Nimmst du mich mit?

Artikel veröffentlicht am 5. Oktober 2011
Artikel veröffentlicht am 5. Oktober 2011
Cau Napoli / Flickr Unglaublich, wie sich die Welt verändert hat. Trampen, Reisen per Anhalter, so wie man es aus älteren Filmen und Reisen auf Autobahnen kannte, scheint Vergangenheit. Heutzutage wartet man nicht mehr stundenlang, mit einem Schild auf dem das Reiseziel steht, in der Mittagssonne schwitzend, an der Autobahnraststelle.
Modernes Trampen ist viel bequemer und zur gleichen Zeit hilft es das Reisen in privaten Autos zu optimieren und Ressourcen und Umwelt zu schonen.

Verschiedene Internetseiten und eine neue Anwendung von iPhone ermöglichen „Carpooling“, die neue Art zu reisen. Angebote suchend und Gesuche für Mitfahrgelegenheiten aufgebend, kann man Mitfahrgelegenheiten sowohl für Spanien, als auch für Europa mit der Internetverbindung an Rechner oder über das Mobiltelefon, planen. Beispielsweise auf der Internetseite „Conduzco.es“, was soviel heißt wie „Ich fahre.... findet man nicht nur Angebote und Gesuche für Spanien, sondern auch für acht weitere europäische Länder: Großbritannien, Österreich, Deutschland, Schweiz, Polen, Italien, Griechenland und Frankreich. Mit 3,4 Mio. registrierten Nutzern in Spanien und 33 Mio. registrierten Nutzern in allen neun Ländern ist die Zahl der annoncierten Angebote und Gesuche groß. Mann kann sagen, dass sich in ganz Europa eine Tendenz zum Carpooling entwickelt. Aber in Spanien scheint es noch keine alltägliche Art des Reisens zu sein. Lucie, 27 aus Barcelona, hat beispielsweise schon einmal von dieser Möglichkeit zu reisen gehört, jedoch selbst noch keine Erfahrungen damit gemacht: „In Wirklichkeit weiß ich überhaupt nichts darüber. Ein Freund hat mir erzählt, dass er das einmal gemacht hat. ”

trafico.jpg Mitfahrgelegenheiten haben Vor- und Nachteile. So wie alles! In Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise kann man, mit einer Mitfahrgelegenheit reisend, Geld sparen. Des Weiteren vermeidet man die öffentlichen Verkehrsmittel, deren Preise in den letzten Jahren quasi explodiert sind, und das eigene Auto zuhause stehen

Luis JouJR / Flickr

lassend, verbraucht man außerdem weniger Benzin (auch dieses ist nicht billiger geworden). Nicht zu vergessen die Mautgebühren in Katalonien und im Baskenland, die man letztlich teilen kann. Und zur gleichen Zeit tut man damit noch etwas Gutes für die Umwelt, weil man weniger CO2 ausstößt und weniger Ressourcen verbraucht. Pau, 37 aus Girona, glaubt, dass die Unternehmer Mitarbeiter, die Fahrgemeinschaften organisieren um zur Arbeit zu kommen, belohnen sollten. Außerdem hat er viel Hoffnung, dass eines Tages allen die Idee des Carpoolings gefallen wird: „Es gibt immer Leute, denen dieses Konzept nicht gefällt, weil sie die Leute im Auto nicht kennen, aus Bequemheit oder weil sie die Probleme, die auch sie betreffen, einfach ignorieren. Wenn diese Leute sehen würden, dass alle anderen es Carpooling machen und alles viel besser wäre, würden sie es vielleicht besser verstehen und möglicherweise ihre Meinung ändern und es auch machen.“ Weitere Vorteile des Carpoolings anvisierend, kann man hervorheben, dass weniger Autos auf den Straßen gleichzeitig eine Entlastung für diese und auch eine Reduzierung des Verkehrslärms bedeuten. Die Diskussionen über die Smogproduktion berücksichtigend, vorwiegend in Ballungsräumen, die durch die Einführung einer niedrigeren Geschwindigkeitsbeschränkung in ganz Spanien reduziert werden soll, könnte auch die Reduzierung der Anzahl von Autos auf den Straßen eine Schlüsselrolle für dieses Ziel spielen. Iván, 34 aus Barcelona, kennt diese Vorteile auch und meint: „Ich glaube, es ist eine gute Idee, um das Reisen im privaten Auto zu optimieren und dass die Leute, die die Möglichkeit haben das zu machen, es machen sollten. Bezüglich der Sicherheit sehe ich gar keine Probleme, da die minimale Kfz-Haftpflichtversicherung die reisenden Insassen eines Fahrzeuges mit abdeckt.“

