No more page Three: Brüste raus, sexuelle Gleichstellung rein

Artikel veröffentlicht am 28. März 2014
Artikel veröffentlicht am 28. März 2014

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The Sun ist die meist­ge­le­se­ne Zei­tung Groß­bri­tan­ni­ens. Seit 1970 be­her­bergt Seite 3 ein weib­li­ches Oben-oh­ne-Mo­del. Das Fea­ture  wurde schon als ob­jek­ti­vie­rend, frau­en­feind­lich und schä­di­gend für die männ­li­che Wahr­neh­mung von Frau­en, und auch für das weib­li­che Selbst­bild, be­trach­tet.

Schließ­lich hatte die Ge­sell­schaft genug. Die "No More Page"- Pe­ti­ti­on hat schon 184 000 Un­ter­schrif­ten ge­sam­melt. Cafébabel hat mit Ceris Aston, der Grün­de­rin von NMP3 Edin­burgh ge­spro­chen.

Cafébabel: Warum denkst du, dass es wich­tig ist Seite 3 ab­zu­schaf­fen?

Ceris Aston: Es gibt ei­ni­ge gute Grün­de. Einer der mich wirk­lich stört ist, dass viele Leute den­ken es sei tri­vi­al. Sie fra­gen: „ Wenn du dich als Fe­mi­nis­tin auf Kam­pa­gnen kon­zen­trierst, warum dann auf diese? Gibt es keine wich­ti­ge­ren Dinge, um die man sich sor­gen muss?“ Die Tat­sa­che, dass die Leute die Sache als so be­lang­los an­se­hen, zeigt wie weit ver­brei­tet,  aber auch wie schä­di­gend sie ist In der am meis­ten ge­le­se­nen Zei­tung Groß­bri­tan­ni­ens (12,4 Mio. Men­schen lesen jede Woche die Print­aus­ga­be, Red.) wer­den Frau­en als Ob­jek­te mit gro­ßen Brüs­ten dar­ge­stellt wo­hin­ge­gen Män­ner agie­ren kön­nen: Män­ner kön­nen die Welt ver­än­dern und Frau­en ste­hen bloß bar­bu­sig da­ne­ben- eine grau­si­ge Aus­sa­ge.  Die Tat­sa­che, dass so viele Men­schen den­ken, dass es nicht so wich­tig ist, lässt mich die Kam­pa­gne umso mehr durch­füh­ren wol­len- um her­vor­zu­he­ben warum diese Dinge ausschlaggebend sind. 

Ich habe mit so vie­len Frau­en ge­spro­chen, die sagen „ich habe so un­ge­fähr meine ge­sam­ten Teen­ager­jah­re damit ver­bracht mich un­wohl zu füh­len, weil ir­gend­wel­che Typen mich mit den Bil­dern auf Seite 3 ver­gli­chen. Sie waren der Mei­nung, es wäre in Ord­nung zu be­wer­ten wie gut je­man­des Tit­ten seien.“ Ihr Einfluss war wirklich herabwürdigend. Wenn Seite 3 ein Sym­bol für den Se­xis­mus in un­se­rer Ge­sell­schaft ist, dann könn­te sie zu ver­än­dern ein Zei­chen dafür sein, dass sich die Ge­sell­schaft wan­delt.

Cafébabel: Denkst du, dass Seite 3 ein Re­likt einer ver­gan­ge­nen Zeit ist, in der Se­xis­mus weit ver­brei­tet und tief ver­wur­zelt war?

Ceris: Ja, er kommt aus einer Zeit, in der es als in Ordnung an­ge­se­hen wurde offen se­xis­tisch zu sein. Heut­zu­ta­ge sagen die Mi­so­gy­nis­ten „Och, jetzt gibt es diese se­xu­el­le Be­läs­ti­gung- frü­her dach­ten die Leute es sei ein Kom­pli­ment, wenn man sie in den Hin­tern zwick­te oder auf der Ar­beit ‚wun­der­schön‘ nann­te.“

Cafébabel: Denkst du sie schafft ein Schön­heits­ide­al von Frau­en, das nicht rea­lis­tisch ist und so Frau­en, ins­be­son­de­re junge Mäd­chen, unter Druck setzt? Könn­te das mit der heu­ti­gen Ver­brei­tung von Ess­stö­run­gen in der Ge­sell­schaft in Ver­bin­dung ste­hen?

