Nordischer Konservativer gesucht, doch bitte keine Frauen!

Artikel veröffentlicht am 10. Mai 2004
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Artikel veröffentlicht am 10. Mai 2004

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Der Wettlauf um die Präsidentschaft der Europakommission hat begonnen. Die Kandidaten liebäugeln bereits mit Prodis Chefsessel.

Romano Prodi wird im kommenden November seinen Präsidentschaftssessel in der Europakommission verlassen, auch wenn er bereits seit einiger Zeit die Führung in der italienischen Nationalpolitik innehat. Er wird der Letzte sein, der das Schiff verlässt - nach der Auflösung der Mitglieder seiner Kommission, Diamantopoulos, Solbes, Barnier und Co., und der vorhersehbaren Kündigung von Kommissaren, die sich für die Europawahlen am 10. bis 13. Juni aufstellen ließen. Der kommende Präsident wird die Führung einer Institution übernehmen, die mehr denn je den Eindruck erweckt, ein Sekretariat der Mitgliedstaaten zu sein. Die neue Kommission wird den europäischen Geist, den man ihr unterstellt, wieder auferstehen lassen müssen, und für einen guten Start ihr Amt am 1. November - Allerheiligen - antreten.

Flexibles Arbeiten

« Ich weiß nicht, wer mein Nachfolger sein wird. Ich weiß nur, dass es vor meinem Amtsantritt eine unbekannte Arbeit war und dass es nun viele Interressenten gibt », behauptete der Italiener und unterschätzt damit die Arbeit der beiden Jacques, Delors und Santer. Die Kommission Prodi hat in der Tat gezeigt, dass sie flexible Posten bietet, die Priorität haben vor persönlichen Interessen und die dafür sorgen, dass die Verbindung zur Nationalpolitik bestehen bleibt. Dieser Honig lockt zwangsläufig viele Bienen an.

Unter diesen wird beim Brüsseler Gipfel am 17. und 18. Juni Prodis Nachfolger gewählt werden. Nach fünf Jahren mit einem progressiven Präsidenten aus dem Süden tendieren die ungeschriebenen Gesetze der europäischen Institutionen zu einer Besetzung dieses Platzes durch einen Konservativen aus dem Norden.

In der Startlöchern hockt Chris Patten, ehemaliger Präsident der Britischen Konservativen und aktueller Kommissar für auswärtige Beziehungen der Europäischen Union. Er rechnet mit bedeutender Unterstützung: « Er hat das Talent, die Überzeugungen und die politische Position, die ein guter Präsident braucht », erklärte Valéry Giscard d’Estaing.

Der konservative österreichische Premierminister Wolfgang Schüssel, sein belgischer Amtskollege, der Liberale Guy Verhofstadt und Luxemburgs Premierminister Jean Claude Juncker (dessen Kandidatur unsicher ist, da er es vorzieht, sich bei den Nationalwahlen aufstellen zu lassen) scheinen ebenfalls jenem Profil des konservativen Nordlichts zu entsprechen.

Das Geschlecht fällt nicht ins Gewicht

So kümmert sich die europäische Waage um Ideologie und Nationalität, aber anscheinend berücksichtigt sie im Moment nicht das Geschlecht. Die Europäische Volkspartei (PPE) wählte Loyola de Palacio unter die Kandidaten, die sie für die Präsidentschaft der Europakommision unterstützen wird. Eine einzige Frau in einer Horde von Männern. Die fixe Idee der Abwechslung und der europäische Konsens hatten nun die Gelegenheit, die « Weiblichkeit » Loyola de Palacios in die männliche Geschichte der Europakommission miteinzubeziehen. Die Niederlage der Aznar-Regierung hat diese Möglichkeit in den Hintergrund gerückt.

Der nächste Präsident der Europakommission wird unausweichlich ein Mann, konservativ und nordisch sein. Die Frauen werden sich vor den verschlossenen Türen der Kommission wiederfinden. Der Wettlauf der « Machos » aus dem Norden nach Brüssel hat in aller Hast begonnen. So wie Solbes, Barnier und Co. werden sie die erste Gelegenheit zur Flucht ergreifen, sobald sie der Ruf ihrer nationalen Parteien erreicht.