O la la: liberal!

Artikel veröffentlicht am 28. Mai 2008
Artikel veröffentlicht am 28. Mai 2008

In seinem letzte Woche erschienenen Buch De l’audace, Entretiens avec Laurent Joffrin (Chefredakteur der französischen Tageszeitung Libération, A.d.R.) hat der aktuelle Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoë hervorgehoben, dass er sowohl 'Sozialdemokrat' als auch 'liberal' sei und damit eine Welle der Empörung in seiner Partei (PS) ausgelöst. Europa kann nur den Kopf schütteln: immerhin ist liberal nicht gleich liberal…

"Die EU-Verfassung ist zu liberal" war der Schlachtruf der Nein-Verfechter im französischen Referendumswahlkampf. Im Land Voltaires ist das Wort "libéral" eine unverzeihliche Beleidigung. Selbst der konservative Chirac rühmte das Potenzial der Verfassung, die "liberale Globalisierung" zu bekämpfen. O la la!

Doch im Italiensichen handelt es sich bei dem Adjektiv "liberale" eher um ein Kompliment. Selbstverständlich hat das Wort auch hier eine politische Bedeutung, wobei im Zusammenhang mit der Wirtschaft eher "liberista" verwendet wird. Selbst der ehemalige sozialdemokratische Ministerpräsident Massimo D’Alema bezeichnete sich als "liberal".

In Polen wiederum wird "liberalny" verwendet, um eine funktionierende Wirtschaft zu charakterisieren - wie in Großbritannien. Dort ändert sich die Bedeutung des Wortes, je nachdem, mit wem man spricht: Ist's ein Kiffer in Turnschuhen - "aufgeschlossen", ist's ein Teetrinker mit Churchill-Zigarre: "Faulenzer".