Nordische Wohlfahrt in der Weltpolitik

Artikel veröffentlicht am 25. Juli 2005
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Artikel veröffentlicht am 25. Juli 2005

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Das skandinavische Modell besitzt eine internationale Dimension, die nicht ignoriert werden darf: Pazifismus und Gleichberechtigung in den internationalen Beziehungen.

Häufig wird das so genannte „skandinavische Modell“ mit Fragen der Innenpolitik identifiziert, beispielsweise mit dem Wohlfahrtsstaat, strikter Umweltgesetzgebung oder Fortschritten bei der Integration der Frauen in die Arbeitswelt. Und in der Tat sind Länder wie Schweden und Norwegen Vorreiter in der Entwicklung und Anwendung vieler Erfolgskonzepte gewesen, die später von den Staaten der Europäischen Union in ihre Sozialpolitiken aufgenommen wurden. Wenn daher Autoren wie Jeremy Rifkin in den letzten Jahren von einem europäischen Modell als Gegensatz zum amerikanischen Traum sprechen, dann ist das in erster Linie auf den Willen Brüssels zurückzuführen, das erfolgreiche soziopolitische Experiment der skandinavischen Staaten zu imitieren. Sein Einfluss war nicht nur für die Ideologie und den politischen Alltag der Sozialdemokratie auf dem Alten Kontinent entscheidend, sondern auch für die Regierungsarbeit der Christdemokratie, die unter anderem in Deutschland, Frankreich und Italien jahrzehntelang an der Macht war. Erst durch die neoliberale und konservative Revolution von Margaret Thatcher in der 80er Jahren wurde erstmals Kritik am nordischen Wohlfahrtsmodell laut, das sich auf die keynesianistischen Theorien beruft.

Die internationale Avantgarde

Der beachtliche Einfluss, den das skandinavische Modell auf die „Befriedung“ der inneren sozialen Ordnung der Staaten ausübt, stellt einen anderen wichtigen Aspekt seiner Wirkung in den Schatten: Auch bei der Formulierung einiger Prinzipien und Konzeptionen, die unser Verständnis der internationalen Beziehungen wesentlich bestimmen, hat es einen wertvollen Beitrag geleistet. Bewegungen wie der Ökopazifismus und solch bedeutende Elemente des kollektiven Sicherheitssystems wie friedenserhaltende Maßnahmen wären ohne den Impuls von Ländern wie Schweden und Norwegen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts undenkbar gewesen. Zugleich überrascht die Führungsposition, die Länder mittlerer Größe wie die skandinavischen Staaten auch in der konkreten Umsetzung derartiger Konzepte auf dem Gebiet der internationalen Politik innehaben. Besonders erstaunlich ist dies im Rahmen einer Weltordnung, in der militärische, politische und ökonomische Macht immer noch die Basis für Einfluss in globalen Angelegenheiten darstellen.

Warum erregt es nicht unsere Aufmerksamkeit, dass die ersten beiden Generalsekretäre der Vereinten Nationen der Norweger Trygve Lie und der Schwede Dag Hammarskjöld waren? Oder dass der Friedensnobelpreis, die bedeutendste jährliche Anerkennung von Friedensarbeit, ein Preis ist, den eine schwedische Stiftung verleiht? Oder dass das Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) ein führendes Zentrum für das Studium der internationalen Politik ist? Oder das Israelis und Palästinenser Anfang der neunziger Jahre monatelang im eiskalten Oslo verhandelten, wobei die norwegische Regierung die Rolle des Vermittlers übernahm? Nur Kanada - ein weiteres nordisches Land - ist hinsichtlich seines globalen moralischen Einflusses mit den skandinavischen Staaten vergleichbar. Es ist erstaunlich, dass alle diese entschieden internationalistischen und pazifistischen Länder ein solides System sozialer Leistungen gemein haben. Könnte das soziale Modell die Erklärung sein?

Export eines funktionierenden Modells

Sicherlich. Die Außenprojektion der nordischen Länder hängt größtenteils von den Merkmalen ihres sozialen Modells selbst ab, dessen grundlegende Werte von den skandinavischen Regierungen nach und nach in der internationalen Ebene eingebracht wurden, auf der traditionellerweise das Gesetz des Stärksten herrscht. Dass die nordischen Staaten Vorreiter auf den Gebieten Ökologie, Pazifismus und Friedensoperationen gewesen sind, ist vor allem darauf zurückzuführen, dass sich ihr internes Sozialmodell an den gleichen Prinzipien orientiert.

Aber es existiert noch eine engere Verbindung zwischen dem nordischen Wohlfahrtsmodells und der langsam voranschreitenden Revolution der internationalen Beziehungen in den letzten Jahrzehnten. Das skandinavische Modell basiert auf der Idee der Universalität und wendet sich gegen jede Differenzierung nach Klassen. Auf diese Weise löst es ein kollektives soziales Verantwortungsgefühl aus, das in starkem Kontrast zum klassischen angelsächsischen Individualismus steht. Diese Elemente fördern die Entwicklung einer neuen außenpolitischen Perspektive, die weniger auf nationale Interessen fixiert ist und stattdessen Gerechtigkeit und Gleichheit in den Vordergrund rückt. Nur die Förderung kollektiven Wohlstands kann individuellen Wohlstand garantieren – auf diesem Glauben basiert das Solidaritätskonzept des skandinavischen Modells und veranlasst diese Länder daher, die großzügigsten Geber in der Entwicklungshilfe zu sein.

Es gibt keine Wundermittel, um die Probleme der Welt zu lösen, und auch das skandinavische Sozialmodell selbst steht vor zahlreichen Herausforderungen. Dennoch stellt die Sozialpolitik von Ländern wie Norwegen, Dänemark und Schweden einen guten Ausgangspunkt dar, weshalb sie in bestimmten Bereichen auf globaler Ebene allmählich verwirklicht wird. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Prozess anhält und dass Europa in der Lage ist, sich an seine Spitze zu stellen.