Nordlichter: Auch Elfen haben Rechte! 

Artikel veröffentlicht am 28. Juli 2014
Artikel veröffentlicht am 28. Juli 2014

Wer kämpft ei­gent­lich für die Rech­te von Elfen und an­de­rer Fa­bel­we­sen? Die El­fen-Lob­by na­tür­lich. Was wie ein wei­te­res Hirn­ge­spinst der Big Bang Theo­ry klingt, ist Rea­li­tät in Is­land. Also los geht's! Ab auf die Insel aus Feuer und Eis, un­se­rer ers­ten Sta­ti­on auf der Reise in den abergläubischen Norden!

Hul­dufólk - Is­lands "ver­bor­ge­ne" Mit­bür­ger

Würde es ein Ran­king über die ge­fähr­lichs­ten Geg­ner von Groß­bau­pro­jek­ten geben, dann wür­den mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit die Tier­schüt­zer ganz oben ste­hen. Plötz­lich wer­den ob­sku­re Fle­der­maus­ar­ten und Am­phi­bi­en, wel­che vor einem Bau­pro­jekt nicht mal den ört­li­chen Tier­schutz­ver­ein son­der­lich in­ter­es­siert haben, in den Mit­tel­punkt ge­rückt. Wobei wir uns auf dem Kon­ti­nent schon längst an sol­che Dis­kus­sio­nen ge­wöhnt haben, könn­te man sich bei der Schlag­zei­le: „Stra­ßen­bau­pro­jekt in Is­land zum Schutz von ‚ver­bor­ge­nen‘ Elfen un­ter­bro­chen", ernst­haft fra­gen, ob sich die Jour­na­lis­tin des In­de­pen­dent da nicht ein Scherz er­laubt hat. Aber nein, Is­land wird vom Hul­dufólk be­wohnt, was so viel be­deu­tet wie „ver­bor­ge­ne Men­schen". Im­mer­hin glau­bt nach ei­ni­gen Um­fra­gen noch knapp die Hälf­te der Is­län­der an deren wun­der­sa­me Exis­tenz. Somit zählt diese „Lobby" circa 150.000 Mit­glie­der in ganz Is­land. Auf­grund die­ses star­ken Ein­flus­ses, muss­te 2013 auch die neue Stra­ßen­ver­bin­dung von der Haupt­stadt Reyk­ja­vik zur Halb­in­sel Álf­ta­nes un­ter­bro­chen wer­den. Die El­fen­ak­ti­vis­ten for­der­ten, dass man den orts­an­säs­si­gen Elfen Zeit zum Umzug geben müss­te.

Zur Er­klä­rung...

... soll­te zu­nächst ge­sagt wer­den, dass die un­wirk­li­che At­mo­sphä­re der Insel mit ihren em­por­stei­gen­den Gey­si­ren, ihren sam­tig-wei­ßen Was­ser­fäl­len und der glut­ro­ten Lava, die sich durchs saf­ti­ge Gras bricht, schon die alten Wi­kin­gern in ihren Bann ge­zo­gen hatte. Die Nord­män­ner waren lange Win­ter in ihren Hei­mat­län­dern Skan­di­na­vi­ens ge­wöhnt und dort ver­trieb man sich die dunk­len Mo­na­te gerne mit dem kunst­vol­len Er­zäh­len von Sagen. Diese Er­zäh­lun­gen, in denen es von Trol­len, Zwer­gen und Elfen nur so wim­melte, stan­den den My­then von Rö­mern und Grie­chen in nichts nach. Und auch nach der Chris­tia­ni­sie­rung Nord­eu­ro­pas über­dau­er­ten sie die Zeit. Das Hul­dufólk war so wich­tig, dass es in christ­li­chen Er­zäh­lun­gen auf­tauch­te. Die Kir­che ist nie gegen die un­sicht­ba­ren Wesen vor­ge­gan­gen, trotz­dem wis­sen die Is­län­der, dass das "ver­bor­ge­ne" Volk Kir­chen und Ka­pel­len lie­ber mei­det.

Der Trend geht wei­ter...                                                                   Heute sehen die Is­län­der immer noch in skur­ri­len Fels­for­ma­tio­nen Rie­sen und in Hü­gel­ket­ten El­fen­häu­ser: die ganze Insel ist für sie eine Par­al­lel­welt zwi­schen der Welt der Men­schen und der mys­ti­schen Welt des Hul­dufólks. Diese Wesen leben völ­lig fried­lich neben den Men­schen, sie kön­nen aber äu­ßerst un­ge­hal­ten wer­den, falls mal wie­der ein Bau­pro­jekt das "ver­steck­te" Ei­gen­tum des Hul­dufólks be­droht. Bau­ar­bei­ter er­zäh­len dann von de­fek­ten Ma­schi­nen und rät­sel­haf­ten Krank­heits­fäl­len in der Be­leg­schaft. Was ma­chen die Is­län­der also im Kon­flikt­fall? Sie rufen die El­fen­ver­mitt­ler.                                                                                                                                                                                                                                   Der Kopf die­ser "Di­plo­ma­ten" ist seit Jahr­zehn­ten Erla Stefánsdóttir, die in der deut­schen Pres­se auch gern als "El­fen­be­auf­trag­te" be­zeich­net wird. Sie ver­han­delt mit orts­an­säs­si­gen Elfen und über­zeugt sie vom Umzug, des­sen Kos­ten na­tür­lich die Bau­herren tra­gen. So säu­men zahl­rei­che Stra­ßen und Vor­gär­ten künst­li­che Hügel und grobe Stein­kon­struk­tio­nen. In diese "Neu­bau­ten" sie­deln dann die Fa­bel­we­sen um, die Bag­ger gra­ben wei­ter und der Ar­bei­ter ist auf wun­der­sa­me Weise sei­nen Reiz­hus­ten los… auch ohne ein­schlä­gi­ge Hus­ten­bon­bons. So ein­fach kann es gehen. 

Wer glaubt, dass sich Frau Stefánsdóttirs‘ Ar­beit in der Ver­mitt­lungs­ar­beit er­schöpft, der soll­te sich die Home­page der "Elf­school" in Reyk­ja­vik ein­mal ge­nau­er an­se­hen. Neben Kur­sen in Elf­kom­mu­ni­ka­ti­on und den damit ver­bun­de­nen Zer­ti­fi­ka­ten, kann man sich in ver­schie­dens­te "Prä­ze­denz­fäl­le", also Er­fah­run­gen mit Elfen, ein­le­sen.

Es wird Zeit, hisst die Segel! 

Nicht nur die Is­länder haben eine blü­hen­de Phan­ta­sie in punc­to Aber­glau­be und My­then­wel­ten, auch in Skandinavien lassen sich so manche Kuriositäten entdecken. Des­halb lasst uns im zwei­ten Teil in Rich­tung Süden se­geln, um an­de­re „ver­bor­ge­ne“ Völ­ker, Zah­len­zau­be­rei und be­ängs­ti­gen­de Flü­che zu er­kun­den.

VI SES!