Neukölln Unlimited erhält den Gläsernen Bär

Artikel veröffentlicht am 19. Februar 2010
Artikel veröffentlicht am 19. Februar 2010
Die Jury der Generation-Sektion des Festival hat den Gläsernen Bär an den Doku-Film Neukölln Unlimited vergeben: Ein Zeichen gesellschaftlichen Engagements. Die Geschwister Akkouch, Lial (19), Hassan (18) und Maradona (14), leben seit ihrer Kindheit in Neukölln. Weil sie kein festes Aufenthaltstatus besitzen, droht ihnen und ihr Familie ständig die Abschiebung in den Libanon.
Dies geschah bereits einmal als die Geschwister noch jung waren: eine Erfahrung die für sie zumteil traumatische Konsequenzen hatte. Es gelang der Familie erneut Deutschland und Neukölln zu erreichen, aber ohne sichere Aufenthaltsgenehmigung. Die Abschiebung drohte weiterhin. Falls die Geschwister beweisen, dass sie ausreichend zum finanziellen Unterhalt der Familie beitragen können, dann könnten sie diese Gefahr überwinden, indem die Behörde ihre Lage verbessert. Dafür setzen sich die Geschwister ein. Mithilfe ihres Musik- und Tanztalents wollen sie es schaffen, aber es gelingt ihnen unterschiedlich was zu Spannungen innerhalb der Familie führt.

Derjenige der ein Beispiel von kafkaischen Situationen sucht, das die Komplexität der deutschen Ausländerpolitik verursacht, sollte sich Neukölln Unlimited anschauen. Es gelingt den Regisseuren die harte Realität hinter den Abschiebungsstatistiken deutlich zu machen. Lial wird als eine selbstbewusste junge Frau dargestellt, die sich für ihre Zukunft einsetzt, eine Ausbildung macht, arbeitet und dazu noch mit ihrer Band musikalisch tätig ist. Weit entfernt von den Klischees, die manchen Berliner Politiker gern verbreiten (Stichwort Sarrazin). Ihr Bruder Hassan ist als Sozialarbeiter tätig und treibt eine erfolgreiche Tanzkarriere in Berlin und Paris. Seit sein Vater nicht mehr in der Familie lebt, will er die Rolle des Familienchefs übernehmen. Maradona hat seinerseits mehr Schwierigkeiten, bei ihm klappt es mit der Schule nicht, wiederholt wird er von der Schule suspendiert. Hassan rückt diesen Bruch Maradonas mit den Regeln, mit der Gesellschaft, auf die erste Abschiebung zurück: Maradona war 9 als er an seinen Geburtstag morgen früh von der Polizei festgenommen wurde, um in den Libanon abgeschoben zu werden. Immerhin nimmt er später sogar an Deutschland such den neuen Superstar teil.

Diese Jugendliche, die normalerweise an Schule, Freunde, Freundinnen, Träume, Reisen denken sollten, werden unter Druck gesetzt, um ihre unmittelbare Zukunft zu sichern. Der bewusste Hassan meint an seinen Bruder Maradona, dass er sich stets vorbildlich verhalten soll, sonst werden die Klischees über die Araber bedient. Die Ausländer sollen Beispiel geben. Aber Ausländer sind sie nicht mehr, den Libanon kennen sie nicht. Hassan: „Man muss erstmal verstehen, dass man kein Ausländer ist, sondern ein Deutscher. Dann wird die Integration ganz einfach, weil du sagst, das ist mein Land.“ Aus diesem schwierigen Alltag kommt das Bewusstsein, die Ehrlichkeit, die Realitätsnähe. Aber Kinder durften sie einfach nicht bleiben. Die Kindheit ging bei ihnen sehr früh verloren gegangen.

Dies sind die Folge der Politik, wenn sie populistische Maßnahmen ergreift, um ein Teil der Bevölkerung zu beruhigen. Wenn die Politik noch mit den „Gastarbeiter“-Schubladen der 60er arbeitet. Der Mentalitätswechsel, der in den größten Teilen der Bevölkerung angekommen ist, scheint die Politik noch nicht erreicht zu haben. Welche Gefahr können diese Jugendliche für die „Mehrheitsgesellschaft“ darstellen?

Mit dieser Entscheidung setzt die Generation-Jury ein schönes Zeichen für mehr Toleranz und Verständigung. Hoffentlich wird dies dazu führen, dass die Politik entsprechend handelt.

Beziehungen zwischen den Religionen, Einwanderung, Integration, diese Themen sind Hauptthemen dieser Berlinale gewesen.