Ölspuren in Darfur

Artikel veröffentlicht am 15. März 2005
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Artikel veröffentlicht am 15. März 2005

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Öl und Menschenrechte passen nicht zusammen – Dieses eherne Gesetz gilt auch im Sudan und im Tschad, wo Wirtschaftsinteressen über Menschenrechte gewinnen.

Im Bürgerkrieg, der seit 1983 auf dem Sudan lastet, stehen sich die arabische Dschandschawid-Reitermiliz, die Rebellengruppe der „Bewegung für Gerechtigkeit und Gleichheit“ (Justice and Equality Movement, JEM) und die „Sudanesische Befreiungsarmee“ (Sudan Liberation Army, SLA) gegenüber. Die islamische Regierung in Karthum wird angeklagt, die ethnischen Spannungen im Land zu verschärfen, während die Dschandschawid beschuldigt werden, gewalttätige Übergriffe gegen die Bevölkerung von Darfur zu unterstützen.

Zu den Auslösern des Konflikts gehört der Streit der Rebellengruppen um die Verteilung der Erdöl-Erlöse. Die internationale Gemeinschaft befürchtet, dass sich die Krise in Darfur ausweitet und auch die innere Region destabilisiert. Der Besuch von Colin Powell im Sudan im letzten Juni und der Druck der USA, der am 9. Januar zur Unterzeichnung des Friedensabkommen von Nairobi führte, zeigen das amerikanische Interesse in dieser Angelegenheit. Auf der Agenda der Gäste aus Washington stehen nicht nur die Achtung des internationalen Rechts und der Menschenrechte in Darfur, sondern auch die Sicherung amerikanischer Ölinvestitionen im Süden des Landes.

Reichtum unter der Erde

Vor dem Seebeben in Südostasien wurde die humanitäre Krise von Darfur als die schwerste der heutigen Zeit angesehen. 30000 Menschen starben durch die Attacken der Miliz, eine Million Flüchtlinge mussten ihre Dörfer verlassen. 200.000 Flüchtlinge sind bis heute im Tschad angekommen, aber die humanitären Helfer glauben, dass weitere 100.000 bereit sind, aufzubrechen. Im Tschad wurde erst vor kurzem Öl entdeckt, doch die amerikanischen Firmen sind bereits dabei die Förderung vorzubereiten und eine Pipeline zur Küste von Kamerun zu legen, um den Rohstoff Richtung Westen zu verschiffen. Die Regierung von Tschad hat die Gelegenheit am Schopf gepackt und investiert, in der Hoffnung auf zukünftigen Profit. Das Problem ist, dass der Tschad eines der ärmsten Länder der Welt ist und die Ankunft der Flüchtlinge zu einer Belastungsprobe für das lokale System geworden ist. Doch anstatt die staatlichen Investitionen in das Sozialsystem zu erhören, um mit der Mehrbelastung fertig zuu werden, fährt die Regierung in N’Djamena mit ihrer Politik der Kürzungen fort, mit dem Ergebnis, dass Bereiche wie Gesundheit, Bildung, Infrastruktur und Sicherheit unter dem Gewicht der humanitären Krise durchlöchert wurden. Während der Sudan für das Öl stirbt, verschleudert man im Tschad das klägliche Staatsbugdet für das „schwarze Gold“. Und in beiden Fällen werden die Profite weit weg von denen gemacht, die sie brauchen. Sie werden der lokalen Elite zu Gute kommen, die von den Postkolonisten unterstützt werden, und in die Kassen ausländischer Multinationaler. Im Sahel ist das Haupttransportmittel der Esel und das einzige Plastikobjekt, das vom Öl herrührt, ist der Wasserkanister. Man behauptet, dass die Ölindustrie den Einheimischen Arbeit gibt, aber in der Realität sind die technischen Positionen mit Ausländern besetzt. Die Ansässigen sind Hilfsarbeiter; 2002 wurde der Tschad von einem Konflikt mit den Gewerkschaften erschüttert, als man entdeckte, dass die multinationalen Ölfirmen ihr Personal unterbezahlten.

Das wahre Problem ist die Politik im Dienste der Wirtschaftsinteressen. Die sudanische Bevölkerung und die Menschen im Tschad leiden an Krieg und Armut, sie müssen selbst kämpfen um zu überleben. Sie träumen, dass sie eines Tages die Früchte des mysteriösen schwarzen Blutes genießen können, dass aus ihrer Erde gepumpt wird.