Nordirland: Wo sich Sport und Politik nicht mischen

Artikel veröffentlicht am 21. Juni 2004
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Artikel veröffentlicht am 21. Juni 2004

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Fußball vereint die Fans hinter der Nationalmannschaft, im Streben nach dem gemeinsamen Sieg. Aber was, wenn eine Nation bereits geteilt ist? Kann der Fußball die Spaltung überwinden, oder macht es sein glühender Nationalismus nur noch schlimmer?

Nordirland - ein Ort, an dem alles politisch ist, von der Zeitung, die man liest, bis zum Pub, in dem man was trinkt, bis zur Fußballmannschaft, die man unterstützt. In diesem Zusammenhang bildet die Struktur des Alltagslebens zwei gegensätzliche Identitäten: katholisch/protestantisch, nationalistisch (für ein vereinigtes Irland ist)/unionistisch (für die Union mit Großbritannien).

Was sagt das aus über jemanden, der Fan des nordirischen Teams ist? Nun, für die unionistische Bevölkerung ist es eine Art, ihre Identität zu feiern, so wie jede Nationalmannschaft Stolz, Leidenschaft und Hoffnung einflösst. Nichtsdestotrotz machen bittere sektiererische Gesänge und eine feindliche Atmosphäre gegenüber den Katholiken Windsor Park (wo die Heimspiele stattfinden) zu einem Ort, den man lieber vermeiden sollte, wenn man kein extrem treuer Fußballfan ist.

Tatsächlich brauchen selbst die Spieler Nerven aus Stahl. So wie kürzlich 2003 ein katholischer Fussballer, der für Celtic (Schottland) spielte und von loyalistisch Paramilitärs Morddrohungen gegen ihn und seine Familie erhielt, als er für das nordirische Team ausgesucht worden war. Die Reaktion der IFA hielt sich in Grenzen, und der Spieler - Neil Lennon - spürte, dass er keine andere Wahl hatte, als sich vom internationalen Fussball zurückzuziehen, um sich selbst und seine Familie zu schützen, obwohl er gerade auf dem Höhepunkt seiner Karriere stand.

Wie üblich in Nordirland, wird das Hauptproblem von einem Nebel politischer Vorstellungen verschleiert - über Fußball reden bedeutet somit mehr als nur über Fußball zu reden. Für die Nationalisten bedeutet die Unterstützung der nordirischen Fußballmannschaft die Akzeptanz des nordirischen Staates, die Legitimisierung von Irlands Spaltung, und wird als ein Verrat dessen angesehen, was ihre wahre Loyalität gegenüber der Republik Irland sein sollte. Ist es bei diesem Hintergrund ein Wunder, dass Fußballspiele so große Bedeutung haben?

Rugby liegt vorn

Die Geschichte ist eine andere, wenn es um Rugby geht. Aufgrund geschichtlicher Entwicklungen ist die Irish Rugby Football Union (IRFU) eine Körperschaft der gesamten Insel, die ein einziges Nationalteam hervorbringt. Rugby war zunächst von Studenten der Universität Dublin (Trinity College) gespielt worden, die größtenteils der englischen Oberschicht entstammten. Seine Beliebtheit breitete sich aus und war ebenso erfolgreich im Nordosten des Landes wie im Südwesten. Obwohl es zu Beginn zwei Verbände gab, wurde 1879 ein Übereinkommen geschlossen, sich zur IRFU zu vereinigen. Um seinen Spieler und Fans die Situation der geteilten politischen Loyalität nach der Teilung 1921 zu erleichtern, werden bei Heimspielen zwei Hymnen gespielt - die Nationalhymne der Republik Irland und das allgemeinere "Ireland's Call".

Auf der anderen Seite kam Fußball mit den Briten nach Irland und war größtenteils in Ulster (Nordost-Provinz, ein Teil des heutigen Nordirland) konzentriert. Der führende Verband - der irische Fußballbund - hatte seinen Sitz in Belfast, aber der Rest des Landes spürte, dass diese Vereinigung nordischen, und besonders protestantischen Spielern gegenüber parteiisch war. Nach der Teilung 1921 wurde der Fußballbund des irischen Freistaates gegründet in der Absicht, dieses Ungleichgewicht auszumerzen. Deshalb hat Fußball in Irland immer am Verdacht der Politisierung gelitten.

Klassenkrise

Man kann auch sagen, dass er im Moment einen seiner größten Tiefpunkte erleidet. Ungeachtet der Morddrohungen an Spieler, haben diese kürzlich einen neuen Rekord in der Länge der Spielzeit ohne Tore aufgestellt, und Fragen über den Standard ihres Stadions (das kein Nationalstadion ist, sondern der heimische Boden eines örtlichen Fußballteams) kamen auf. Diese Krise hat tiefere Auswirkungen auf die unionistische Gemeinschaft, denn auch wenn Nordirland-Fans gemäß politischer Richtlinien klassifiziert werden können, so kann man sie auch nach Klassenlinien unterscheiden. Wie oben bereits angedeutet, war Rugby der Sport der Oberschicht, Fussball wurde als Phänomen der Arbeiterklasse angesehen. Die letzten Erfolge bestimmter Begebnungen - besonders die Weltmeisterschaft von 1982 - und bestimmter Einzelpersonen wie George Best, Pat Jennings und Norman Whiteside erlaubten einen gewissen geschichtlichen Stolz, zeigten aber auch schmerzvoll heutige Fehler auf. Dieses Gefühl von Misserfolg wird von den Erfolgen "nationalistischer" Sportarten wie dem gälischen Fußball noch verschlimmert, wenn auch in geringerem Ausmaß. Es gab einen großen Anstieg der Beliebtheit dieser Sportarten, zum Teil aufgrund eines erhöhten Vertrauens in die nationale Identität. Umgekehrt fühlt sich die unionistische Identität nun noch mehr bedroht.

Nationalistische Elemente hinter der Unterstützung von Fußball bedeutet, dass Fußball auf diesem Niveau Teilungen, die auf der nationalen Identität in einer Gesellschaft basieren, nicht überwinden wird. Er eignet sich besser als eine Technik zum Brückenbauen bei Rassentrennungen, so wie die "Kick out Racism"-Kampagne in Großbritannien. Nichtsdestotrotz sind in Nordirland Schritte zur Entwicklung von Sportprogrammen unternommen worden, die junge Leute aus beiden Gemeinschaften in den Versuch einbinden, das Sektierertum zu überwinden. Obwohl diese Maßnahmen zur Förderung von Verständnis und Zusammengehörigkeit Beifall verdienen, werden nationalpolitische Belange, solange sie ungelöst sind, ihre Polarisierung weiterhin de; Sport aufzwingen.