Nesthocker, Tanguys und Fannulloni: Europas Generation ni ni

Artikel veröffentlicht am 27. Januar 2010
Artikel veröffentlicht am 27. Januar 2010

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Ihr dachtet in Deutschland gebe es die ältesten Studenten und jüngsten Rentner? Weit gefehlt: Italien ist laut einer kürzlich losgetretenen Debatte das EU-Land mit den meisten Mamasöhnchen (und Töchtern). Doch keine Sorge - die Nesthocker-Mentalität ist in ganz Europa, zumindest sprachlich, anzutreffen. Panorama.

In Italien haben wir die ältesten Politiker. Gleichzeitig ist Italien aber auch das Land mit den ältesten jungen Erwachsenen. Wie bitte? Richtig gehört! Einige erbarmungslose Statistiken belegen, dass inzwischen ungefähr fünfeinhalb Millionen Italiener im Alter zwischen 18 und 34 Jahren immer noch bei ihren Eltern leben, was einem Prozentsatz von insgesamt 69,7% entspricht.

Bereits 2007 hatte der damalige Wirtschaftsminister Tommaso Padoa-Schioppa die italienischen Nesthocker (bamboccioni) dazu aufgefordert, endlich flügge zu werden und ihr warmes Nest zu verlassen. Seine Forderung, die damals fast ungehört verhallte, wurde nun von einem anderen Minister aufgegriffen: So möchte der Minister für öffentliche Verwaltung, Renato Brunetta, gesetzlich festschreiben lassen, dass Italiens Muttersöhnchen bereits mit 18 Jahren vor die Tür gesetzt werden. Gleichzeitig gab der Minister aber zu verstehen, dass er selbst erst spät aus dem Hotel Mama ausgecheckt hat.

Bei den italienischen bamboccioni handelt sich dabei um junge Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen weiterhin bei ihren Eltern wohnen, da sie sich die Miete für eine eigene Wohnung nicht leisten können. Der Ausdruck bamboccione ist ein Neologismus der italienischen Sprache, der von bamboccio abgeleitet ist, was soviel wie 'Pummelchen' oder 'Trottel' bedeutet. Die bamboccioni werden aber auch oft fannulloni oder nulla facenti ('Faulenzer', 'Faulpelz') genannt.

Doch das Problem ist kein rein italienisches. In Frankreich zum Beispiel nennt man die Endlosstudenten, denen es bei Mama und Papa prächtig gefällt, auch gern Tanguys. Der gleichnamige Film, der 2001 in die Kinosäle kam, erzählt die Geschichte des jungen Tanguy, der mit 28 Jahren immer noch bei seinen Eltern wohnt. Auch das französische Kofferwort adulescent, das aus der Zusammenziehung von adulte ('Erwachsener') und adolescence ('Jugend') entstand, wird gern für die Generation der Faulpelze verwendet.

Im Polnischen gibt es für die Nesthocker gleich mehrere Ausdrücke. Einer der Originellsten ist sicherlich na garnuszku rodziców, was so viel wie in den Taschen der Eltern, den Eltern auf der Tasche liegen heißt. Der Ausdruck wird für junge Erwachsene gebraucht, die noch nicht den Weg ins Arbeitsleben gefunden haben und für deren Unterhalt die Eltern aufkommen. In Spanien, wo das Phänomen ebenfalls weit verbreitet ist, spricht man von der generación ni-ni, womit ein junger Erwachsener bezeichnet wird, der weder studiert noch arbeitet und immer noch bei seinen Eltern lebt.

Und ihr Ruf? Ist ihnen völlig schnuppe! Früher konnte die Jugend ihr Kinderzimmer nicht schnell genug verlassen, heute werden lieber noch einmal ein paar Nächte im Hotel Mama gebucht.