazins Famiglia Christiana, Don Antonio Sciortino, hatte die Kirche zu einer Stellungnahme aufgerufen: "[Damit ist] eine deutliche öffentliche Verurteilung der Verhaltensweise des derzeitigen Regierungschefs wegen seiner Missachtung der katholischen Moral gemeint. [...] Die Antwort [der Kirche] hängt davon ab, welche der zwei Seiten der kirchlichen Seele sich durchsetzen wird - die politische oder die prophetische. ... Es ist wahrscheinlich, ... dass die politische Seele mit ihrer entgegenkommenden Linie siegen wird. [...] Der Regierungschef wird wie bisher mit der diskreten und robusten Unterstützung der kirchlichen Hierarchie rechnen können und nicht versäumen, sie entsprechend zu belohnen. Eines sollte dabei aber klar sein: dass die Worte der Kirche wenig glaubwürdig erscheinen werden, wenn sie es sich in Zukunft [wieder einmal] anmaßt, die Familie zu verteidigen." (Artikel vom 25.06.2009)

To Vima - Griechenland

In der Tageszeitung To Vima verspottet die Kolumnistin Lori Keza das Liebesleben von Italiens Premier Silvio Berlusconi: "Onkel Silvio hat eins geschafft: Er ist 73 Jahre alt, und die ganze Welt spricht über sein angebliches Liebesleben. […] Frauen, Frauen, Frauen. Will der alte Mann vielleicht die Botschaft senden, dass er noch sexuell aktiv ist? Die Medizin gibt die Antwort. In diesem Alter sind seine Leistungen gering; und wenn er zu viele Tabletten nimmt, wird sein Herz explodieren. Es ist egal, wie viele Schönheitsoperationen er machen lässt, wie viele Haare er sich einpflanzen lässt und wie viele Geschenke er verteilt. Sein Geschlechtsorgan wird ihm die vielen Abenteuer verweigern. Das zeigen die Statistiken. [...] Es scheint, als bewundere ihn ein Teil der Bevölkerung für seine Eroberungen. … Obwohl ihn die Zeitungen als einen alten Satyr [einen wollüstigen Waldgeist der griechischen Mythologie] darstellen, erhöht er seine Prozente. Nicht in den Umfragen, sondern da, wo die Meinung zählt: an den Urnen." (Artikel vom 25.06.2009)