Ceris: Ich denke schon. Eines der Ar­gu­men­te der Sun zur Ver­tei­di­gung von Seite 3 ist, dass es eine „Ze­le­brie­rung weib­li­cher Schön­heit“ ist. Aber das ist sie nicht. Sie fei­ert nur eine recht klei­ne Grup­pe von Frau­en, ich denke so 18- 22 Jahre alt, die große Brüs­te haben, größ­ten­teils weiß und mager sind und Fi­gu­ren haben, die die meis­ten Frau­en nicht haben.  Ich denke, das ist un­glaub­lich schä­di­gend fürs Selbst­be­wusst­sein.

Für viele her­an­wach­sen­de Mäd­chen gibt es da diese Er­war­tungs­hal­tung sei­tens der Ge­sell­schaft, dass eine Frau und ihre Rolle fol­gen­der­ma­ßen aus­se­hen soll­ten: at­trak­tiv  und se­xu­ell ver­füg­bar sein.  Das ist das Bild, das Seite 3 schafft. Es ist ex­trem ob­jek­ti­vie­rend.

Kei­ner der Grün­de, die die Sun vor­brach­te, um sie bei­zu­be­hal­ten, sind in ir­gend­ei­ner Art und Weise re­le­vant - „ein biss­chen kes­ser Spaß“- aber es ist kein Spaß. The Sun ist eine Fa­mi­li­en­zei­tung- etwas womit die Leute auf­wach­sen. Ob deine El­tern sie kau­fen oder nicht, es gibt sie noch immer. Ich denke nicht, dass das Ar­gu­ment „ wenn du es nicht magst, kauf es nicht“ hier über­haupt gilt.

Cafébabel: Gibt es An­zei­chen dafür, dass die Ver­le­ger und Be­sit­zer der Sun zu­hö­ren?

Ceris: Ru­pert Mur­doch hat auf den Tweet eines An­hän­gers ge­ant­wor­tet „Seite 3 ist sowas von letz­tes Jahr­hun­dert“. Au­ßer­dem sagte er „ viel­leicht haben Sie Recht- wir den­ken über eine Art Mit­tel­weg nach, mit gla­mou­rö­sen Fa­shio­nis­tas“: Nun...​sie schen­ken der Kam­pa­gne Auf­merk­sam­keit. Ich bin nicht si­cher, dass dies wirk­lich das ist, was wir als Ideallö­sung an­stre­ben, aber wir wer­den ge­hört. 

The Sun or­ga­ni­siert Check ‘em Tu­es­days in Zu­sam­men­ar­beit mit der Cop­pa­feel Cam­pai­gn, um junge Frau­en dazu zu brin­gen ihre ei­ge­nen Brüs­te auf frühe An­zei­chen von Brust­krebs hin zu un­ter­su­chen. Die Leute spe­ku­lie­ren, dass The Sun dies tut, weil sie Seite 3 aufgrund der vielen negativen öffentlichen Aufmerksamkeit als etwas po­ten­zi­ell Po­si­ti­ves neu ge­stal­ten müs­sen. Cop­pa­feel ist eine groß­ar­ti­ge Kam­pa­gne. Ich denke den­noch, dass es trau­rig ist, dass die Sun nur dar­auf kam eine ju­gend­li­che, halb­nack­te Frau in einer se­xua­li­sier­ten Pose ab­zu­bil­den, um auf Brust­krebs und Früh­er­ken­nung auf­merk­sam zu ma­chen. Es ist ein Fei­ern der Brüs­te, die Brust­krebs­pa­ti­en­tinnen nicht un­be­dingt haben. Dies setzt Be­gehrlichkeit und Weib­lich­keit mit „per­fek­ten“ Brüs­ten gleich.

Cafébabel: Wie läuft die Kam­pa­gne be­züg­lich der Zah­len, re­le­van­ter Er­fol­ge...?

Ceris: Über 100 MPs haben un­ter­schrie­ben, wir er­hal­ten Un­ter­stüt­zung von MPs, MSPs, und Mit­glie­dern der Welsh As­sem­bly, ei­ni­gen be­rühm­ten Per­sön­lich­kei­ten, sogar Rus­sell Brand un­ter­stüt­zte vor Kur­zem die Kam­pa­gne.