Die minimale Kfz-Haftpflichtversicherung deckt die Insassen des Fahrzeuges mit ab in Spanien, aber die Tatsache, dass der Eigentümer für den Transportservice bezahlt wird, kann im Ernstfall rechtliche Probleme hervorrufen. Dies ist zweifellos ein Nachteil des Carpoolings. Außerdem weiß man nie, ob der Fahrer sicher fährt und ob sein Auto uneingeschränkt funktionstüchtig ist. Einige Internetseiten bieten mittlerweile eine Bewertungsoption für die Fahrer an. Diese könnte eine gute Möglichkeit sein, um Zweifel hinsichtlich dieses Aspektes zu beseitigen und sich im Vorfeld über den Fahrer zu informieren. Fahrer und Mitfahrer können außerdem entscheiden, ob sie mit einem Mann oder ein Frau reisen wollen und ob sie einen Raucher oder einen Nicht-Raucher bevorzugen.

carpool.jpg Für diejenigen die trotzdem noch Zweifel am Carpooling haben, gibt es bereits eine weitere Alternative günstiger zu reisen und Umwelt und Ressourcen zu schonen – das so genannte Carsharing. In mehreren deutschen Großstädten gibt es diese Möglichkeit schon. Wie funktioniert das Carsharing? Für einen niedrigen Preis kann man jederzeit ein Auto, für ein paar Stunden oder ein paar Tage, mieten, wenn man Mitglied in einem Carsharing-Unternehmen ist. Als Mitglied zahlt man, je nach Tarif, einen monatlichen Beitrag oder keinen. Nachdem man das Auto via Internet oder Telefon reserviert hat, holt man es in einer der Stationen des Unternehmens ab (und später gibt man es in der bevorzugten Station ab). Je nach Anbieter zahlt man die gemieteten Stunden, eine Kilometerpauschale und die Benzinkosten. Bei einigen Anbieter sind die Benzinkosten sogar inklusive. Laut eines Carsharing-Unternehmens lohnt sich Carsharing vor allem für Personen, die sehr wenig Auto fahren (weniger als 12.000km/Jahr).

Es scheint viele Argumente gegen den Besitz eines eigenen Autos zu geben. Für Personen die das Auto wirklich wenig nutzen, um sich fortzubewegen, sind Carpooling und Carsharing Alternativen, die eine Überlegung wert sind. In ganz Europa gibt es bereits eine klare Tendenz für ihre Nutzung.

Mit ihnen spart man die Kfz-Steuern, es entstehen einem keine Extrakosten für die Instandhaltung des Autos oder Reparaturkosten und außerdem muss man sich nicht mit der stundenlangen Parkplatzsuche herumärgern, um das Auto schlussendlich in einem der unbezahlbaren Parkhäuser unterzubringen.

Einige Internetseiten für die Suche von Mitfahrgelegenheiten in Spanien:

amovens.com, comuto.es, compartir.org, viajamosjuntos.com, compartocoche.com, comparteviaje.es.

Jasmin Klötzing

Flickr: Cau Napoli // Luis JouJR // London Permaculture''