Neuer Kurs in der globalen Petro-Politik?

Artikel veröffentlicht am 14. März 2005
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Artikel veröffentlicht am 14. März 2005

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Das „schwarze Gold“ ist eines der Hauptelemente der internationalen Beziehungen.

Ohne Energieversorgung stehen die Fabriken still, der Transport kommt zum erliegen und die Computer an der Wall Street hören auf, Börsenkurse auszuspucken. Ohne Energie ist die heutige Gesellschaft nichts. Und wenn man bedenkt dass heute Erdöl 43% des weltweiten Energiekonsums ausmacht – 52% in den Industrienationen der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) - dann ist auch zu verstehen dass die Erdölversorgung im Blickpunkt der westlichen Politik und Wirtschaft steht.

Geht das Erdöl zu Ende?

Nach den Episoden von 1973 und 1979 spricht man immer mal wieder über eine nächste weltweite Energiekrise, die ihren Ursprung im Ölmangel hätte. Die 70-er lie?en im Westen die Alarmglocken läuten, weil ein doppeltes Risiko von der Überabhängigkeit von Erdöl ausging: Eine eingeschränkte und nicht erneuerbare Ernergiequelle, und die Konzentration der Produktion in ein paar wenigen Ländern, die das Angebot von verschiedenen Foren aus, wie z.B. der OPEC, auf gefährliche Weise drosseln könnten.

Neben den Notma?nahmen, die damals getroffen wurden, wie z.B. die Schaffung der US-amerikanischen „Strategic Petroleum Reserve“ oder der Internationalen Energieagentur (International Energy Agency, IEA), hat man während der letzten drei Jahrzenten neue Ölfelder und Wege gefunden, Felder, deren wirtschaftliche Nutzung bislang unrentabel war, rentable zu machen und gleichzeitig auch die Ertragsleistung in Raffination und Wiedergewinnung zu steigern. Zurückhaltender jedoch ist der Fortschritt in anderen Feldern wie der Verbrauchsreduzierung oder der Entwicklung von erneuerbaren und weniger schädlichen Energien. Doch im Allgemeinen kann man sagen, dass die malthusianischen Perspektiven, die der Club von Rom seit 30 Jahren vertritt, optimistischeren Interpretationen gewichen sind.

Ganz andere Fragen sind jedoch der Zugriff auf diese Produktion und Befürchtungen, die steigende Nachfragen durch die asiatischen Wirtschaften hervorrufen. Hier kommt die Geopolitik ins Spiel.

In Bezug auf die Nachfrage, die in den nächsten 25 Jahren um 60% wachsen wird, ist China jetzt schon der zweite weltweite Rohölverbraucher. Der indische Verbrauch, wird in den nächsten acht Jahren um 50% wachsen, was auf die Reformen in der Energiebranche, die Neu-Delhi in den 90ern durchführte, zurückzuführen ist. Dieser Anstieg der Nachfrage scheint den Reservevorhersagen nicht in bedeutender Weise zu schaden, aber er wird zweifellos dazu beitragen, dass die Preise ihren hohen Kurs in den nächsten Jahren beibehalten werden. Allein die Tatsache, dass die zwei neuen Giganten den grö?ten Erdöl-Anteil der OPEC bekommen, trägt dazu bei, dass sich die westliche Wirtschaft sich um neue Versorgungsquellen bemüht, die es ihr erlauben, die gro?e Abhängigkeit von dieser Organisation abzubauen.

Während der letzten Jahre haben sich der Golf von Guinea, die sibirischen Vorkommen und das Kaspische Meer in Liste der wichtigsten Regionen der Erdöl-Geopolitik gemausert. Die milliardenschweren Investitionen von Chevron –Téxaco in Kasachstan oder Shell in Nigeria - dem einzigen afrikanischen OPEC-Staat - sind deutliche Indizien für die Nutzung der Vorkommen in diesen Ländern, ganz zu schweigen von Proyekten wie z.B. der Tschad-Kamerun Pipeline, oder der kürzlichen Auseinandersetzung zwischen Tokyo und Peking um die Planung einer Ölleitung von Sibirien bis an das japanische Meer.

Europa ist schwerst abhängig

Auch wenn die EU als Teil Ihrer Strategie den Import zu diversifizieren, ihre Präsenz in diesen neuen Regionen erhöht hat, scheint die Abhängigkeit von der OPEC in den nächsten Jahren nicht abzunehmen. Europa importiert heutzutage fast 80% des Erdöls, das es verbraucht, 45% davon stammt von der OPEC. Festere wirtschaftliche Bindungen mit Ru?land können dazu beitragen, das Gewicht dieses Landes in der Erdölzufuhr der 25 Mitgliedsstaaten zu steigern – von der zunehmenden europäischen Präsenz in Zentralasien und im Kaukasus ganz zu schweigen. Dennoch zeigen Studien an, dass das kaspische Becken nicht der neue persische Golf ist, den so viele Mitte der 90er erhofft hatten. Die Wirklichkeit zeigt, dass die Produktion dieser Region in 2010 nicht mehr als 4,7 Millionen Barrel täglich betragen wird, nicht einmal die Hälfte der heutigen saudi-arabischen Produktion.

In Westafrika liegt die europäische nur bei 25%. Man darf nicht vergessen, dass die gemeinsame Produktion von Nigeria, Kongo, Gabon, Kamerun und Äquatorial-Guinea zusammen an die 4,5 Millionen Barrel ergeben, und dass die nordamerikanischen Ölhändler den europäischen Unternehmen voraus sind. Da man erwartet, dass sich das Gewicht der OPEC bis 2025 in der gesamten weltweiten Ölproduktion um 10% steigert, ist zu erwarten, dass der persische Golf in den nächsten Jahren neue Nachrichten bringen wird. Mit Erdöl spielt man nicht.