No More Page 3 hat das Chel­ten­ham Frau­en­fuß­ball­team ge­spon­sert, was so­wohl auf die Kam­pa­gne als auch auf Frau­en­sport auf­merk­sam macht, wel­cher nicht genug ge­wür­digt wird. 

Cafébabel: Was denkst du sind die heim­tü­ckischs­ten Aus­prä­gun­gen von Se­xis­mus, ab­ge­se­hen von Seite 3?

Ceris: Auf je­man­des Ge­schlecht hin­wei­sen, weil es über­rascht. Ins­be­son­de­re im Sport hört man oft „un­glaub­lich, dass es eine Frau war, die das ge­schafft hat“. 

Erst neu­lich habe ich eine Liste ge­se­hen, in der die Treu­hän­der einer gro­ßen Or­ga­ni­sa­ti­on auf­ge­führt wa­ren- dass nur eine von ihnen eine Frau war, ist bezeichnend.  Aber das ist un­er­heb­lich. Wie oft ist das Ge­schlecht nicht von Be­deu­tung, aber wenn es über­ra­schend scheint, ma­chen es die Leute zum Thema. Wenn es noch immer über­rascht, dass Frau­en Macht­po­si­tio­nen über­neh­men, dann haben wir noch einen lan­gen Weg vor uns.

No More Page 3 Ge­dicht von Sab­rina Mah­fouz

Cafébabel: Lu­cy-Ann Hol­mes hat ge­sagt, sie hätte chance.​org nut­zend die Kam­pa­gne auf gut Glück ge­star­tet- sie hat sich ein­fach ent­schie­den eine Pe­ti­ti­on zu in­iti­ie­ren, und war dann er­staunt, als sie tat­säch­lich Fahrt auf­nahm. Denkst du das In­ter­net hat eine wich­ti­ge Rolle zu spie­len, wenn es darum geht die Ge­sell­schaft zu be­fä­hi­gen Dinge zu än­dern und In­sti­tu­tio­nen ein­zu­rich­ten, und den Leu­ten so zu zei­gen, dass die Dinge nicht immer so sein müs­sen wie sie waren?

Ceris: Das In­ter­net ist eine selt­sa­me­ Sa­che, denn es kann uns Macht ver­schaf­fe, uns aber auch ge­nau­so ent­mach­ten. Es ist eine de­mo­kra­ti­sie­ren­de Kraft, denn zum Bei­spiel auf Twit­ter ist es egal wer man ist, es ist nur wich­tig, dass man ge­hört wird- und das ist mög­lich.

Das In­ter­net hat viel Po­ten­ti­al. Es ist ein Weg, Leute, denen das­sel­be Pro­blem wich­tig ist, zu­sam­men­zu­brin­gen.  Ich weiß nicht, wie diese Kam­pa­gne ohne die so­ci­al media rea­li­siert wor­den wäre. 

Na­tür­lich läuft man immer auch in Ge­fahr von einer Menge Bil­der von Kat­zen ab­ge­lenkt zu wer­den. 

Cafébabel: Es scheint für die Leute er­mu­ti­gend zu sein, dass sie auf der No More Page 3 Home­page ihre Ge­schich­te er­zäh­len kön­nen und sehen, dass an­de­re die­sel­ben Sa­chen er­lebt haben. Die Leute werden we­ni­ger mit ihren Er­leb­nis­sen al­lein ge­las­sen.

Ceris: Genau. Die Kam­pa­gne gibt den Leu­ten Kraft, die sich damit lange un­wohl ge­fühlt haben, die noch nicht ein­mal dach­ten „ich kann es nicht än­dern“, da es ihnen nicht ein­mal  in den Kopf kam dies zu än­dern.

Aber wenn dann je­mand auf­steht und sagt „ei­gent­lich hat dies kei­nen Platz in einer Zei­tung, das sind keine Nach­rich­ten, das ist eine junge Frau, die ihre Brüs­te ent­blößt, um Män­ner an­zu­re­gen- das sind keine Nach­rich­ten“, dann stimmt plötz­lich jeder damit über­ein. „Du hast Recht, das hat mich so lange be­ein­flusst, es hat Ein­fluss dar­auf ge­nom­men, wie ich mich heute sehe, wie Män­ner mich sehen, das mag ich nicht.“ Es ist wun­der­bar, wenn das pas­siert.

Un­ter­schreibt die Pe­ti­ti­on.

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