Nordirland: Der IRA-Terror geht weiter

Artikel veröffentlicht am 10. März 2009
Artikel veröffentlicht am 10. März 2009
Ein weiterer Terroranschlag erschüttert Nordirland. Am Montag wurde in Craigavon in der Nähe von Belfast ein Polizist erschossen. Zuvor waren bei einem Überfall auf eine Kaserne zwei britische Soldaten getötet worden. Zu den Anschlägen bekannten sich Splittergruppen der Irisch-Republikanischen Armee (IRA).

„In den letzten 30 Jahren nichts erreicht außer Blut und Tränen“ - The Irish Times, Irland

©eurotopicsMit dem zweiten Anschlag innerhalb von drei Tagen ist in Nordirland der Terror zurückgekehrt. Die Tageszeitung The Irish Times verdammt die Täter: "Die Herausforderung besteht vor allem darin, die irische Kultur von den letzten Überresten der heimlichen Hochachtung für die krude Ideologie [der Täter] und die mörderischen Methoden zu befreien, die daraus hervorgehen. Als Gegenleistung für den Friedensprozess und um die paramilitärischen Mörder nicht links liegen zu lassen, hat man die Annahme, dass die Gewalt letztlich gerechtfertigt war, nur zögerlich hinterfragt. Wir müssen einsehen, dass der Paramilitarismus in den vergangenen 30 Jahren nichts für das irische Volk erreicht hat außer Blut und Tränen. Er ist und bleibt eine Sackgasse. Diejenigen, die ihn wiederbeleben wollen, müssen von allen - egal welcher politischer Überzeugung - als das behandelt werden, was sie sind: Feinde der Demokratie, des Anstands und Irlands."

(Artikel vom 11.03.2009)

„Kühlen Kopf bewahren“ - Die Presse, Österreich

Mit den jüngsten Morden wollten die nordirischen Nationalisten die Spirale der Gewalt wieder in Gang setzen, schreibt die Tageszeitung Die Presse. "Es ist teuflisch, was die IRA-Renegaten da tun. Sie wollen kaum verheilte Wunden der nordirischen Gesellschaft wieder aufreißen, sie säen Zwietracht zwischen Protestanten und Katholiken, damit die beiden Gemeinschaften wieder aufeinander losgehen. Die heutigen Führer in Belfast kennen diese Absichten; umso eindringlicher sind ihre Appelle gerade an die Protestanten, sich durch die jüngsten Bluttaten ja nicht zu Racheaktionen anstacheln zu lassen. So banal das in einer nervösen Atmosphäre klingt, aber die nordirischen Politiker haben recht: Jetzt gilt es vor allem, einen kühlen Kopf zu bewahren. Nur das hilft gegen die mörderischen Absichten der IRA-Psychopathen - und natürlich akribische Polizeiarbeit."

(Artikel vom 11.03.2009)

„Zusammenbruch des Finanzkapitalismus radikalisiert verschiedene extremistische Gruppen“ - Kainuun Sanomat, Finnland

Am Wiederaufflammen der Gewalt in Nordirland sei auch die Wirtschaftskrise schuld, meint die Tageszeitung Kainuun Sanomat: "Während der Zeit des Friedensprozesses in Nordirland hat sich, bis die Finanzkrise hereinbrach, die Wirtschaft stark entwickelt. Die Immobilienpreise sind im letzten Jahr mindestens um ein Drittel gefallen. Das bringt die Kreditnehmer in Bedrängnis. Auch die Arbeitslosigkeit ist in der Tendenz stark steigend. [...] Der Zusammenbruch des Finanzkapitalismus radikalisiert verschiedene extremistische Gruppen. Die Wall Street und die unverantwortlichen Bänker der Londoner City sind schuld an der schrecklichen Katastrophe, an Arbeitslosigkeit und Not in der ganzen Welt. Marxistisch-anarchistische Ideen und Ideen des bewaffneten Widerstandes sind in Europa jetzt gefragter als im vergangenen Jahrzehnt. Die Sicherheitsbehörden sollten wachsam sein - nicht nur in Nordirland."

(Artikel vom 11.03.2009)

„Weiterhin politische Zusammenarbeit in Belfast“ - NRC Handelsblad, Niederlande

Nach den jüngsten Anschlägen in Nordirland scheint sich die Geschichte des Terrorismus zu wiederholen, schreibt die Tageszeitung NRC Handelsblad: "Die Breite der Koalition bedeutet nicht, dass die Vergangenheit vergessen ist. Die Spannungen zwischen Katholiken und Protestanten, die manchmal auch mit dem Unterschied zwischen arm und reich zusammenfallen, sind nicht aufgehoben. Viele Generationen haben vor allem die Polizei immer entweder als Freund oder als Feind angesehen. Jahrzehntelang konnte beinahe jede Verhaftung als politische Tat betrachtet werden, auch wenn [nur] normale Kriminalität im Spiel war. [...] In diesem Klima konnte sich die Real IRA ['Wahre IRA'] im vergangen Jahrzehnt halten. [...] Nach Angaben der Behörden sind die Täter beider Anschläge Desperados. Aber das heißt nicht, dass sie nur eine Sache der Polizei und Justiz sind. Die Gefahr ist nicht gewichen. Gruppen wie die Real IRA können nur isoliert werden, wenn die politische Zusammenarbeit in Belfast weitergeht."

(Artikel vom 11.03.2009)