Neue Medien für ein neues Europa

Artikel veröffentlicht am 22. März 2004
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Artikel veröffentlicht am 22. März 2004

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Stellt euch ein europäisches Medium vor, das gleichermassen über Brüssel und Rom, Paris und Warschau berichtet. Das Internet, und café babel, können im Zentrum dieser Herausvorderung stehen.

“Wahrlich europäische Nachrichten werden momentan noch eher beiläufig produziert “, so Alain Chanel, Leiter der Journalistenschule der Robert Schuman Universität in Straßburg. Aber stellt euch vor, wie ein wirklich europäisches Kommunikationsmedium aussehen könnte: Das Feuilleton würde über die neuste Oper in Paris oder Warschaus angesagteste Galerien berichten, es wäre wie Le Monde oder El Pais, aber das Fled wäre nicht Frankreich oder Spanien, sondern Europa . Dies ist eine Herausforderung, die angenommen werden sollte.

Europäische Nachrichten existieren doch

Europa fehlt es nicht an geistreicher Berichterstattung. In Frankreich berichtet ein engagiertes Team des lokalen Fernsehrsenders France 3 von Straßburg aus über Europa. Le Monde unterstützt die Europaberichterstattung mit ca. sechs Reportern. Der Nachrichtenkabelsender EuroNews strahlt Sendungen in sieben Sprachen aus und innnerhalb bestimmter Märkte übertrifft er sogar regelmässig, wenn auch nicht gewinnbringend, die Schwergewichtler wie BBC World oder CNN. Arte, der französich-deutsche Sender, ist in sich schon eine europäisches Programm. Wöchentliche Sendungen wie das Forum der Europäer diskutieren Themen und Tendenzen, die Europas 360 Millionen Einwohner betreffen. “Diese zwei Sender“, erklärt Marco Schütz, Internetredakteur der französischen Wochenzeitung Le Courrier International, “demonstriert den ersichtlichen Willen, über nationale Belange hinauszugehen.“

Noch vor der allgemeinen Presse, war die Wirtschaftspresse die erste, die es verstanden hat, über Europas finanzielle (und kulturelle) Integration zu berichten. Heute füllt die Financial Times ihre zwei ersten Seiten regelmäßig mit europabezogenen Themen. “Unbehagen über Reformtempo in neuen EU-Staaten“, “Weniger Reden, mehr Aktionen für EU-Wettbewerb“ waren einige beispielhafte Schlagzeilen kürzlich behandelter Themen. Die Europa-Berichterstattung des Wall Street Journal bleibt, obwohl mit Sitz in Brüssel, hinter der der Financal Times zurück. Dessen Seiten sind mit Auszügen aus der Washington Post oder des Dow Jones Nachrichtendienstesgefüllt. Aber kürzliche Berichte über den Parmalat-Skandal und die angespannten Beziehungen zwischen Roms wachsender chinesischer Gemeinschaft und der Stadtverwaltung, gaben einen erfrischenden Eindruck einer Zeitung, deren Berichterstattung im allgemeinen distanziert und zu euroskeptisch ist.

Alte Gewohnheiten und neue Traditionen

Trotz alledem “gibt es ein Informationsdefizit“ wenn es um Europa geht, so Georges Gros, ehemaliger Journalist und jetziger Generalsekretär das internationalen Verbands der frankophonen Presse in Paris. Er vertritt die Auffassung, daß auch neue Medien im nationale Kontext verharren. Ihre Berichterstattung beschränkt sich zumeist darauf, den Einfluß Europas auf das eigene Land auszuloten. Der Focus auf überflüssige Themen wie “Sich verselbständigende Defizite in Frankreich“ oder verärgerte Bauern und schwindende Subventionen fördeert nach Gros einen aggressiven Ton gegenüber Europa. Dies geschieht oft auf Kosten der hervoragenden politischen und kulturellen Entwicklung, die die EU ebenfalls darstellt.

Wohin geht der Weg?

Die Medien könnten helfen, ein europäisches Bewußtsein zu festigen. Tut man dies, so “sollte man der alten journalistische Regel der Nähe treu bleiben“, so Alain Chanel. Wenn Artes Forum der Europäer eine ganze Sendung dem Leben von Singles in Europa widmet, so zeichnet es das Bild einer geteilten, europäischen Wirklichkeit und hebt sowohl Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten hervor. So wird eine Form von Nähe erzeugt.

Jenseits überzeugenderGeschichten und reißender Schlagzeilen steht die Sprache im Zentrum aller Bestrebungen um ein europaweites Kommunikationsmedium. Welche Sprache oder Sprachen sollten europäische Medien nutzen? Englisch? Oder sollten sie ebenso französich, spanisch, deutsch oder italienisch berücksichtigen? Können sie allumfassend sein und alle EU-Sprachen einbeziehen? “Wenn wir über europäische Medien sprechen, müßen diese mehrsprachig sein, “ betont Marco Schütz. Laut ihm, schaffen Sender wie Arte und EuroNews mithilfe ihrer Mehrsprachigkeit eine europäische Identität: “Indem man eine einzige Sprache benutzt, beschränkt man sich auf ein bestimmtes Publikum.“

Wenn die Sprache die Struktur eines europäischen Mediums definiert, kommt dem Kommunikationsmittel eine Schlüsselrolle zu. Der klassische Weg, die tägliche Zeitung, wäre nur dann möglich, wenn sie auf eine einzige, höchstens aber auf zwei Sprachen beschränkt bliebe. Jede weitere würde den Leser abschrecken. Internet und Fernsehen sind laut Chanel die naheliegenden Wege. Mit seinem unbegrenzten Raum könnte das Internet jedem etwas bieten. Griechisch, spanisch, ungarisch und europäisch - café babel mit seinen fünf Sprachvarianten hat das begriffen. Internetzeitschriften in Amerika wie z.B. Slate, die die schriftliche Ausgabe mit Radiosendungen kombiniert, bieten eine Reihe an Möglichkeiten, über Europas Wirklichkeit zu berichten.

Doch für jede Art von Internetmedien bleibt Glaubwürdigkeit die wichtigste Herausvorderung. Heute fehlt es dem Internet immer noch an Anerkennung als ein brauchbares und verläßliches Medium. Wie Europa, ist auch das Internet noch neu. Was ihm an Anerkennung fehlt, muss es mit der Verpflichtung auf die Journalismusregeln und mit einer ständigen Suche nach guten Ideen und Geschichten wettgemachen.